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David Wolf Calgary Flames
David Wolf begann seine Karriere bei den Eispiraten Crimmitschau © getty

Vom Bad Boy der DEL zum NHL-Star? David Wolf spricht im SPORT1-Interview exklusiv über seine Premiere mit Calgary, Respekt und den Luxus bei den Topteams.

Von Oliver Jensen

In der DEL war David Wolf am Ende nur noch der Schlägertyp, der keine Reue zeigte.

Im Playoff-Halbfinale mit den Hamburg Freezers gegen den ERC Ingolstadt hatte der 25-Jährige Benedikt Schopper sechs Zähne ausgeschlagen - und danach erklärt, er sei eigentlich "kein Schläger."

Dem Selbstverständnis nach ist Wolf vor allem ein NHL-Spieler - seinen Worten ließ er mittlerweile auch Taten folgen.

Am 31. Januar gab er bei den Calgary Flames sein Debüt in der stärksten Liga der Welt.

Bei SPORT1 spricht er exklusiv über seinen Trip in die Minor League, die Stärken der Flames und Autogrammwünsche beim Einkaufen.

SPORT1: Herr Wolf, kam Ihre Berufung in die NHL überraschend oder hatten Sie nach Ihrer starken Form bei den Adirondack Flames damit gerechnet?

Wolf: Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Sicherlich hatte ich zuletzt eine gute Phase in der AHL. Aber es lässt sich für einen Spieler kaum einschätzen, wann man hoch geholt wird. Die Leute reden hier nicht so viel mit dir darüber.

SPORT1: Zunächst durften Sie sich im Trikot der Calgary Flames zweimal warm machen, kamen aber nicht zum Einsatz. Waren Sie darüber enttäuscht?

Wolf: Überhaupt nicht. Es war mir eine Ehre, überhaupt einmal reinzuschnuppern. Ich habe im Training alles gegeben und auf meine Chance gewartet. Man kommt nur zu seinem ersten Einsatz, wenn die eigene Mannschaft verliert oder sich jemand verletzt. Es war mir klar, dass ich früher oder später meine Chance kriege - und so kam es auch. Ich denke, dass ich bisher ordentlich gespielt habe.

SPORT1: Sehen Sie sich nun dauerhaft als ein Spieler der Calgary Flames oder könnten Sie wieder zurück in die AHL geschickt werden?

Wolf: Das weiß ich nicht. Ich versuche einfach, die Zeit hier oben zu genießen und 110 Prozent im Spiel und Training zu geben. Alles andere kann ich nicht beeinflussen. Sollte ich tatsächlich runtergeschickt werden, kann ich dennoch in den Spiegel schauen, weil ich alles gegeben habe.  

SPORT1: Inwiefern unterscheidet sich das Leben in der NHL vom dem in der AHL?

Wolf: In der NHL fehlt es den Spielern an nichts. Alles ist perfekt organisiert, man übernachtet in den besten Hotels und fliegt per Privatjet herum. In der AHL hingegen fuhren wir mit dem Bus durch Amerika. Der längste Road Trip ging zehn Tage. Man saß teilweise den ganzen Tag im Bus, kam Nachts um drei Uhr im Hotel an, musste morgens wieder aufstehen und hatte abends ein Spiel.

SPORT1: In Deutschland kannte man Sie als körperbetonten Spieler, der gelegentlich auch in eine Schlägerei auf dem Eis verwickelt war. Müssen Sie sich als Rookie auch in Amerika auf diese Weise Respekt verdienen?

Wolf: Das ist nicht notwendig. Die NHL ist die beste Liga der Welt. Man muss schon einiges geleistet haben, um einen Vertrag zu bekommen. Wer hier zum Einsatz kommt, wird von allen anderen Spielern in der Kabine automatisch respektiert.

SPORT1: In einem Interview haben Sie einmal gesagt, das Interesse am Eishockey sei in Calgary Ihrer Empfindung nach zehnmal so groß wie das Fußballinteresse in Hamburg. Können Sie überhaupt noch unerkannt auf die Straße gehen?

Wolf: Man wird häufig erkannt. Vergangene Woche habe ich eine Krawatte gebraucht, bin in die Mall nahe meines Hotels gegangen und wurde sofort angesprochen. Das war schon Wahnsinn. Schließlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt erst ein Spiel in der NHL gemacht. Aber die Menschen in Calgary stehen so hinter dem Sport, dass sie jeden Perspektivspieler kennen. Mich ehrt es, wenn die Leute ein Foto oder ein Autogramm möchten.

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