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San Jose - Quarterback Cam Newton von den Carolina Panthers dominiert vor dem Super Bowl die Schlagzeilen. Er hat viele Gesichter und reißt das Team mit. Ein Unfall veränderte ihn.

Socken und Sandalen. 

Cam Newton würde darüber mal gerne einen Artikel lesen. "Das wäre etwas Neues", sagt er und schmunzelt.

Newton trägt am Donnerstag auf der Pressekonferenz also jene Kombination, die den Deutschen im Ausland ihren modischen Ruf ruiniert hat. Eben: Socken und Sandalen.

Cam Newton
Cam Newton stellt sich in Sandalen den Fragen der Presse © Getty Images

"Warum trägst du Jeans und Schuhe?", fragt er zurück und begründet seine Wahl: "Wir sind im Teamhotel, ist doch gemütlich - und ihr habt was zum Schreiben." Er, der Styler, tritt ganz unstylisch auf. Auch das ist sein Stil.

Tigerhose und Rapsolo

In diesen Tagen über Cam Newton zu berichten, stellt einen vor die schwierige Aufgabe, auszuwählen, mit welcher Anekdote man am besten beginnt.

Vielleicht mit der Tigerhose, die er bei der Ankunft am Flughafen am Sonntag trug? Oder das Bandana-Handtuch, das er am Montag nonchalant um den Kopf gewickelt hatte? Das improvisierte Rapsolo, mit dem er die Journalisten zum Staunen brachte? Oder der Schlagabtausch, den er sich gerade mit NBA-Star LeBron James liefert.

Sagen wir es so: Newton tritt gerne extravagant auf, Newton steht gerne im Mittelpunkt, Newton polarisiert die Amerikaner vor dem Super Bowl.

Arrogant oder cool?

Viele finden ihn arrogant, vorlaut und unsportlich. Andere finden ihn cool, witzig und unverwechselbar. 

Er selbst hat mal über sich gesagt: "Ich bin gierig, natürlich wollte ich die Autos, die Frauen, all das. Das hat mich angetrieben, der Beste zu sein."

Aber er kann auch ganz nett sein, verlegen schmunzeln oder minutenlang von seinem Rivalen Peyton Manning schwärmen. Auch so lernt man ihn vor dem Super Bowl kennen.

Cam Newton
Cam Newton bei einem seiner Jubeltänze © Getty Images

Der ambivalente Newton, so ist das auch auf dem Feld: Dort führt er gerne übertrieben lange Jubeltänze (den Dabb-Dance) auf, direkt vor den Augen des Gegners - und anschließend geht er in die Fankurve und schenkt einem kleinen Mädchen den Football.

Mitspieler bewundern ihn

"Ich gucke ihm gerne dabei zu, wie er jubelt", sagt Michael Oher, Newtons persönlicher Bodyguard auf dem Feld, zu SPORT1. "Cam ist in der Kabine Spaßvogel und Stimmungskanone", meint Verteidiger Star Lotulelei. 

Kein Quarterback in der NFL ist bei seinen Teamkollegen so beliebt wie Cam Newton. Das merkt man im Gespräch mit den Panthers sehr schnell. Sie bewundern ihren Anführer, gleichzeitig ist er einer von ihnen. 

Für SPORT1 beim Super Bowl vor Ort: Florian Weiß, Tobias Wahnschaffe, Julian Ignatowitsch (v.l.)
Für SPORT1 beim Super Bowl vor Ort: Florian Weiß, Tobias Wahnschaffe, Julian Ignatowitsch (v.l.) © SPORT1

Ob beim obligatorischen Mannschafts-Selfie oder verrückten Jubel- und Tanzeinlagen, Newton ist immer mittendrin und geht voran.

Nur ein Beispiel: Bei der Media Night binden sich plötzlich mehrere Spieler das Handtuch um die Stirn, nachdem Newton so auf die Bühne gekommen war. Die Person Newton, sie färbt auf den Charakter des ganzen Teams ab. 

Newton so stark wie nie

Als eine Mischung von Leichtigkeit und Größenwahn könnte man diesen Charakter beschreiben. Sportlich geht die Mixtur im Moment voll auf.

Newton spielt die beste Saison seiner noch jungen Karriere: 35 Pass-Touchdowns, nur zehn Interception, dazu 10 Rush-Touchdowns. Die MVP-Trophäe geht in dieser Saison nur über Newton. 

Er ist so effektiv wie nie. Seine Fähigkeit zu laufen, macht ihn unberechenbar. Er ist robust und beweglich, springt auch mal mit Salto in die Endzone.

Die laufstarken Quarterbacks werden in der NFL traditionell kritisch beäugt, viele Coaches meiden diese Typen. Newton könnte das Image einer ganzen Spezies revolutionieren.

Bei aller Lockerheit lobt Trainer Ron Rivera seinen Quarterback insbesondere immer wieder für seine Einstellung: "Er ist im Training enorm fokussiert. Er macht Extraschichten und bindet dabei die Mitspieler ein."

Einschneidendes Erlebnis

Ein schwerer Autounfall aus dem Vorjahr war für Newton ein "life-changing moment". Er hatte sich mit seinem Pickup überschlagen, kam ohne bleibende Schäden davon. Er redet darüber nicht viel, aber er trägt das Armband aus dem Krankenhaus noch immer. "Dieses Erlebnis hat ihn verändert", sagt sein Trainer.

Newton arbeitet seitdem noch härter, er feiert noch extrovertierter und tritt noch meinungsstärker auf. Mit Verweis auf seine Hautfarbe hat er kürzlich eine neue Debatte über Rassismus in der NFL angestoßen. Schwarze Quarterbacks gibt es nach wie vor wenige. 

Wer ist dieser Cam Newton? "Ich bin, wer ich bin", rappte er am Montag. Dazu gehören: Pass und Lauf, Ego und Teamgeist, Politik und Socken.

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