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Christiane Fürst (l.) und Giovanni Guidetti arbeiten seit 2006 im DVV-Team zusammen

Führungsspielerin Christiane Fürst hat Bundestrainer Giovanni Guidetti nach der enttäuschenden Weltmeisterschaft (DATENCENTER: Alle Ergebnisse) der deutschen Volleyballerinnen scharf kritisiert.

"Das Verhältnis zu ihm hat sich in den letzten eineinhalb Jahren verschlechtert. Er hat uns Spielerinnen durch Nicht-Kommunikation und auch durch Nicht-Anwesenheit das Grundvertrauen entzogen", sagte die Mittelblockerin in einem Interview den "Dresdner Neuesten Nachrichten".

"Giovanni Guidetti ist ein sehr guter Trainer, doch er hat sich zuletzt verändert. Und dieser Wandel war nicht gut für die Mannschaft. Es scheint so, als ob er müde und leer ist."

Die Mannschaft des Deutschen Volleyballverbandes (DVV) erreichte bei der WM in Italien (das Halbfinale zwischen China und Italien ab 20.35 Uhr im GRATIS-LIVESTREAM) trotz Ambitionen auf eine Medaille nur den neunten Rang.

Fürst wählte nun deutliche Worte. Die WM sei ein "Tiefpunkt, weil man gemerkt hat, dass die Chemie zwischen dem Bundestrainer und der Mannschaft nicht mehr gestimmt hat". Deshalb bleibe ein bitterer Nachgeschmack, meinte die 29-Jährige weiter.

Ihre Kritik an Guidetti ist teils vernichtend. "Es hatte sich schon in den Monaten davor angedeutet. Die Vorbereitung war nicht optimal, es gab den gesamten Sommer über keine klare Linie, es wurde keine Stammformation eingespielt und wir haben den Grand Prix nicht für die WM-Vorbereitung genutzt. Schon dort war es ein Desaster", schilderte sie. "So waren wir weder individuell noch als Mannschaft bei der WM in Bestform."

Trotz eines offenbar gestörten Teamklimas schließt sie eine weitere Zusammenarbeit mit dem 42 Jahre alten Italiener nicht aus.

Das Team habe sich nach der WM und einer abschließenden Ansprache von Guidetti ohne den Trainer noch einmal zusammengesetzt, erzählte sie. "Wir waren uns einig, dass wir weiterhin gemeinsam durch dick und dünn gehen wollen."

Für den viel kritisierten Coach selbst ist ein Abschied trotz eines bis 2016 laufenden Vertrages aber angebliche durchaus eine Option (BERICHT: Guidetti droht mit Abschied).

"Es muss sich etwas ändern. Ich weiß noch nicht genau was, aber etwas muss sich ändern, sonst machen wir keinen Schritt nach vorne", hatte er nach dem WM-Aus gesagt und Maßnahmen wie ein härteres Durchgreifen ins Spiel gebracht.

Guidetti ist seit 2006 Bundestrainer. Er führte die Schmetterlinge, wie das Team von seinen Fans gerufen wird, 2011 in Serbien und Italien sowie im Vorjahr bei der Heim-EM jeweils zu Silber.

Laut Fürst müsse er der Mannschaft wieder sein Vertrauen schenken und so mit dieser zusammenarbeiten, "wie er das früher getan hat. Das ist jedoch seine Entscheidung."

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