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Julius Brink (r.) gewann 2012 in London mit Jonas Reckermann die Goldmedaille im Beachvolleyball

Hurghada - Julius Brink staunt bei SPORT1 über die Athletik der Männer und erklärt, warum es bei der Frauen-WM dennoch interessanter zugeht.

Er studiert Sportbusiness-Management, ist Berater, Markenbotschafter und hält Vorträge, doch vor allem ist er immer noch eines: Olympiasieger.

Julius Brink begeisterte 2012 in London mit seinem damaligen Partner Jonas Reckermann die Nation mit dem Gewinn der Goldmedaille im Beachvolleyball - ein Erfolg, von dem beide heute noch zehren.

SPORT1 traf Brink im Robinson Club Soma Bay in Ägypten, wo die besten von der Deutschen Sporthilfe geförderten Athleten am Montag den "Champion des Jahres" küren.

Brink spricht über die Spätfolgen des großen Triumphes, seinen Rücktritt, die Bronzemedaille der Männer und die WM der Frauen in Italien (LIVE im TV auf SPORT1). Zudem erklärt er, warum er die Halle zugunsten des Strandes hinter sich ließ. 

SPORT1: Herr Brink, wie haben Sie den Gewinn der WM-Bronzemedaille der deutschen Volleyballer erlebt?

Julius Brink: Über das Turnier hinweg habe ich mich richtig zum Fan entwickelt, und mich hat dieser historische Erfolg natürlich sehr gefreut. Mit einem Großteil der Jungs hatten wir bei Olympia in London viel zu tun. Dort zeichnete sich schon ab, dass sie sich heran gekämpft haben an die Weltspitze. Beeindruckend fand ich, dass sie vor der WM von einer Medaille sprachen und unbedingt diesen nächsten Schritt machen wollten.

SPORT1: Jetzt sind die Frauen dran, drücken Sie auch da die Daumen?

Brink: Ich drücke immer die Daumen, wenn Deutschland drauf steht (lacht). Zumal die Spiele ja auf SPORT1 zu verfolgen sind, das macht es etwas einfacher. Einfach schade, wie das bei den Herren gelaufen ist. Die Bestrebungen, die Finalspiele im Free-TV zu zeigen, waren ja da. Da ist man schon einmal soweit, dass es sportlich passt, und dann scheitert das auf den letzten Metern - ärgerlich. Die Frauen-EM vergangenes Jahr hat gezeigt, dass das Thema funktionieren kann.

SPORT1: Was ist denn besser anzuschauen - Frauen oder Männer?

Brink: Das sind zwei ganz verschiedene Nummern. Ich mag dieses Brachiale, das ist beim Männer-Volleyball einfach genial. Beachvolleyball ist da eher filigran. Die Frauen sind technisch versierter, es gibt längere Ballwechsel und geht mehr auf und ab. Das macht den Spielverlauf attraktiver. Wenn bei den Männern ein Team mit drei oder vier Punkten weg ist, dann ziehen die das durch. Insofern ist Frauen-Volleyball im Grunde interessanter, auch wenn sie in Sachen Athletik natürlich nicht mithalten können.

SPORT1: Was hat Sie damals eigentlich aus der Halle in den Sand gebracht?

Brink: Perspektivlosigkeit (lacht). Körperlich war ich ein Spätentwickler und zusätzlich in dieser Lebensphase für Mannschaftssportarten vom Charakter her schwer kompatibel. Dann gab es die Option, im Juniorenbereich im Beachvolleyball Fuß zu fassen, weil ich als Allrounder gut ausgebildet war. Letztlich hat sich das als der für mich bessere Weg dargestellt. Olympiasieger im Hallen-Volleyball zu werden - und das zeigt wieder die Unterschiede zum Beach -, ist für mich genauso unvorstellbar wie im Handball oder Basketball.

SPORT1: Wo genau liegen diese Unterschiede?

Brink: Es sind ganz verschiedene Formen der Athletik, weil einfach der Boden so unterschiedlich ist. In der Halle brauchst du zudem eine gewisse Körpergröße, und es gibt eine immer stärkere Individualisierung der einzelnen Spieler. Am Beach dagegen muss man alles können. Und es gibt keinen Coach, der dir noch einmal schnell per iPad die letzte Statistik reinfunkt oder Spielzüge minutiös vorgibt. Im Vergleich zur Halle sind wir rudimentär aufgestellt: Strand, Ball, Netz - und wenn es gut läuft Sonne.

SPORT1: Wie geht es Ihnen körperlich, nachdem Sie Ihre Karriere aufgrund gesundheitlicher Probleme beenden mussten?

Brink: Absolut okay. Im normalen Leben habe ich keinerlei Einschränkungen, das war nicht immer so. Im Januar hatte ich eine Hüft-Operation, und in der Summe lässt mein Körper die Belastungen, die im Beachvolleyball auf Top-Niveau auftreten, nicht mehr zu. Ich wollte ja Vollgas geben und die Qualifikation für Olympia 2016 in Rio de Janeiro in Angriff nehmen.

SPORT1: Wie schwer war es, sich von diesem Traum zu verabschieden?

Brink: Es war nicht schön, diese Erkenntnis zu gewinnen. Mit etwas Abstand sage ich aber, es war ein prägender Moment in meiner Karriere. So wie etwas beginnt und irgendwann zum Höhepunkt kommt, ist es irgendwann auch vorbei.

SPORT1: Wie kann man sich diesen Entscheidungsprozess vorstellen?

Brink: Er lief auf zwei Ebenen ab. Erst einmal musste ich mir selber klar werden: Junge, das war?s. Und zum anderen musste ich das meinem Partner, meinem Trainer, meinem direkten Umfeld, meinen Sponsoren und dem Verband gegenüber kommunizieren. Der erste Schritt war der wesentlich härtere, wobei auch der zweite natürlich weh getan hat. Zumal mit Armin Dollinger ja ein junger Partner viel Hoffnung in das Projekt gelegt hatte. Ihm diese zu nehmen, das war nicht schön.

SPORT1: Die meisten Sportfans verbinden Sie immer noch mit Jonas Reckermann. Wie ist Ihr Verhältnis heute?

Brink: Wir sind durch unsere gemeinsame Geschichte untrennbar verbunden. Die Goldmedaille gehört für immer Brink/Reckermann, die hat keiner alleine geholt. Wir waren ein grandioses Team, und so werden wir auch immer noch wahrgenommen. Jonas und ich haben auch immer noch viel miteinander zu tun, alleine schon aufgrund der Tätigkeiten für unsere Sponsoren.

SPORT1: Reckermann arbeitet als TV-Experte. Wäre das auch für Sie denkbar?

Brink: Prinzipiell ist das gut vorstellbar - ich habe schließlich schon für SPORT1 ein Spiel vom Grand Slam in Berlin als Co-Kommentator begleitet. Das war eher eine kurzfristige Sache, und ich wollte es einfach mal ausprobieren. Es hat viel Spaß gemacht und war sehr interessant, weil man in ein Umfeld kommt, das man nur aus der Athletensicht kennt. Und man kann mithelfen, das Produkt weiter nach vorne zu bringen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Beachvolleyball eine geile Sportart ist und breites Interesse erfahren sollte.

SPORT1: Wie sehen Sie Status quo und Perspektive des deutschen Beachvolleyballs?

Brink: Ich habe mich von dem Gedanken verabschiedet, dass sich die Dinge auf einen Schlag ändern. Aber wenn man genau hinschaut, sieht man sehr viele positive Entwicklungen, auch ausgelöst durch unseren Olympiasieg. Da hat die breite Öffentlichkeit gesehen, wie toll diese Sportart ist. Und der Boom, der vielleicht vorher schon da war, hat sich verstärkt. Beachen ist hoffähig geworden, die Leute spielen nicht mehr nur im Urlaub, sondern auch zu Hause. Und die Teams, die in unsere Fußstapfen treten wollen, haben es ein Stück weit einfacher.

SPORT1: Welches deutsche Team kann in Rio in Ihre Fußstapfen treten?

Brink: Bei den Frauen haben Ludwig/Walkenhorst eigentlich komplett unseren Trainerstab übernommen. Das war natürlich ein schlauer Schachzug (lacht). Dieses Team kann auf jeden Fall eine Medaille gewinnen, auch wenn Kira gerade gesundheitliche Probleme hat. Und bei den Männern sind Erdmann/Matysik und Walkenhorst/Windscheif in der erweiterten Weltspitze. Aber zwei Jahre vorher eine Prognose zu treffen ist wirklich schwierig.

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