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Lukas Kampa spielt für den polnischen Klub Czarni Radom
Lukas Kampa spielt für den polnischen Klub Czarni Radom © getty

Kattowitz - Nach dem Sieg gegen Kanada sind die Volleyballer heiß auf mehr. Anteil daran hat auch ein Motivationstrick des Bundestrainers.

Von Lars Becker

Der Morgen nach dem historischen Einzug in die Runde der letzten sechs der Weltmeisterschaft (News) verlief für die deutschen Volleyballer unerwartet entspannt.

Statt die Koffer für die über 200 Kilometer lange Reise nach Lodz zu packen, konnte das Team in Ruhe frühstücken. Die wundersame Reise geht nämlich wie in den bisherigen zwei Wochen in Katowice weiter.

Statt wie erwartet vor 15.000 fanatischen Fans gegen Gastgeber Polen zu spielen, trifft die Auswahl um Superstar Georg Grozer in der dritten Runde auf Frankreich (Dienstag) und den Iran (Mittwoch). Mit Blick auf den anderen Pool mit Polen, Olympiasieger Russland und Titelverteidiger Brasilien war dem deutschen Teams das Glück bei der Auslosung also mehr als hold.

"Medaille vor der Haustür"

"Natürlich ist es schön, dass wir im Gegensatz zu unseren Gegnern keinen Reisestress haben und die Halle in Katowice aus nunmehr neun Spielen schon kennen. Wir fühlen uns ja fast schon zu Hause hier", kommentierte Spielmacher Lukas Kampa grinsend: "Natürlich werden das schwere Aufgaben. Die Franzosen sind sehr kompakt, der Iran bislang erstaunlich konstant. Das wird natürlich nicht einfach, aber ist eine Riesenmotivation. Wir haben die Medaille quasi vor der Haustür, jetzt müssen wir nur noch zugreifen."

Gegen Frankreich hat Deutschland in diesem Jahr in der Weltliga schon gewonnen, gegen den Iran im Vorjahr - allerdings gab es gegen beide Gegner auch Niederlagen. Zwei von drei Mannschaften der Gruppe schaffen den Sprung ins Traumziel Halbfinale.

Bundestrainer Heynen zufrieden

"Jetzt kommt es auf Kleinigkeiten an, ein gutes Spiel könnte schon zum Einzug in die Finalspiele reichen. Niemand darf sich jetzt zufriedengeben", mahnte Kapitän Jochen Schöps.

Aber das wird auch niemand tun: Die vor den Titelkämpfen offensiv als Ziel ausgegebene erste Medaille seit dem WM-Titelgewinn der DDR im Jahr 1970 ist jetzt tatsächlich in Reichweite gerückt. Schon fest steht die beste Platzierung bei einer Weltmeisterschaft seit genau vier Jahrzehnten - die DDR hatte 1974 Rang vier belegt.

Das macht Bundestrainer Vital Heynen zurecht zufrieden: "Das ist eine Super-, Super-WM, egal, ob wir jetzt eine Medaille gewinnen oder nicht. Die deutschen Basketballer waren nicht bei der WM dabei, die Handballer sind es nur dank einer Wildcard. Wir sind bei den sechs besten Teams der Welt dabei. Da kann man doch nur sagen: Volleyball? Wow!"

Bemerkenswerte Entwicklung

Die Entwicklung der Mannschaft bei diesen Titelkämpfen in Polen ist tatsächlich bemerkenswert.

Während bei den letzten Großereignissen im entscheidenden Moment noch die Nerven flatterten - bei den Olympischen Spielen 2012 und der EM 2013 war die Mannschaft jeweils im Viertelfinale klar an Bulgarien gescheitert - bewies die Mannschaft diesmal bei ihren sieben Siegen in bislang neun Spielen echte Siegermentalität.

Bestes Beispiel war das entscheidende Zwischenrundenspiel am Sonntagabend gegen Kanada, als die Mannschaft im ersten Durchgang beim 22:24 zwei Satzbälle abwehrte. Den Einzug in die dritte Runde machte dann Denis Kaliberda frech mit einem Lupfer hinter das Netz perfekt.

Medaillen-Fotos im Schlafraum

"Wir haben nicht immer perfektes Volleyball gespielt, aber alle 'Do-Or-Die-Spiele' gewonnen. Die Mannschaft hat definitiv gelernt, dass man in den entscheidenden Momenten Spiele auch mit Kampf gewinnen muss", konstatierte Lukas Kampa.

Wichtigster Vater des Erfolgs ist Bundestrainer Heynen. Er hatte im Trainingslager in Kienbaum von der Trainingshalle bis zu den Schlafräumen Medaillen-Fotos aufgehängt, um das deutsche Team aus seinem "Zufrieden-mit-Mittelmaß-Modus" zu reißen.

Auf dem Spielfeld setzen das jetzt ganz besonders die "phantastischen Drei" um: Zuspieler Lukas Kampa, Hauptangreifer Georg Grozer und der einfallsreiche Denis Kaliberda. Dass das Trio definitiv zur absoluten Weltklasse gehört, beweisen schon die Statistiken zum Ende der zweiten Runde: Kaliberda war zweitbester Angreifer, Grozer zweitbester Aufschläger und Kampa findet sich auf Rang fünf der besten Zuspieler wieder.

Motto lautet "YOLO"

"Vital hat uns immer wieder klar gemacht, dass wir jedes Team dieser Welt schlagen können. Daran glauben wir jetzt auch in der dritten Runde", sagt Grozer. Das Motto heißt "YOLO". Das heißt ausgeschrieben "You only live once". Übersetzt: Du lebst nur einmal.

"Meine neunjährige Tochter Bente verwendet dieses Wort ständig und ich sage es meinen Spielern ständig: Man hat wahrscheinlich nur einmal im Sportlerleben die Chance, bei einer Weltmeisterschaft in solche einem volleyballbegeisterten Land wie in Polen dabei zu sein. Diese Chance muss man nutzen."

Zumal die Medaille direkt vor der Haustür im Finalort Katowice liegt?

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