Von Lars Becker

Volleyball-Superstar Georg Grozer lüftete bei der Jubelfeier in der Kabine noch sein persönliches Bronze-Geheimnis.

Er hatte bei jedem WM-Spiel die gleiche, selbstverständlich immer wieder gewaschene schwarz-rot-goldene Unterhose getragen.

Als er diese Geschichte erzählte, konnte er schon wieder lachen. Zuvor war er mit seinen beiden Töchtern an den Händen und Tränen in den Augen fassungslos durch die Arena in Kattowitz gehumpelt.

Wie Bastian Schweinsteiger beim WM-Titelgewinn der deutschen Fußballer war der Volleyball-Topangreifer beim furiosen 3:0 im Bronzematch gegen Frankreich zuvor zum Symbol des Sieges geworden. 

"Er ist unser Schweinsteiger"

Grozer war schon mit Oberschenkelproblemen in dieses entscheidende Spiel gegangen, dann bekam er noch einen knallharten Angriffsball der Franzosen ins Gesicht und knickte zu allem Überfluss im zweiten Satz noch böse um.

Doch "Hammerschorsch"stand unter dem Jubel der 10.000 Fans wieder auf und führte sein Team mit 19 Punkten zur ersten WM-Medaille seit 44 Jahren.

"Er ist unser Schweinsteiger. Man muss sich einmal überlegen, was für eine Belastung 13 Spiele in 20 Tagen sind", sagte Präsident Krohne.

Heynen ist froh, weiterzumachen

Grozer sprach dann auch von einer "Medaille des Willens", während Matchball-Verwandler Denis Kaliberda auch noch bei der Siegerehrung fassungslos den Kopf schüttelte: "Das ist ein geiler Scheiss, leck mich am Arsch. Das ist ein Moment im Leben, den wir alle nie vergessen werden. Wir haben hier tatsächlich Geschichte geschrieben."

Bei der emotionalen Siegehrung am Sonntagabend übergab Verbandschef Thomas Krohne ("Wahnsinn, Wahnsinn") mit einer geborgten Krawatte die ersten WM-Medaillen seit Gold für die DDR im Jahr 1970.

Und Bundestrainer Vital Heynen, der Vater des Erfolgs, war schon wieder nach Späßen zumute: "Ich bin froh, dass wir nicht Weltmeister geworden sind: Ich hatte nämlich vor der WM gesagt, dass ich in diesem Fall aufhören werde."

Volleyball soll von Medaille profitieren

Das macht der volleyballverrückte Mann natürlich nicht. Während seine Spieler schon am Montag um vier Uhr morgens siegestrunken und mit der Bronzemedaille im Gepäck das polnische Kattowitz verließen, reiste Heynen direkt zu seinem polnischen Verein Bydgoszcz.

Dort wollte der Erfolgscoach noch am Nachmittag ein Training leiten. Auch der stolze Verbandschef Thomas Krohne richtete den Blick schnell nach vorn.

"Wie beim Weltmeistertitel der Fußballer müssen wir diesen Erfolg jetzt in die Bundesliga tragen", sagte Krohne: "Außerdem müssen wir mit den Nationalmannschaften weiter sportliche Erfolge anbieten, um den Stellenwert des Volleyballs in der Öffentlichkeit weiter zu steigern. Für die Frauen wird dieser Erfolg sicher ein Riesenansporn sein. Auch bei ihnen ist bei der WM eine Medaille das Ziel."

Daumendrücken für die Frauen

Die Titelkämpfe beginnen für die deutschen Vizeeuropameisterinnen am Dienstag in Rom mit dem Duell gegen die Dominikanische Republik (ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER). Und eine WM-Medaille hätte eine noch historischere Bedeutung wie bei den Männern: Es wäre nach zwei vierten Plätzen 1974 und 1986 die erste überhaupt.

Von der Frauen-WM werden alle deutschen Spiele bei SPORT1 live im Free-TV gezeigt - das ist ein großer Unterschied zu den Männern, wo die Übertragung von den WM-Medaillenrundenspielen kurzfristig an einer Rechteproblematik gescheitert war.

TV-Übertragungen sind eine wichtige Bedingung, um neue Sponsoren zu gewinnen. Der neue Geldgeber des Männer-Nationalteams denkt nach WM-Bronze bereits über die langfristige Verlängerung des Kontrakts nach.

Das würde etwas Geld in die Kassen des chronisch klammen Verbands bringen, der den Bronze-Helden in der fünfmonatigen Nationalmannschafts-Saison keinen einzigen Cent zahlen konnte.

Zwei Einzelauszeichnungen

Zweimal 10.000 Dollar fürs Team gab es immerhin vom Volleyball-Weltverband FIVB - Markus Böhme und Lukas Kampa wurden als bester Blockspieler und bester Zuspieler der WM ausgezeichnet. Chefcoach Heynen fordert zudem, dass der DOSB die Volleyballer von Förderkategorie vier in zwei hochstuft.

"Da geht es nicht um Geld, da geht es um Wertschätzung. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Live-Übertragungen im deutschen TV, die sich meine Spieler längst verdient haben", so der Erfolgstrainer:

"Deutschland muss endlich aufwachen: Wir haben die erste WM-Medaille seit fast einem halben Jahrhundert gewonnen!" Und das auch dank der schwarz-rot-goldenen Unterhose von Georg Grozer…

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