vergrößernverkleinern
2015 Honda NHL All-Star Skills Competition
Die NHL muss sich dem massiven Drogenmissbrauch ihrer Spieler stellen © Getty Images

München - Der Vize-Commissioner gesteht vor dem Saisonstart ein massives Drogenproblem ein. Konsequenzen müssen die Spieler bisher kaum fürchten. Schaut sogar die Polizei weg?

Unmittelbar vor dem Start in die neue Saison hat die NHL bereits der erste Wintersturm getroffen.

Statt Schnee steht aber ein anderes weißes Pulver auf einmal im öffentlichen Rampenlicht. Denn Vize-Commissioner Bill Daly hat in einem Interview mit dem kanadischen TV-Sender TSN zugegeben, dass die NHL ein Drogenproblem hat (Die NHL LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

"Die Anzahl der positiv auf Kokain gestesteten Spieler ist höher als in den Jahren zuvor, die Zahlen steigen", sagte Daly.

Die sehr nachsichtige Politik in Sachen Doping und Drogenmissbrauch fällt der Liga nun zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt auf die Füße. Denn der Kampf der großen US-Sportarten um TV-Präsenz, Fans und Geld ist eng mit Imagepflege verknüpft.

Kokain in der NHL kein Doping

Die NHL liegt ohnehin meilenweit hinter NFL, NBA und auch MLB zurück. Sich angesichts der harten Action zumindest jenseits des Eises als sauber zu präsentieren - und als Gegenentwurf zur NFL -, wäre eigentlich essentiell.

Das Ausufern des Kokainmissbrauchs ist dabei recht einfach zu erklären: die Spieler müssen keine Konsequenzen befürchten, wenn sie nicht gerade von der Polizei erwischt werden.

So erging es beispielsweise im Frühjahr Kings-Star Jarret Stoll. Im Normalfall passiert allerdings gar nichts, nicht einmal ein Besuch bei den Ligaärzten.

"Keine Krisensituation"

Zuletzt sagte Torontos schwedisches Talent Viktor Loov einem Lokalsender in seiner Heimat, dass es "jede Menge Kokain" in der NHL gäbe: "Wenn du Geld hast, kommst du ganz leicht ran."

Zwar werden pro Jahr rund 2400 Dopingtests durchgeführt, zu den verbotenen Substanzen zählt Kokain aber nicht. Ein Drittel der Proben wird lediglich für interne Erfassung auf Rauschmittel untersucht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan)

"Ich würde nicht sagen, dass es eine Krisensituation ist. Drogenkonsum jeglicher Art durchläuft Zyklen, momentan ist es wieder in. Vielleicht bin ich naiv, aber ich wäre geschockt, wenn wir hier über mehr als 20 Jungs sprechen. Da wir nicht vollumfänglich testen, kann ich es aber nicht sagen", erklärte Daly.

Spielergewerkschaft müsste zustimmen

Um Kokain zu einer verbotenen Substanz zu erklären, müsste allerdings die Spielergewerkschaft (NHLPA) zustimmen. Gespräche sollen nach Informationen von TSN bereits laufen.

Angesichts der öffentlich gewordenen Fälle erscheint Dalys Annahme von 20 Spielern unter knapp 900 Profis deutlich zu niedrig. Gewerkschaftsboss Don Fehr habe bereits hinter verschlossenen Türen mit den Spielern über diese beunruhigende Tendenz gesprochen.

"Die Spielergewerkschaft hatte das Thema bereits während der vergangenen Saison angesprochen. Ich nehme kein Kokain und war auch noch nie dabei, wenn jemand etwas genommen hat", zitiert die WAZ den deutschen Verteidiger Christian Ehrhoff (L.A. Kings).

Profis von der Polizei gedeckt?

Vor allem bei den Toronto Maple Leafs scheint das anders auszusehen. Nach Recherche von TSN soll sich bereits in der vergangenen Saison ein Teamverantwortlicher mit der Polizei in Toronto getroffen haben, um über Spieler zu sprechen, die regelmäßig in der Drogenszene der Metropole anzutreffen seien.

Der ehemalige NHL-Crack Todd Fedoruk bestätigte diese Version in einem Interview. "Ich kam mit vielen Sachen davon, weil ich Eishockey-Spieler war. Wenn Polizisten dich angetrunken angehalten und erkannt haben, hieß es nur: 'Fahr nach Hause.' Es kam natürlich darauf an, wo du gespielt hast. In Philly hat dich die Polizei immer in Ruhe gelassen", erklärte Fedoruk.

Die NHL muss jetzt die Scherben wegkehren und entschlossen durchgreifen, um nicht noch mehr Ansehen zu verspielen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel