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Phoenix - Sebastian Vollmer kann im Super Bowl Geschichte schreiben. Für die Patriots ist er ein Schlüssel zum Erfolg. Große Worte sind aber nicht sein Ding.

Sebastian Vollmer ist ein ausgeglichener Mensch.

Während Teamkollegen und Gegner im Vorfeld des Super Bowls XLIX eine große Show abziehen oder sich wie Marshawn Lynch mit der NFL anlegen, bleibt der gebürtige Rheinländer super cool.

Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX
Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX © SPORT1

"Die Aufregung hält sich in Grenzen", sagt Vollmer im Gespräch mit SPORT1. Dabei hat der Offensive Tackle der New England Patriots am Sonntag gegen die Seattle Seahawks (So. auf Mo., ab 0 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM) die Chance, sich in die Geschichtsbücher einzutragen.

Nie zuvor konnte ein Deutscher den Super Bowl gewinnen, Vollmer nimmt nach der Pleite vor drei Jahren gegen die New York Giants den zweiten Anlauf und ist für die Patriots ein Schlüssel zum Erfolg.

145 Kilogramm zu Bradys Schutz

Denn seine imposante Statur - 145 Kilogramm verteilen sich auf die Körpergröße von 2,03 Meter - wird gegen die beinharte Verteidigung der Seahawks dringend benötigt, um Superstar Tom Brady Schutz zu bieten.

AFC Championship - Indianapolis Colts v New England Patriots
Quarterback Tom Brady greift mit den New England Patriots im Super Bowl nach seinem vierten Meistertitel © Getty Images

Seit sechs Jahren ist Vollmer nun schon der Bodyguard des Star-Quarterbacks und trägt einen großen Teil zu den Erfolgen Bradys und New Englands bei. Wie eine Dampfwalze überrollt er seine Gegenspieler - mit Kraft und Technik.

"Sebastian ist ein großartiger Spieler. Er kann sich sehr schnell auf verschiedene Typen einstellen. Es ist egal, ob sie über Schnelligkeit oder Power kommen, er hat das im Griff", schwärmt sein Positionscoach Dave DeGuglielmo bei SPORT1.

Vom Tight End zum Lineman 

Dabei war Vollmer als Teenager noch ein begabter Schwimmer, trainierte sogar mit dem ehemaligen Weltklasseathleten Thomas Rupprath.

"Ich habe dann aber mit dem Schwimmen aufgehört, weil ich mich eher in einer Teamsportart gesehen habe, um in der Gruppe etwas Großes zu erreichen", erklärt der 30-Jährige seinen Wechsel zum Football. Entsprechend sind auch für ihn die Kumpels in der Offensive-Line die dicksten Kumpels im Team: "Mit ihnen verbringst du einfach die meiste Zeit, da wächst du eng zusammen."

Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in San Diego entdeckten ihn 2004 die Talentspäher der Colleges. Vollmer entschied sich für die Universität in Houston. Nach einer Rücken-OP in seinem zweiten Jahr wurde er vom Tight End zum Lineman umgeschult und startete danach sämtliche Spiele bis zu seinem Abschluss.

Bis zu 27 Millionen für vier Jahre

Die Patriots verpflichteten ihn bereits in der zweiten Runde des Drafts 2009, gleich in seinem ersten NFL-Spiel lief er als Starter auf und wurde 2010 ins All-Pro Second Team gewählt - also zu einem der vier besten Offensive Tackle der gesamten Liga.

"Er könnte kein besserer Mitspieler sein. Er macht seinen Job großartig und arbeitet unglaublich hart. Er ist ein guter Freund und wir teilen das große Hobby jedes Lineman: Essen", lobt sein langjähriger Teamkollege Dan Connolly bei SPORT1. (Die besten Super-Bowl-Werbespots)

Vollmer ist ein Krieger, der sich nach langwierigen Rückenproblemen und einem Beinbruch 2013 immer wieder zurückgekämpft hat. Diese Einstellung lieben die Coaches. Nicht umsonst erhielt er 2012 einen neuen Vierjahresvertrag, der ihm im Optimalfall 27 Millionen Dollar einbringt.

Obwohl er sicher die beeindruckendste Visitenkarte der aktuell vier deutschen NFL-Profis aufzuweisen hat, wird er oftmals nicht so wahrgenommen wie beispielsweise Erstrundendraftpick Björn Werner. Für Offensive Linemen gibt es nicht einmal in den Zahlen-verrückten USA eine Statistik.

Vorbereitung verleiht Sicherheit

Außerdem meidet Vollmer lieber das Rampenlicht. Er ist ein stiller, in sich ruhender Profi, der allerdings mittlerweile eine selbstbewusste Lockerheit ausstrahlt.

"Die richtige Vorbereitung ist am wichtigsten. Wenn du das Gefühl hast, dass dich nichts überraschen kann, hast du eine gewisse Sicherheit und Selbstvertrauen. Dafür ist aber viel Training und Filmstudium über das ganze Jahr nötig", erklärt Vollmer.

Für die Familie in Deutschland bleibt da wenig Zeit. Seit Donnerstag sind sie in Phoenix. "Viel Zeit werde ich aber wohl nicht für sie haben", betont Vollmer. Er versuche "ein- oder zweimal im Jahr" in die Heimat zu kommen - 2015 vielleicht als historischer Super-Bowl-Gewinner.

"Natürlich wäre es toll, das Ding zu gewinnen, aber die Bedeutung als Deutscher ist für mich jetzt nicht entscheidend. Das wird dir vielleicht nach der Karriere bewusst. Jetzt geht es um den Sonntag", sagt Vollmer.

Dank Brady "immer eine Chance auf den Sieg"

Gegen die Seahawks um ihre explosiven Quarterback-Jäger wie Michael Bennett darf er sich keine Schwäche leisten, nur dann hat Brady genug Zeit, sein gefürchtetes Passspiel aufzuziehen.

"Tom ist genauso, wie er immer dargestellt wird. Er ist mein einziger Quarterback in der NFL. Es macht mich stolz, für ihn zu blocken. Er ist ein Gewinner, mit ihm Rücken hast du immer eine Chance auf den Sieg", schwärmt Vollmer.

Bei den Patriots fühlt er sich wohl und hat die Sieger-DNS von Head Coach Bill Belichick verinnerlicht: es gibt kein ich in Team. Die deutsche Dampfwalze hat ein Date mit der Geschichte.

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