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Die NFL greift in der Affäre um zu schwach aufgepumpte Bälle durch. Tom Brady von den New England Patriots wird für mehrere Spiele gesperrt. Auch das Team wird bestraft.

Eigentlich muss viel passieren, damit ein Held wie Tom Brady zu Fall gebracht wird. Dass schon ein Hauch Luft dafür reicht, hätte sich in den USA noch vor wenigen Monaten niemand vorstellen können.

Wegen seiner angeblichen Verwicklung in die Affäre um zu schwach aufgepumpte Bälle ("Deflategate") hat die NFL den Footballstar von Super-Bowl-Champion New England Patriots für vier Spiele gesperrt. Echte Beweise liegen der Liga nicht vor.

Bunter Strauß an Strafen

Das Team wurde zudem mit einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Dollar belegt. Zudem verlieren die Patriots zwei Draft-Picks, darunter auch einer in der ersten Runde. Es ist bereits der zweite Erstrunden-Pick, den die Patriots einbüßen - kein anderes Team wurde bisher so hart bestraft. Seit 1980 hat es zudem keinen anderen NFL-Klub mehr erwischt. (Die NFL LIVE im TV auf SPORT1 US).

Die Sperre ist ärgerlich, die Draft Picks auch. Im Falle der Geldstrafe - die höchste in der Geschichte der NFL - dürften sich die Patriots aber sicher ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen können.

Denn Brady wird ohne Zahlung seines Gehalts gesperrt, was auf vier Spiele umgerechnet circa 1,8 Millionen Dollar bedeutet.

Am Ende ein Plus

Diese sparen sich die Patriots also, was verrechnet mit der Gelstrafe am Ende des Tages einen skurril anmutenden Gewinn von 800.000 Dollar ausmacht.

Und trotzdem fragen sich alle: Wusste Brady etwas, oder wusste er nichts?

Seit dem 18. Januar mäandert diese Frage über dem Skandal, als beim Halbfinalsieg der Patriots gegen die Indianapolis Colts (45:7) zur Pause festgestellt wurde, dass elf von zwölf Bällen zu schlapp waren.

Da New England nicht zum ersten Mal verdächtigt wurde, sich mit Mauscheleien Vorteile zu verschaffen, nahm der Druck auf die ohnehin in der Kritik stehende NFL stetig zu. 

Comeback in Woche 6

Nun hat der umstrittene NFL-Boss Roger Goodell durchgegriffen, das Urteil ist hart. Erst in der sechsten Woche (18. Oktober) der neuen Saison darf Quarterback Brady wieder ran, passenderweise geht es dann gegen Indianapolis.

"Absolut lächerlich" findet das beispielsweise New Englands Running Back LaGarrette Blount. Allein ist er damit nicht.

"Trotz unserer Überzeugung, dass es keine Manipulation an Bällen gab, wollten wir jede Strafe der Liga akzeptieren", sagte Klubbesitzer Robert Kraft, ein milliardenschwerer Unternehmer: "Die heutige Strafe übertrifft allerdings jede vorstellbare Erwartung. Sie basiert voll und ganz auf Indizien und nicht auf harten oder nachvollziehbaren Beweisen."

In der Vorwoche hatte die eingesetzte Untersuchungskommission ein 243-seitiges Dokument veröffentlicht.

Rechtsgrundlage mehr als fraglich

Das dünne Ergebnis war, dass Mitarbeiter der Patriots "wahrscheinlich" die Bälle zu schwach aufgepumpt hätten. Auch eine Absicht sei "eher wahrscheinlich als nicht" gewesen. Schwer vorstellbar, dass dies vor einem ordentlichen Gericht überhaupt für eine Anklageerhebung gereicht hätte.

Brady hat stets bestritten, von den Vorgängen gewusst zu haben. Deshalb kündigte sein Agent einen Einspruch an.

"Die Strafe entbehrt jeder rechtlichen Grundlage", kritisierte Don Yee. Sein Schützling schweigt bislang zum Urteil. Der 37-Jährige hat bereits erklärt, sich erst nach umfassender Studie der Unterlagen äußern zu wollen.

Es spricht schon einiges dafür, dass an der Sache etwas dran ist. So stand Patriots-Headcoach Bill Belichik 2007 wegen "Spygate" am Pranger und musste 500.000 Dollar zahlen, da ein Mitarbeiter seines Stabs verbotenerweise die Anweisungen des Gegners an die Defensive gefilmt hatte.

Extreme Wagenburg-Mentalität

Im Zuge des "Spygate"-Vorfalls wuchs die Wagenburg-Mentalität der Patriots noch etwas mehr und New England stürmte ungeschlagen in den Super Bowl. Erst im Endspiel mussten sie sich den New York Giants mit 14:17 beugen.

"Die Patriots sind Betrüger aus Gewohnheit, deshalb holen sie Titel", meint nicht nur der ehemalige NFL-Profi Phillip Buchanon. Zwei Wochen nach "Deflategate" hatte New England die Seattle Seahwaks im Finale geschlagen (28:24).

Dass Kraft bereit war, jede Strafe zu akzeptieren und zuletzt die beiden Mitarbeiter suspendiert wurden, die die Luft abgelassen haben sollen, spricht nicht für den viermaligen Champion. Einer nennt sich übrigens selbst "Deflator".

Lustig ist das alles nicht. US-Präsident Barack Obama ließ es sich beim Empfang des Teams um den Deutschen Sebastian Vollmer im Weißen Haus aber nicht nehmen, seine Gäste etwas zu kitzeln. "Normalerweise mache ich ein paar Witze bei diesen Gelegenheiten. Aber bei den Patriots hatte ich Sorge, dass elf von zwölf zu platt sind." 

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