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Uwe Krupp
Uwe Krupp erzielte das entscheidende Tor für die Colorado Avalanche im vierten Finalspiel © Getty Images

München - Uwe Krupp gewinnt als erster Deutscher einen Titel in den großen US-Ligen. Kurz nach NHL-Saisonstart denkt er an jenen großen Tag zurück. Wolfgang Kleine erinnert daran.

Uwe Krupp hat im Eishockey schon bessere Tage erlebt als derzeit. Mit den Eisbären Berlin kommt der Ex-Nationaltrainer als DEL-Coach über einen Mittelfeldplatz noch nicht hinaus. Diese persönlich besseren Tage erlebte er vor allen Dingen in der NHL.

Die US-Profiliga hat jüngst begonnen und sein Team, mit dem der gebürtige Kölner den größten Triumph seiner aktiven Karriere als Verteidiger gefeiert hat, krebst in der Central Division im Tabellenkeller herum.

Mit den Colorado Avalanche wurde Krupp als erster Deutscher Stanley-Cup-Sieger. Doch nicht nur das: Im letzten und vierten Finalspiel gegen die Florida Panthers erzielte der lange Verteidiger den entscheidenden Treffer zum 1:0-Erfolg.

An diese Sekunden im Jahr 1996 erinnert sich Krupp immer noch gern. Er schildert in den Medien die Situation, die nach 104 Minuten und 31 Sekunden in der dritten Verlängerung den Adrenalinspiegel hoch trieb: "Ich habe diese letzten drei Sekunden noch gut im Kopf." Es war ein Spielzug, der nicht so klappte wie gedacht. "Ich stand an der rechten Seite an der blauen Linie und war in keiner aussichtsreichen Position, um ein Tor zu schießen."

Jedenfalls sei es ihm so vorgekommen, als hätte er unheimlich viel Zeit. Und er beschreibt die Szene: "Ich konnte mit dem ganzen Körper richtig in den Schuss reingehen. Dem Keeper John Vanbiesbrouck wurde die Sicht genommen, die Scheibe ging an ihm vorbei und dann war sie drin!"

Die große Fete nach dem Finaltriumph, an dem so prominente Spieler wie Joe Sakic, Peter Forsberg, Patrick Roy und Walerie Kamenski bei den Avanlanche beteiligt waren, stieg dann bei Krupp zu Hause in Colorado, so dass auch die Familie und Freunde den mitgebrachten Pokal bewundern konnten.

Krupp: "Diese großartigen Spieler waren eigentlich ganz normale Typen mit einem besonderen Eishockey-Talent." Noch heute sind die Avalanche das Team, bei dem er am meisten mitleidet.

1996 war Uwe Krupp auch der erste Deutsche, der in den vier großen Profiligen der USA, Eishockey, Football, Basketball und Baseball, einen Titel gewann. Sechs Jahre später, 2002, gelang ihm der Coup mit dem Stanley Cup erneut - diesmal mit den Detroit Red Wings.

Dabei hätte Uwe Krupp die großen Erfolge in der NHL fast gar nicht erleben können. Er wurde 1983 von den Buffalo Sabres gedraftet, aber nicht davon informiert. Sein damaliger Bundesliga-Klub Kölner EC wurde zwar aus den USA davon in Kenntnis gesetzt, gab die Nachricht aber "wegen angeblicher Belanglosigkeit" nicht weiter.

Die Eltern eines Mitspielers machten Krupp aufmerksam. Der Teamkollege bekam von ihnen den Toronto Star zugeschickt und "er kam eines Tages auf mich zu und hat mir den Papierschnipsel hingehalten, nicht größer als 1x3 Zentimeter. Und dort stand dann die Draftliste - Nr. 214, Uwe Krupp, Buffalo Sabres."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996, 1997 sowie 1998 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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