Trotz Quasi-Aus' wollen Deutschlands Frauen die WM keineswegs abschenken. Ziele bleiben - glückt gegen Japan der erste Schritt?

Von Lars Becker

München - Als die Schmetterlinge nach der dritten Niederlage in Serie ihre Hoffnungen auf die erste WM-Medaille der Geschichte endgültig begraben mussten, wrkte die Enttäuschung nicht mehr allzu groß.

Zum einen hatte das Team das große Ziel schon nach der schwachen ersten Runde wohl im Kopf abgehakt. (SPORT1 zeigt alle deutschen Spiele LIVE im TV und im LIVE-TICKER)

Zum anderen zeigte die Mannschaft in Triest trotz des 0:3 (16:25, 23:25, 23:25) gegen China (Bericht) zumindest eine Leistungssteigerung. (LIVE-TICKER zum Nachlesen)

Wie zuvor bei den Niederlagen gegen die Dominikanische Republik (2:3), Italien (1:3) und Kroatien (2:3) fehlte aber in den entscheidenden Momenten das letzte Quäntchen Leistungs- und Nervenstärke.

Keine Durchschlagskraft

"In unserem Auftreten hat sich etwas geändert, wir haben die letzten Tage viel geredet und wollten zeigen, dass wir viel besser spielen können. Kämpferisch war es eine sehr gute Leistung", kommentierte Christiane Fürst.

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Festzuhalten bleibt aber auch, dass das deutsche Team zu Saisonbeginn auf dem Weg zum sensationellen Triumph beim hochkarätig besetzten Internationalen Turnier in Montreux noch klar mit 3:0 gegen China triumphiert hatte.

Doch bei dieser WM fehlt im deutschen Team einfach die Durchschlagskraft im Angriff. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Die Spielmacher Mareen Apitz und Kathleen Weiß konnten nicht durchgängig überzeugen, und auch in der Annahme wackelten die Schmetterlinge, wenn es drauf ankam. ()

Tiefpunkt für Guidetti

"Zum ersten Mal, seit ich Coach bin, spielen wir am Ende der Saison so schlecht. Sonst haben wir uns immer gesteigert. Wir haben in der Vorbereitung alles gemacht, aber es hat nicht gereicht", hatte Bundestrainer Giovanni Guidetti schon nach dem Ende der ersten Runde erklärt.

Nach dem Duell gegen die starken Chinesinnen ("Sie können eine Medaille holen") freute er sich immerhin über die "deutlichen Verbesserungen in vielen Elementen" in seinem Team.

Für die wohl letzten WM-Spiele gegen Japan (ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER), Belgien (Samstag ab 16.55 LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) und Aserbaidschan (Sonntag ab 16.55 LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) soll trotzdem eine weitere Steigerung her.

Rechnen, aber fast null Hoffnung

Rechnerisch ist das Weiterkommen noch immer nicht definitiv unmöglich - realistisch ist es aber kaum (Bericht: Rechnen ohne Ende: Nur noch ein Wunder hilft).

Das recht unverhohlene Motto beim Abschluss-Schaulaufen lautet demnach nur noch: Raus mit Applaus.

"Wenn wir in den letzten drei Partien an die heutige Leistung anknüpfen, dann können wir auch drei Siege holen", sagt Guidetti.

Auch Spielführerin Margareta Kozuch will noch "ein paar Siege einfahren: Das ist sehr wichtig."

Beistand via twitter gibt es auch aus der Heimat von der verletzten Saskia Hippe (Kreuzbandriss):

Jetzt geht's um Olympia

Wichtig ist es vor allem für die Olympia-Qualifikation: Abhängig von der WM-Platzierung werden Weltranglistenpunkte vergeben.

Die Weltrangliste entscheidet wiederum darüber, wie schwer den Weg zu den Sommerspielen 2016 nach Rio de Janeiro wird, dem großen Ziel des deutschen Teams.

Zudem könnte ein positiver WM-Ausklang auch den mit einem Vertrag bis 2016 ausgestatteten Erfolgstrainer davon überzeugen, dass er weiterhin genau am richtigen Platz ist.

Guidetti, der die Schmetterlinge zweimal hintereinander zu Silber bei der Europameisterschaft geführt hat, ist nämlich schon mitten in der Analyse, warum es bei dieser WM nicht perfekt gepasst hat.

Projekt Medaille gescheitert

"Wenn die Titelkämpfe zu Ende sind, werden wir über die Konsequenzen reden", sagt der Italiener.

Nachdem die deutschen Volleyball-Männer die erste WM-Medaille seit 44 Jahren gewonnen hatten, wollte der ehrgeizige Coach mit dem ersten WM-Edelmetall für die Frauen Geschichte schreiben.

Dieses Projekt ist gescheitert.

"Es ist sehr schade", meint Guidetti. "Wir hatten bei dieser WM durch die Gruppenauslosung so eine große Chance. Niemand ist zufrieden. Aber jetzt wollen wir zum Abschluss noch guten Volleyball zeigen."

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