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Die New England Patriots beim Media Day vor dem Super Bowl XLIX
Beim Media Day vor dem Super Bowl herrscht reger Andrang auf die Stars der Patriots und Seahawks © getty

Phoenix ist in vielerlei Hinsicht ein idealer Standort für den Super Bowl: traumhaftes Klima, gigantisches Stadion, moderner Flughafen, viele Hotels und sehr entspannte Einwohner.

Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX
Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX © SPORT1

Zum traditionell völlig chaotischen Media Day - dem Großkampftag der fast 5000 Journalisten - passt der Wilde Westen sogar noch besser.

Dort wo sich im 19. Jahrhundert Cowboys und Indianer gegenüberstanden, herrscht nämlich auch beim Kampf um die NFL-Größen noch das Gesetz des Schnelleren.

Statt des Colts werden allerdings heute die Mikros, Aufnahmegeräte und Smartphones gezogen, um die Kindheitsanekdoten von Patriots-Superstar Tom Brady oder Head Coach Bill Belichicks genuschelte x-te Rechtfertigung für "Deflategate" aufzuzeichnen.

Zwar gibt es heute keinen Jesse James, Doc Holiday oder Billy The Kid mehr. Aber die kaltblütigsten Gesetzlosen liegen auch im medialen Saloon der NBA-Arena der Phoenix Suns ganz weit vorn.

Da hilft es einem auch wenig, dieses Rodeo bereits einmal bestritten zu haben.

Zwei Jahre später kommt sich dieser SPORT1-Reporter erneut wie der Fremde ohne Namen vor, der wie ein einsamer Wolf in die Stadt einreitet, um ein Statement der Meistgesuchten aus den Gangs der Patriots und Seahawks zu schnappen.

Besonders wichtig ist dabei, die optimale Position zu finden, bevor es High Noon schlägt und der Wahnsinn beginnt.

Die Taktik, mit einem von den US-Kollegen nicht sofort belagerten Starter anzufangen, macht sich bezahlt. Noch ehe die Kavallerie von ESPN anrückt, sind schon drei Fragen an Earl Thomas III gestellt und inklusive des Ritterschlages "gute Frage" eingetütet.

Dann noch kurz unseren deutschen Westernhelden Sebastian Vollmer gesprochen.

Das Highlight liefert aber wieder einmal Marshawn Lynch. Nicht einmal eine mit ihren Reizen lockende mexikanische Reporterin (Salma Hayeks Zwillingsschwester?) kann den schnellsten Colt des Westens nach drei Minuten noch zum Bleiben überreden.

Die weiblichen Outlaws aus aller Welt sind ohnehin die größten Widersacher. Verstehen kann man die NFL-Stars ja.

Wer würde nicht lieber mit einer 1,80 Meter großen Blondine über die Trikotfarben diskutieren, als Fragen eines über Gebühr schwitzenden Engländers nach den Vorteilen der 3-4-Defense zu beantworten?

Dazu kommt, dass die Sporen der Damen - nichts anderes sind die hochhackigen Manolo Blahniks - eine gefährliche Bedrohung für die Zehen darstellen und daher unbedingt ebenso gemieden werden sollten, wie der Knast von Dodge City.

Nach einem kurzen Plausch mit dem Marshall der hiesigen Football-Experten, Mike Ditka, der mich spontan an die Autorität eines Wyatt Earp - ja, Tombstone ist nicht weit entfernt - erinnert, ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

Der Staub legt sich und es kehrt bis zum großen Spiel am Sonntag wieder Ruhe in der Prärie ein.

Recht und Ordnung sind wieder hergestellt, schließlich wird NFL-Boss Roger Goodell nicht umsonst nach John Wayne auch der "Duke" genannt.

Die Ausbeute kann sich sehen lassen - und dieser Nobody reitet seinem nächsten Abenteuer in der wilden Woche bis zum Super Bowl entgegen.

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