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Glendale - Der Quarterback der New England Patriots zieht im Super Bowl mit seinem Idol gleich und stellt Rekorde auf. "Er ist jetzt der Beste", sagt Sebastian Vollmer SPORT1.

Die unendliche Erleichterung war Tom Brady anzumerken.

Der Superstar der New England Patriots hat seine New England Patriots nach zehn langen Jahren wieder auf den Gipfel der Football-Welt geführt. Das nervenzerreißende 28:24 über die Seattle Seahawks in Super Bowl XLIX war nicht zuletzt für ihn die Krönung.

Auf Augenhöhe mit Montana

Mit dem vierten Titel und der dritten MVP-Trophäe im Endspiel der NFL steht der 37-Jährige nun allein mit seinem Kindheitsidol Joe Montana auf dem Quarterback-Olymp.

Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX
Eric Böhm berichtet für SPORT1 vom Super Bowl XLIX © SPORT1

"Es war ein verdammt langer Weg. Ich hatte einfach das Glück, in so vielen großartigen Teams spielen zu dürfen. Da zu sein, wo Spieler waren, die ich bewundert habe, ist ein fantastisches Gefühl. Ich bin gesegnet", sagte Brady.

Es ist typisch für den sympathischen Teamplayer, dass er zuerst seinen deutschen Beschützer Sebastian Vollmer an der Seitenlinie umarmte. Was gesagt wurde? "Ist privat", sagte Vollmer, der als erster Deutscher die Vince Lombardi Trophy hochhalten durfte.

Vollmer: "Immer daran geglaubt"

"Tom ist für mich jetzt der beste Quarterback", sagte Vollmer zu SPORT1 und ergänzte: "Mit ihm hast du immer eine Chance, selbst gegen die beste Mannschaft der USA. Es ist einfach wunderbar. Wir haben immer daran geglaubt."

Dabei wäre es fast auf die deckungsgleiche Art wie 2008 schiefgegangen. Auch damals führten die Patriots an gleicher Stelle in den Schlussminuten und waren sogar auf dem Weg zu einer perfekten Saison.

Dann kam David Tyree mit seinem irren Helm-Catch und brachte die New York Giants zurück, diesmal war es Jermaine Kearse, der einen langen Pass von Seattles Spielmacher Russell Wilson am Boden liegend gefühlt fünfmal fangen musste.

"Das war ein ausgezeichneter Catch. Ich dachte, er wäre incomplete. In der Wiederholung habe ich gesehen, dass er ihn hat. Ich habe so etwas schon zweimal gesehen", erinnerte sich auch Head Coach Bill Belichick an Tyree und Mario Manningham bei der Pleite 2011.

Der Matchwinner und seine Vision

Es schien, als würden die Seahawks kurz vor Schluss den entscheidenden Touchdown erzielen, ihren Titel verteidigen und Brady das Herz brechen.

Ein taktischer Fehler der ebenfalls unglaublich intensiv kämpfenden Seahawks und die goldenen Hände Malcolm Butlers sorgten dann aber doch noch für das Happy End.

Statt 20 Sekunden vor dem Ende erneut ihrem auch an diesem Abend unglaublich starken Running Back Marshawn Lynch zu geben, legten sie ihr Schicksal in Wilsons Hände, der den Touchdown auf Ricardo Lockette erzwingen wollte und Butler übersah.

"Ich wusste, sie würden diesen Pass versuchen. Der Sieg stand auf dem Spiel, und ich war vor ihm zur Stelle und habe mir das Ding geschnappt. Davon hatte ich eine Vision", jubelte der Rookie.

Irvin äußert Kritik an der Taktik

Nach dem Thriller-Comeback im NFC-Finale gegen Green Bay hatten die Seahawks und Head Coach Pete Carroll diesmal nicht das glückliche Händchen.

"Es war unglücklich. Ihr Spieler hat das fantastisch gemacht. Ich war schon über den angesagten Spielzug überrascht. Ob ich es anders angesagt hätte, ist irrelevant", äußerte Star-Cornerback Richard Sherman berechtigte Zweifel.

Seattles Linebacker Bruce Irvin fand sogar noch etwas deutlichere Worte: "Wir hatten den Ball an der 1-Yard-Linie, und ich kann nicht verstehen, warum wir den Ball nicht zum besten Running Back der Liga geben. Keine Ahnung was sich die Offense dabei gedacht hat. Ich verstehe das einfach nicht."

Der Frust darüber führte kurz darauf auch beinahe noch zu einer Schlägerei. Irvin flog dafür vom Platz. Nix war es mit der ersten Titelverteidigung seit New England 2004.

Neue Rekorde für Brady

Dass es überhaupt auf die letzten Sekunden ankam, war vor allem Brady zu verdanken. Nach drei Vierteln führten die Seahawks trotz schwacher Anfangsphase plötzlich mit zehn Punkten. Einen solchen Vorsprung hatten sie in den vergangenen drei Jahren bei 18 Versuchen immer ins Ziel gebracht.

Diesmal reichte es nicht, weil Brady seine Playoff-Legende um ein herausragendes Kapitel erweiterte. Zwei böse Interceptions steckte er weg, stellte drei neue Super-Bowl-Rekorde auf und baute drei weitere aus.

Niemand warf im Endspiel jemals mehr Pässe für mehr Yards und brachte mehr an. Mit nun 13 Touchdown-Pässen schnappte er Montana diese Bestmarke sogar schon weg. Mit 37 Completions überbot er den Rekord seines Dauerrivalen Peyton Manning aus dem vergangenen Jahr - der gegen die Seahawks hoffnungslos untergegangen war.

Gronkowski fängt und schwärmt

Noch beeindruckender als die Zahlen war freilich dieser letzte Angriffszug. Beim Stand von 21:24 führte Brady über zehn Spielzüge und 4:50 Minuten seine Männer in der Manier eines Generals mit unglaublicher Präzision über das Feld.

"Ich freue mich so für ihn. Er hat tolle Bälle geworfen. Ich bin einfach glücklich, Teil seiner Geschichte zu sein. Tom hat einen unglaublichen Willen", lobte Tight End Rob Gronkowski.

Zweimal nutzte Brady am Ende auch Gronkowskis (68 Yards, ein Touchdown) Vorteil im Eins gegen Eins aus. Zum Schluss bediente er seinen zuverlässigsten Receiver Julian Edelman mit einem Wurf, den er kurz zuvor noch verpatzt hatte.

"Tom ist der Beste aller Zeiten. Ich bin ein großer Montana-Fan, aber Tom war hier sechsmal und hat in der heutigen Zeit viermal gewonnen. Das kann niemand bestreiten", sagte Edelman auf SPORT1-Nachfrage.

Gerade weil er nicht mehr der junge Prinz ist, dem alles im Vorbeigehen zu gelingen scheint, hat Tom Brady sein beeindruckendes Vermächtnis mit diesem Glanzstück zementiert.

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