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Vikings-Star Adrian Peterson (r.) inspirierte den Stuttgarter Moirtz Böhringer zum Football-Spielen
Vikings-Star Adrian Peterson (r.) inspirierte den Stuttgarter Moritz Böhringer zum Footballspielen © SPORT1-Grafik Philipp Heinemann / Getty Images und twitter.com/NFL

München - Moritz Böhringer schreibt beim Draft Geschichte. SPORT1 beleuchtet die Chancen des Stuttgarters bei den Vikings, seinen Zeitplan und die Bedeutung seines Idols Peterson.

Das deutsche Football-Phänomen ist mehr als ein Marketing-Gag: Moritz Böhringer hat den ersten Schritt in die NFL gemacht - und ist als erster Europäer direkt im Draft ausgewählt worden.

Und das ausgerechnet von den Minnesota Vikings, bei denen sein Idol Adrian Peterson das Aushängeschild ist. Nun will der Stuttgarter alles dafür tun, dass sein Traum sich gänzlich erfüllt - und sich einen Kaderplatz für die im September beginnende Saison sichern.

SPORT1 erklärt, welche Chancen der Wide Receiver hat, wie sein Zeitplan ausschaut und welche Bedeutung Peterson für ihn hat.

Das Team

In der vergangenen Saison gewann das Team von Headcoach Mike Zimmer zum ersten Mal seit 2009 die NFC North. Im ersten K.o.-Spiel war allerdings gegen die Seattle Seahawks Schluss.

Nun sollen die Vikings ihre Heimspiele erstmals im neuen U.S. Bank Stadium austragen, das 2018 Austragungsstätte des Super Bowl LII ist. Star der 1961 gegründeten Franchise ist Running Back Peterson.

Bei Test-Trainings im März hinterließ Böhringer bei unzähligen NFL-Scouts mächtig Eindruck. Besonders die Vikings zeigten bereits vor dem Draft Interesse - und schlugen in der sechsten Runde zu.

Für den 22-Jährigen schließt sich damit ein Kreis. Denn YouTube-Videos des Vikings-Stars Peterson hatten Böhringer vor fünf Jahren erst dazu animiert, Football zu spielen.

Schon die erste Begegnung nötigt Böhringer Respekt ab. "Ich habe gehört, dass er einen sehr kräftigen Händedruck hat. Darauf werde ich vorbereitet sein", scherzte er.

Die nächsten Schritte

Lange warten muss er nicht: Bereits vom 6. bis 8. Mai steht das Rookie-Minicamp an. Böhringer lernt Teamkollegen und Klubgeschichte kennen, bekommt seine individuelle Ausrüstung und kann erstmals in Trainings auf sich aufmerksam machen.

Gut zwei Wochen später stehen Termine mit dem kompletten Team und die Workouts auf dem Programm. In den folgenden Wochen gilt es für Böhringer abseits des Trainings das Playbook der Vikings zu lernen.

Die offizielle Saisonvorbereitung läuft von Ende Juli bis zum Start der Preseason am 9. August. Über 90 Spieler stehen zu Beginn im Trainingskader. Dieser wird aber bis zu Saisonbeginn reduziert, von 75 (1. September) auf 53 Akteure (5. September).

Seine Chancen bei den Vikings

Gut für Böhringer: Das Angebot an Wide Receivers ist eher dünn, sieben weitere stehen im Kader, darunter mit Erstrundenpick Laquon Treadwell ein weiterer Neuling. Minnesota stünde eine Verstärkung auf der Position gut zu Gesicht. Denn nur 183 Passing Yards pro Partie bedeuteten im Vorjahr den zweitschlechtesten Wert der NFL - Peterson braucht mehr Entlastung.

Böhringer ist mit seinen physischen Fähigkeiten (1,95 Meter und über 100 Kilogramm) in der Lage, für Peterson zu blocken und könnte zudem in Special Teams zum Einsatz kommen.

Schlecht für Böhringer: Wer erst mit 17 mit dem Football angefangen und bisher nur in Deutschland gespielt hat, muss noch viel lernen. Die Pass-Systeme sind weitaus komplizierter als bei den Schwäbisch Hall Unicorns, die Pressdeckung als aggressive Verteidigung wird ihm Probleme bereiten.

"Das ist sicher das größte Problem für jemanden mit so wenig Erfahrung. Die Instinkte fehlen. Du musst komplett bei null anfangen", sagte ein NFL-Scout im Gespräch mit SPORT1.

Millionär - oder im Wartestand

Bis Ende Mai muss Böhringer einen Vertrag unterschreiben, der ihm etwa 150.000 Dollar Unterschriftsbonus bringt. Erst mit dem Sprung in den endgültigen Kader würde er einen Rookie-Konktrakt erhalten, der ihm über über vier Jahre insgesamt geschätzte 2,4 Millionen Dollar garantiert.

Der Sprung in den endgültigen Kader der Vikings wird das Ziel des 22-Jährigen sein. Doch selbst wenn sie sich im Laufe der nächsten Monate von ihm trennen sollten, ist das NFL-Kapitel noch nicht beendet.

Denn Böhringer könnte bei einem anderen Team Platz finden - oder in Minnesotas zehnköpfiger Practice Squad. Diese Gruppe trainiert weiterhin mit dem regulären Team, nimmt allerdings nicht an den Spielen teil. Bei einer Verletzung eines Profis aus dem Stammkader könnte Böhringer in diesem Fall aber von den Vikings aktiviert werden.

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