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Glendale - Dank einer Interception in letzter Sekunde entthront New England die Seahawks. Tom Brady besiegt seinen Fluch. Vollmer gewinnt als erster Deutscher den Super Bowl.

Tom Brady hat den Fluch von Glendale besiegt.

Seine New England Patriots gewannen mit dem deutschen Offensive Tackle Sebastian Vollmer den Super Bowl XLIX gegen Titelverteidiger Seattle Seahawks in einer dramatischen Endphase mit 28:24 (14:14).

Patriots endlich am Ziel

Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX
Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX © SPORT1

An gleicher Stätte hatten die New York Giants 2008 seine perfekte Saison und den vierten Meistertitel verhindert, diesmal ging es nach dem nächsten kassierten Megacatch trotzdem gut.

Weil Malcolm Butler den möglichen Touchdown-Pass von Seattles Russell Wilson (247 Yards) abfing, gewannen die "Pats" ihren vierten Titel nach zehn Jahren und zwei vergeblichen Anläufen.

MVP Tom Brady war trotz zweier Interceptions mit 37 von 50 angebrachten Pässen für 328 Yards und vier Touchdowns der Matchwinner und zog endlich mit seinem Jugendidol Joe Montana gleich.

Teamkollege Vollmer schrieb als erster deutscher Champion ebenfalls Geschichte und schwärmte von Brady: "Er ist einfach großartig. Er ist der Beste. Als Offense-Line wollen wir ihm immer so viel Zeit wie mögliche geben. Das hat heute ziemlich gut funktioniert."

Gratulation an die Pats von Dirk Nowitzki via Twitter

Nach dem Schlusspfiff war es dann auch keine große Überraschung, dass Brady und Vollmer einige innige Sekunden miteinander teilten.

Teamplayer Brady umarmte seinen deutschen Beschützer Sebastian Vollmer an der Seitenlinie. Was gesagt wurde? „Ist privat“, gab sich Vollmer sogar im Moment des Triumphs wortkarg.

Beide Teams setzen vor 70.288 Fans im University of Phoenix Stadium von Beginn an auf ihre Stärken. Die Patriots verzichteten auf die Running Backs drei und vier, stattdessen warf Brady gleich dreimal. Seattle gab in seiner ersten Serie dreimal dem golden beschuhten Star-Runner Marshawn Lynch den Ball.

Brady mit dem ersten Fehler

Die beiden Defensiv-Zauberer Pete Carroll und Bill Belichick hatten ihre Teams aber perfekt eingestellt. Die Seahawks trieben Brady mit perfekter Manndeckung in den ersten krassen Fehler.

Nach einem langen Drive mit den erwartet schnellen, kurzen Pässen, übersah Brady Nickelback Jeremy Lane, der seinen Pass in der Endzone abfing, sich dabei aber eine Verletzung am Handgelenk zuzog.

Genau dieses Schachspiel zwischen dem Offensivfeuerwerk der Patriots und der "Legion of Boom" genannten Passverteidigung um Richard Sherman war sehnsüchtig erwartet worden.

New England versuchte Tight End Rob Gronkowski früh auf verschiedenen Positionen zu etablieren, um seine Matchup-Vorteile zu nutzen, der leicht am Knie angeschlagene Kam Chancellor wich ihm aber nicht von der Seite.

"Wir wollten sehr flexibel sein, uns überall auf dem Feld positionieren. Wir haben exzellent harmoniert, das war eine unglaubliche Leistung", lobte "Gronk" die Teamleistung.

Sherman konnte trotz Ellbogenproblemen spielen - die Konzentration lag ebenfalls voll auf dem Endspiel. Schließlich hatten bei seiner hochschwangeren Frau die Wehen noch nicht eingesetzt.

Brady baut Rekord weiter aus

Auf der anderen Seite konzentrierten sich die Patriots auf das gefährliche Laufspiel des Titelverteidigers um Lynch und Quarterback Russell Wilson. Die als Schwachstelle ausgemachten Receiver boten Wilson kaum Anspielmöglichkeiten.

Entsprechend dominierte New England in seinem bereits achten Super Bowl den Ballbesitz. Durch einige Läufe von LeGarrette Blount und gute Blockarbeit von Vollmer und Co. neutralisierten die Pats die gefährlichen Quarterback-Jäger Michael Bennett und Cliff Avril.

Folgerichtige gelang Brandon LaFell im Duell mit Lanes Ersatz Tharold Smith der erste Touchdown - ein gutes Omen. In den 48 Super Bowls zuvor gewann 32 Mal das Team, das die ersten Punkte markierte. Für Brady war es auch der 50. Touchdown-Pass in seiner Playoff-Karriere (NFL-Rekord weiter ausgebaut).

Erst nach mehr als 24 Minuten brachte Wilson seinen ersten Pass an den Mann, der zweite war dann auch gleich ein ganz wichtiger. Chris Matthews fing die 44-Yard-Bombe.

Für den Mann, der im NFC-Finale den Onside-Kick erobert hatte, war es der erste Catch überhaupt. Kurz darauf glich Lynch aus. Endlich ging es nun hochklassig zur Sache.

Carrolls Risiko zahlt sich aus

Bradys Offense hatte aus der Überlegenheit zu wenig gemacht und musste mit einem Remis in die Pause, weil Überraschungsmann Matthews den Touchdown durch Gronkowski egalisierte.

Super Bowl XLIX - Die besten Bilder
Katy Perry und Lenny Kravitz waren Teil der Super-Bowl-Halbzeitshow © Getty

Carrolls Risiko mit nur sechs Sekunden auf der Uhr, auszuspielen statt zu kicken, zahlte sich aus.

Nach Katy Perrys Mega-Show rächte sich im dritten Viertel die mangelnde Chancenverwertung der Pats in Halbzeit eins.

Die Seahawks fanden endlich ihren Rhythmus.

Matthews (109 Yards) und Lynch wechselten sich jetzt mit Big Plays ab.

Die Verteidigung trieb Brady in die zweite böse Interception und urplötzlich führte der Meister mit zehn Punkten und war auf dem Weg zur ersten Titelverteidigung seit Bradys New England 2004.

Durch die Hilfe seiner Nebenleute fand plötzlich auch Wilson zu seinem Spiel und zeigte sein bekanntes Selbstbewusstsein und die Genauigkeit bei den langen Würfen.

Patriots mit dem Rücken zur Wand

Dagegen verloren Belichicks Team die gute Balance aus der Anfangsphase, so wurden Bradys kurze Pässe zu ausrechenbar. Tief zu gehen, ist gegen Sherman und Earl Thomas ohnehin nicht zu empfehlen.

Mit dem Rücken zur Wand zeigte der Superstar der Patriots seine Klasse. Mit chirurgisch präzisen Würfen brachte Brady den AFC-Champion wieder auf 21:24 heran. Dann nutzte Gronkowski seinen vorher prognostizierten Matchup-Vorteil aus. Seine Kombination aus Größe und Explosivität führte New England erneut vor die Endzone.

Zwei Minuten vor Schluss gelang dann dem kleinen Julian Edelman der größte Catch seiner Karriere zur erneuten Führung für die 2008 hier noch so unglücklich abgefangenen Patriots.

Nun war das nächste Zauberstück des Crunch-Time-Zauberers Wilson gefragt.

In seinen drei NFL-Jahren wurde er diesem Ruf bereits zehnmal gerecht (Rekord).

Nach dem irrsten Catch seit David Tyree vor sieben Jahren durch Jermaine Kearse machte Wilson aber diesmal den entscheidenden Fehler.

Statt Lynch (102 Yaards) laufen zu lassen, warf Wilson die Interception in die Arme von Malcolm Butler und beendete den Fluch der Patriots.

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