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Sebastian Vollmer im Fangetümmel
Sebastian Vollmer steht mit den New England Patriots im Rampenlicht des Super Bowls © Getty

München - 15 Monate nach seiner Horrorverletzung kämpft sich der Rheinländer in den Super Bowl. Mit den New England Patriots will Vollmer seine Karriere nun krönen.

Sebastian Vollmer schrie vor Schmerzen. Defensivkoloss Randy Starks war ihm auf den Oberschenkel gekracht. Satte 138 Kilogramm brachte der Spieler der Miami Dolphins auf die Waage.

Auf dem Rücksitz des Krankentransporters ahnte Vollmer bereits: Die Saison ist gelaufen. Seine Vorahnung trügte ihn nicht. Die Ärzte diagnostizierten einen Beinbruch bei Vollmer. Die New England Patriots mussten auf ihren Right Tackle verzichten.

Am Sonntag schrie Vollmer wieder. Diesmal vor Freude. 15 Monate nach der Horrorverletzung von Miami konnte er einen großen Triumph feiern.

Mit New England gewann er das Championship Game der AFC. Vollmers Team ließ den Indianapolis Colts keine Chance und qualifizierte sich durch einen 45:7-Erfolg für den Super Bowl.

Schmutzarbeit für Brady

Star-Quarterback Tom Brady lief wieder zu Hochform auf, warf gegen die Colts drei Touchdown-Pässe. Vollmer verrichtete die Schmutzarbeit.

 Er und die übrigen Bodyguards der Offensive Line beschützten Brady exzellent. Es gab kein Durchkommen für die Colts-Defensive, der Quarterback konnte schalten und walten, wie er wollte.

"Sebastian hat einen guten Job gemacht, so wie immer", lobte Patriots-Headcoach Bill Belichik Vollmer, dessen Aufgabe es ist, den Weg zum Spielmacher zu verriegeln. Er erledigte dies mit deutscher Gründlichkeit.

Wecker klingelt um 5.30 Uhr

Mit dieser geht der 30-Jährige auch die Aufgaben der kommenden Tage an. Vollmer wird sich den Wecker wieder auf 5.30 Uhr stellen, um pünktlich am Trainingsgelände zu sein.

"Heute werden wir das erst mal genießen. Morgen geht's zurück zur Arbeit", sagte er nach dem Sieg über Indianapolis.

 Auch Brady wollte den Sieg gegen Indianapolis schnell abhaken. "Es war ein großartiger Mannschaftserfolg", sagte der Quarterback-Star, um schnell zu ergänzen, dass "das beste Spiel hoffentlich noch kommen" werde.

Damit meinte er den Super Bowl. In der Nacht zum das 2. Februar treffen die Patriots in Glendale/Arizona auf Titelverteidiger Seattle Seahawks.

Auftritt vor 800 Millionen Zuschauern

Vollmer hat es schon erlebt, das Sportevent der Superlative. Er stand 2012 mit dem Patriots im Endspiel. Vollmer hörte im Stadion, wie Popstar Kelly Clarkson die US-Hymne sang. Er wurde von den Fernsehkameras eingefangen, die 800 Millionen Football-Fans mit Bildern versorgte.

Und Vollmer sah die Vince Lombardi Trophy aus nächster Nähe. Doch der gebürtige Rheinländer durfte nur gucken und nicht anfassen.

Die New York Giants waren stärken. Quarterback Eli Manning und seine Teamkollegen feierten im Konfetti-Regen. Vollmer schaute bedröppelt drein.

Auf von Schamanns Spuren

Er hatte es verpasst, Geschichte zu schreiben und der erste Super-Bowl-Gewinner aus Deutschland zu werden. Wie Uwe von Schamann unterlag er im Endspiel. Der Kicker spielte mit den Miami Dolphins zwei Mal um den Super Bowl und kassierte 1983 und 1985 jeweils eine Niederlage.

"Es ist schwer zu begreifen. Man rechnet mit dem Sieg, man möchte den Sieg unbedingt, arbeitet Jahre darauf hin - sehr schwer zu begreifen", sagte Vollmer damals.

Nun bekommt er seine zweite Chance, sich für die jahrelange Schinderei zu belohnen. Als er mit 14 bei den Düsseldorfer Panther begann, war Football noch ein Hobby. Doch seit 2003 bestimmt der Sport sein Leben.

Ausbildung in Houston

Damals erhielt er ein Stipendium an der University of Houston. Vollmer büffelte dort Spielsysteme und Englisch. 2009 drafteten die Patriots den Deutschen, der sich schnell zu einem Leistungsträger entwickelte.

Rückschlage steckte der Right Tackle immer weg. Gehirnerschütterung, Rückenprobleme, Fußbruch - Vollmers Krankenakte war auch schon vor der Zusammenstoß mit Starks dick.

In Glendale kann er sich für die ganze Quälerei belohnen. Dort will Vollmer sich mit seinen 140 Kilogramm Seattles Quarterbackjägern in den Weg stellen und Brady beschützen.

Geht dieser Plan auf, hätte Vollmer diesen vermaledeiten Tag in Miami endgültig hinter sich gelassen.

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