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Carson Wentz (r.) zeigt auch in Chicago eine starke Leistung für die Eagles © Getty Images

Chicago und München - Als erster Quarterback gewinnt Carson Wentz seine ersten beiden NFL-Starts ohne Ballverluste. Selbst Obama redet über den ungewöhnlichen Jungstar mit eigenem Hashtag.

Wenn eine Stadt nach Helden giert, ist es Philadelphia.

Sportliche Erfolge sind hier so rar gesät, dass selbst einer Filmfigur ein Denkmal gesetzt wurde. Aktuell überstrahlt jedoch Quarterback Carson Wentz den von Sylvester Stallone so legendär verkörperten Boxer Rocky Balboa.

Der Rookie führte die vor der NFL-Saison nicht besonders hochgehandelten Eagles zu einem Start mit zwei Siegen und beeindruckte dabei mit dynamischen und erstaunlich coolen Leistungen.

"Carson spielt überhaupt nicht wie ein Rookie. Er bereitet sich wie ein Spieler in seiner fünften oder sechsten Saison vor und so spielt er auch. Seine Reife ist herausragend", lobte Head Coach Doug Pederson.

Wentz rechtfertigt Vertrauen

Natürlich waren Cleveland und Chicago noch nicht die ganz großen Prüfsteine, aber Wentz ist in vielerlei Hinsicht ein Phänomen.

Während die L.A. Rams Haus und Hof versetzten, um den augenscheinlich noch nicht ansatzweise NFL-reifen Jared Goff im Draft an Nummer eins zu verpflichten, schnappten sich die Eagles den zweiten Pick von Cleveland und schickten kurz vor Saisonstart sogar den bisherigen Starter Sam Bradford nach Minnesota.

"Wir hatten von Anfang an große Hoffnungen in Carson gesetzt, in der Vorbereitung hat er uns und die Coaches mit seiner Arbeitseinstellung beeindruckt. Bisher rechtfertigt er unser Vertrauen eindrucksvoll", lobte General Manager Howie Roseman.

Selbst Obama nimmt Notiz

Gegen die Bears zeigte Wentz in seinem ersten Auswärtsspiel auf der großen Bühne des Monday Night Football nicht die kleinsten Zeichen von Nervosität und führte abgeklärt Regie.

"Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir haben noch einige Fehler gemacht, aber es war ein toller Sieg. Alles andere blende ich aus", sagte Wentz bei ESPN.

Selbst US-Präsident Barack Obama sprach in der vergangenen Woche schon über den Spielmacher. Die Presse überschlägt sich und schrieb schon von "Wentzsylvania" - der Hashtag trendet seitdem nicht nur in Pennsylvania.

Fünf College-Titel in Serie

Aber wer ist dieser Carson Wentz, der die geschundene Sportseele Philadelphias - seit 1983 nur ein Titel in den großen US-Sportarten - schon von einer goldenen Zukunft träumen lässt?

In der High School in North Dakota machte den auch im Basketball und Baseball aktiven Allrounder ein Wachstumsschub auf 1,96 Meter zu einem vielversprechenden Quarterback-Talent.

Trotzdem kam er "nur" in der zweiten College-Division bei den North Dakota State Bison unter, gewann dort aber zwischen 2011 und 2015 fünf Meisterschaften in Folge.

Vergleiche mit Roethlisberger und Flacco

Mit seiner Größe, der robusten Statur und dem richtig guten Arm erinnert er an den jungen Ben Roethlisberger oder Joe Flacco, der 2008 als letzter Quarterback aus der zweiten College-Division in der ersten Draftrunde ausgewählt worden war - bis zu Wentz.

Entsprechend skeptisch waren Experten und Scouts, ob sich der 23-Jährige schnell auf die athletisch deutlich besseren Verteidiger des NFL-Levels umstellen könnte.

"Natürlich hatten wir in North Dakota nicht solche Superathleten als Gegner, aber unser System war dem der Profis ziemlich ähnlich", erklärte Wentz während der Vorbereitung.

Großer Vorteil gegenüber Goff

Genau dies reizte auch den neuen Eagles-Trainer Doug Pederson. Der als Quarterback-Guru bekannte Ex-Spielmacher bereitete seinen Schützling optimal vor.

Die Offense beherrscht Wentz schon richtig gut. Ein Indiz dafür: Pederson ließ ihn gegen Chicago sechs Pässe in Folge werfen, ehe der erste Lauf-Spielzug kam.

Das ist auch der größte Unterschied zu Top-Draftpick Goff. Der spielte zwar bei den Cal Golden Bears in der ersten College-Liga, aber eben in einem klassischen College-System mit einfachen Entscheidungen, kaum Lesen der Defense und ständig in der Shotgun. Entsprechend schwer fällt ihm die Umstellung.

Härtetest gegen Steelers

Besonders beeindruckend ist jedoch, dass Wentz nach zwei Spielen und zwei Siegen noch keinen Ballverlust auf dem Konto hat - das gelang noch keinem NFL-Neuling.

Auch nicht Donovan McNabb. Er war 1999 der letzte so frühe Quarterback-Pick der Eagles und führte sie 2004 in einen von zwei Super Bowls der Teamhistorie.

Ganz so weit ist Wentz noch nicht, aber in der kommenden Woche steht gegen Roethlisbergers Pittsburgh Steelers als erster echter Prüfstein der Kampf um Pennsylvania an. Speziell bei einem Sieg wird der Hashtag "Wentzsylvania" durch die Decke gehen.

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