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NFL-Commissioner Roger Goodell vor dem Super Bowl
Roger Goodell ist seit 2006 Commissioner der NFL © Getty Images

Phoenix - Angesichts der vielen Skandale wird Commissioner Roger Goodell von der Weltpresse vor dem Super Bowl gepiesackt. Um aus der Kritik zu kommen, hat er einige Reformen vor.

Roger Goodell hat kein gutes Jahr hinter sich.

Die Spiele waren großartig, die Stadien voll und auch Super Bowl XLIX in Phoenix ist eine große Party, aber den zahlreichen Skandalen und Problemen kann sich der Commissioner der NFL nicht entziehen.

Häusliche Gewalt und Verhaftungen - unter anderem Ex-MVP Adrian Peterson und Ray Rice - bestimmten lange Zeit die Schlagzeilen. Die heftige Kritik am Umgang mit diesen Eklats musste vor allem der Boss einstecken.

Dazu kamen der mögliche Umzug der St. Louis Rams nach Los Angeles, Goodells angespanntes Verhältnis zu den Spielern, die Gesundheit der Athleten und natürlich "Deflategate" um die New England Patriots. Zu guter Letzt tanzte Marshawn Lynch der NFL auch noch mit seiner Medienshow in ihrer wichtigsten Woche auf der Nase rum.

Demütig, aber bestimmt

Entsprechend demütig, aber bestimmt gab sich Goodell auf seiner traditionellen großen Pressekonferenz. "Es war ein hartes Jahr - auch für mich persönlich. Uns ist klar, dass wir das Vertrauen der Fans an jedem Tag neu gewinnen müssen. Deshalb müssen wir uns in allen Bereichen weiter verbessern", sagte der 55-Jährige.

Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX
Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX © SPORT1

Wirklich spezifische Punkte, wie er das angekratzte Image der kommerziell erfolgreichsten Sportliga der Welt wieder aufpolieren will, listete Goodell allerdings nur wenige auf.

Klar positionierte er sich beim Thema Gewalt. "Wir werden vor diesem Problem kein Stück zurückweichen. Es ist ein Problem der Gesellschaft, das wir gründlich analysiert haben und mittlerweile auch besser verstehen. Solches Verhalten wird in der NFL nicht toleriert", sagte Goodell.

Neues Kommitte, externe Ermittler

Die wichtigste Maßnahme ist die Bildung eines neuen "League Conduct Committees", das bereits am Donnerstag zum ersten Mal tagte und die noch einmal strengeren Verhaltensregeln effizienter durchsetzen soll: "Wir wollen ausdrücklich nicht auf die Strafverfolgungsbehörden warten, sondern unsere eigenen Untersuchungen frühzeitig einleiten und abschließen."

Goodell und die Liga waren besonders für den zunächst halbherzigen Umgang mit dem Fall Rice in die Schusslinie geraten. Für das erwünschte familienfreundliche Image war das ein Desaster. Der Ruf des mit harter Hand agierenden "Duke" war dahin.

Man werde sich in Zukunft nicht scheuen, unabhängige externe Ermittler mit ins Boot zu holen. Das hatte Goodell bereits bei dem Eklat um den Luftdruck der Patriots-Bälle im AFC Championship Game getan.

Patriots und Lynch drohen Strafen

Diese Untersuchung leitet Anwalt Ted Wells. Die NFL wird vor dem Abschluss keinerlei Statement dazu abgeben.

Goodell stellte aber klar, dass es "eine Liga mit Regeln ist, die von allen 32 Teams respektiert werden müssen". Empfindliche Strafen für die Patriots sind nicht ausgeschlossen, sollte eine "absichtliche Aktion" gewesen sein - von wem auch immer.

Das könnte auch Marshawn Lynch drohen. Seine Weigerung, mit den Medien zu kooperieren, sei inakzeptabel. Sich zu äußern gehöre "zum Privileg, im Super Bowl zu spielen".

Eigenes Team für London?

Zudem wolle Goodell Innovationen in drei Bereichen zu erzielen: im Spiel an sich, Schutz der Spieler und der Fan-Erfahrung.

So werde beispielsweise an Möglichkeiten gearbeitet, den Extrapunkt interessanter zu machen, Saisonspiele auch in den USA zu streamen und den Videobeweis auf Strafen auszuweiten.

Auch über eine Ausweitung der Playoffs werde gesprochen, London darf sich leise Hoffnungen auf ein eigenes Team machen ("Wir haben große Pläne mit London"), während Mexiko oder auch der Rest Europas wohl maximal auf ein Spiel spekulieren dürfen.

Frage nach Gehaltskürzung

Zum Thema Los Angeles stellte Goodell klar, dass er alle Teams an ihrem momentanen Standort belassen wolle - obwohl Rams-Eigner Stan Kroenke ein Stadion für 80.000 Menschen in L.A. plant.

Bei all diesen Baustellen verspricht auch 2015 kein leichtes Jahr für Goodell zu werden. Sogar die Frage nach einer Gehaltskürzung musste er sich von den Journalisten gefallen lassen.

Bei einem Jahressalär von jenseits der 40 Millionen Dollar könnte er das übrigens verschmerzen.

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