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Mark Nzeocha im Einsatz für die Wyoming Cowboys
Mark Nzeocha schaffte in 40 Spielen für die Wyoming Cowboys 207 Tackles © University of Wyoming

München und Laramie - Im wilden Westen Wyomings macht Linebacker-Talent Mark Nzeocha auf sich aufmerksam und könnte im Draft der fünfte deutsche NFL-Profi werden. Bei SPORT1 stellt er sich vor.

Ein junger Mann sucht im Land der Cowboys sein Glück.

Was wie der Auftakt eines Westerns im Stile von "Mein Name ist Nobody" klingt, ist die bemerkenswerte Geschichte des Mark Nzeocha aus Rothenburg.

Als absoluter Niemand kommt er vor vier Jahren ans College in der weiten Prärie von Wyoming und entwickelt sich zu einem dynamischen Linebacker, der im Draft - oder danach - zum fünften deutschen NFL-Export werden könnte.

"Es ist eine sehr aufregende Zeit. Ich bin natürlich sehr nervös. Mein Lieblingsteam wird das sein, das mir eine Chance gibt", sagt Nzeocha im Gespräch mit SPORT1.

Coach schwärmt von Nzeocha

Diese Möglichkeit wird ihm ein Team in jedem Fall geben. Zu verlockend ist seine selbst für NFL-Verhältnisse außergewöhnliche Kombination aus Schnelligkeit und Kraft.

Nicht viele Linebacker können mit 1,90 Meter und 110 Kilogramm pfeilschnelle Running Backs einholen und trotzdem harte Hits austeilen.

"Er ist groß, ein fantastischer Athlet, sehr schnell und richtig tough. Genau das suchen sie in der NFL. Im richtigen System kann er groß rauskommen", schwärmt Wyomings Defensive Coordinator Steve Stanard bei SPORT1.

Kreuzbandriss ist auskuriert

Wäre da nicht ein Kreuzbandriss im Oktober gewesen, Nzeocha hätte sich in jedem Fall unter den ersten 100 Picks wiedergefunden. Bis dahin spielte der 25-Jährige eine ganz starke College-Saison mit 59 Tackles in nur sieben Spielen für die Cowboys, wo Bruder Eric noch Tight End spielt und ebenfalls Profi-Ambitionen hegt.

Den Rückschlag hat er aber längst weggesteckt: "Die OP ist ja jetzt schon sechs Monate her. Es läuft super. Die Richtungswechsel und football-spezifischen Bewegungen klappen sehr gut."

Realistisch ist eine Auswahl in der sechsten oder siebten Runde. Klappt es nicht, wird der Athlet mit nigerianischen Wurzeln wohl trotzdem in einem Vorbereitungscamp landen.

Cowboystiefel-Romantik

Die etwas überraschende Einladung zum Combine genannten Vorspielen im Februar war in Hinsicht auf einen Vertrag ein gutes Zeichen für Nzeocha. Mehrere interessierte Teams stehen mit seinem Berater in Kontakt.

All das ist wahrlich nicht schlecht für einen Deutschen, der erst mit 13 Jahren zum Football kam und in Wyoming auch nicht gerade im Rampenlicht des College Football stand.

Das klischeehafte Bild der Cowboystiefel-Romantik ist dabei gar nicht so falsch. "Das ist so", sagt Nzeocha mit einem Lächeln. "Letztlich heißt das Team ja nicht umsonst Cowboys. Es ist sehr ländlich. Der komplette Staat hat ja nur etwas über 500.000 Einwohner. Jeder kennt jeden."

"Größte Waffe ist Geschwindigkeit"

Wie ist der Teamkollege von Björn Werner bei der Junioren-WM 2009 - die beiden stehen in Kontakt, Werner lud ihn bereits zu Colts-Spielen in Denver ein - eigentlich im wilden Westen gelandet?

Mark Nzeocha im Trikot der Wyoming Cowboys
Mark Nzeocha war am College auch dreimal in Folge im Academic All-Conference Team © University of Wyoming

"Mein guter Freund Oliver Schober hat ein Jahr vor mir in Wyoming gespielt. Er hat den Coaches von mir erzählt und ihnen meine Highlight-Videos gezeigt" erklärt Nzeocha.

Vom Safety wurde er dort zum Linebacker umgeschult: "Meine größte Waffe ist die Geschwindigkeit. Das ist auf dieser Position sehr wertvoll. Außerdem habe ich die nötige Willenskraft, überall auf dem Feld in Aktion zu treten."

Vor allem in den Special Teams könnte der Verteidiger damit einen NFL-Kaderplatz ergattern.

NFL-Scouts bemängeln Football-Instinkte

Denn neben seiner variablen Einsetzbarkeit auf allen Linebacker-Positionen sind sich die Scouts auch bei der größten Schwäche einig: die Football-Instinkte lassen noch zu wünschen übrig.

"Die fehlenden Jahre Praxis muss ich aufholen. Je mehr du dich mit Football beschäftigst, desto besser wird es. Das beinhaltet Training, aber auch viel Videostudium. Du musst Football leben", weiß der erstaunlich reife College-Absolvent.

Ex-Coach Stanard traut ihm das in jedem Fall zu: "Es stimmt, dass Mark relativ neu im Football ist, aber er ist sehr intelligent und saugt alle Informationen und Tipps auf."

Kuechly als Vorbild

Das Vorbild ist der momentan beste Linebacker der NFL. "Luke Kuechly von den Carolina Panthers ist jemand, den ich sehr gern spielen sehe. Wir sind ähnlich gebaut. Nach ihm versuche ich, mein Spiel anzulegen", erzählt Nzeocha.

Dass es im Profifootball auch Schattenseiten gibt, ist dem Kraftpacket bewusst. Einen frühen Rücktritt aus Angst vor Verletzungen - wie jüngst San Franciscos Chris Borland - schließt er aber aus: "Dafür ist die Liebe zum Sport zu groß."

Nzeocha kündigt mehr Deutsche an

Nzeocha sieht sich als Teil einer deutschen Welle in der besten Liga der Welt.

"In Deutschland werden die Coaches und damit die Ausbildung der Talente immer besser. Immer mehr Spieler wagen den Sprung ans College. Das ist ein super Ding. Es gibt einen neuen Hunger auf den Sport, da werden uns noch mehr Jungs folgen", meint er.

In den USA ist Nzeocha zumindest bei den NFL-Scouts längst kein Nobody mehr. Wird er tatsächlich gedraftet, ist es für den deutschen Cowboy auch in der Heimat mit der Anonymität vorbei.

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