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Sebastian Vollmer, NFL, New England Patriots, Bank
Sebastian Vollmer ist der erste deutsche Super-Bowl-Sieger © imago

München - Nach Sebastian Vollmers Super-Bowl-Titel erinnert sich sein früherer Sportlehrer bei SPORT1 an die Anfänge. Nicht überall stieß Vollmers Leidenschaft auf Gegenliebe.

Es ist nicht überliefert, ob Tom Brady jemals in Kaarst war.

Vielleicht steht zukünftig ein Besuch des 37-Jährigen in der 42.000-Einwohner-Stadt im Speckgürtel von Düsseldorf auf dem Programm. Denn dass der Quarterback der New England Patriots mit seinem vierten Super-Bowl-Sieg in den Olymp der NFL aufgestiegen ist, hat er nicht zuletzt einem Kaarster zu verdanken.

Offensive Tackle Sebastian Vollmer hielt Brady bei den Patriots seit 2009 die Häscher vom Leib. Nun krönte er seine Karriere mit dem NFL-Titel. Dem ersten überhaupt für einen deutschen Spieler. Dem größten Erfolg eines Sohns der Stadt seit Berti Vogts' Glanzzeiten in den 70ern.

Taktik-Lehrstunden in der Schule

Dass "Wolfsbarsch" Vollmer eine ähnlich große Karriere wie der "Terrier" hinlegen würde, war zu Schulzeiten jedoch noch nicht absehbar. "Er kam eigentlich über das Schwimmen und hat dort für uns an Schulmeisterschaften teilgenommen", erinnerte sich Vollmers ehemaliger Sportlehrer Wolfram Schmutzler bei SPORT1 an seinen früheren Schüler.

Um die Jahrtausendwende wechselte Vollmer zum American Football. In einer Zeit, in der Düsseldorf Rhein Fire mehr Fans ins Stadion lockte als die Fortuna, fing er bei den Düsseldorfer Panthern an und war fortan vom Football-Virus befallen.

In der Oberstufe stellte Vollmer seinen Sport im Sportunterricht vor: "Er hat vor allem von taktischen Dingen gesprochen, etwa wie man sich am besten im Raum aufstellt. Nach der vierten Stunde haben die ersten gefragt: 'Wann können wir uns denn endlich mal richtig bewegen?' Da habe ich die Sache abgebrochen."

Musterschüler Vollmer

Im Super Bowl stand Vollmer richtig, stemmte sich den Seattle Seahawks entgegen und ließ nur ein Sack gegen den Final-MVP Tom Brady zu. Dass er als Offensive Tackle trotz starker Leistungen selten im Mittelpunkt steht, stört den 30-Jährigen wenig.

"Er war ein Schüler, den man als Lehrer gerne unterrichtet hat, weil er sehr talentiert und ein ruhiger Vertreter war. Er ist nicht extrovertiert gewesen, sondern so, wie er sich in Amerika auch präsentiert", versicherte Schmutzler über seinen Ex-Schüler, der dennoch stets "genau wusste, was er wollte". Eskapaden gehörten nicht dazu.

Sebastian Vollmer Düsseldorfer Panther
Sebastian Vollmer (r.) im Jahr 2002 bei den Düsseldorfer Panthern © Imago

"Damals nur halb so breit"

Charakterlich mag Vollmer der Alte geblieben sein. Körperlich macht sich das Dasein als NFL-Profi seit seinem Wechsel in die USA im Jahr 2009 mit einer täglichen Zufuhr von 5000 Kalorien dafür umso deutlicher bemerkbar. "Damals war er nur halb so breit wie heute", so sein früherer Lehrer.

Im zweiten Anlauf gelang Vollmer nun der größte Triumph, den sein Sport zu bieten hat. Auch für Schmutzler eine Genugtuung: "Dass er gewonnen hat, hat mich schon emotional berührt. Ich freue mich für ihn riesig und wünsche ihm, dass er den Sport noch viele Jahre ohne große Verletzungen betreiben kann."

Tom Brady, der eben erst ein Karriereende ausschloss, würde sich darüber wohl ebenfalls freuen.

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