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Berlin - Nachdem auch die Männer Olympia unglücklich verpasst haben, muss der deutsche Volleyball mit herben Folgen leben. Der Verlust einer Leitfigur ist nur eine.

Bundestrainer Vital Heynen wählte eine besondere Art der Frustbewältigung: Er leitete am Tag nach dem bitteren Olympia-K.o. der deutschen Volleyballer schon wieder das Training bei seinem Verein im französischen Tours.

Direkt nach der bitteren 2:3-Pleite gegen Weltmeister Polen beim Qualifikationsturnier in Berlin hatte sich der sonst so kontrollierte Belgier für ein paar Momente hinter einen Vorhang zurückgezogen, wohl um seine Tränen zu verbergen.

In Rio ist erstmals seit Barcelona 1992 ist keines der beiden deutschen Hallen-Nationalteams mit von der Partie, nachdem in der vergangenen Woche auch die "Schmetterlinge" unglücklich beim Qualifikationsturnier in Ankara gescheitert waren. Für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) sportlich wie finanziell ein Desaster.

DVV drohen finanzielle Einbußen

"Uns fehlt die Plattform Olympia, auf der wir uns präsentieren können. Als Sportart hinter dem Fußball macht uns das das Leben noch schwerer", sagte Verbandschef Thomas Krohne: "Vier Jahre Arbeit - und alle Mühen waren umsonst."

Auch eine Menge Geld. Geschätzte 1,2 Millionen Euro hat die Ausrichtung des Olympia-Qualifikationsturniers in Berlin gekostet, etwa die Hälfte davon kam vom Berliner Senat.

Direkte Verluste wird der DVV zwar nicht machen, aber in Zukunft drohen finanzielle Einbußen. Nicht in erster Linie durch eine Senkung der Sportförderung des Bundes.

Vielmehr wird es für die Randsportart nun noch schwerer, Geld von Sponsoren zu akquirieren. Die Enttäuschung im Gesicht des Vorstands von DVV-Ausrüster Stanno, der vor dem entscheidenden Spiel seinen Vertrag bis 2020 verlängert hatte, sprach Bände.

Superstar Grozer tritt zurück

Auch personell wird die verpasste Olympia-Qualifikation Konsequenzen haben.

Georg Grozer, Leitfigur des deutschen Volleyball kündigte das vorläufige Ende seiner Nationalmannschafts-Karriere an - auch Kapitän Marcus Böhme (30) denkt laut darüber nach, ob er "in vier Jahren noch einmal einen neuen Anlauf für Olympia machen will."

Zukunft der Trainer ungewiss

Auch beim deutschen Frauen-Nationalteam, wo die meisten Leistungsträgerinnen um die 30 sind, muss es einen Neuanfang geben. Zudem ist der Posten des Bundestrainers vakant, nachdem der Italiener Luciano Pedulla gefeuert und nur für die Olympia-Qualifikation interimsmäßig durch Felix Koslowski ersetzt worden war.

Unklar ist auch die Zukunft von Männer-Chefcoach Heynen. Er erreichte 2014 mit Bronze die erste deutsche Weltmeisterschafts-Medaille seit 44 Jahren und führte sie zum Sieg bei den European Games. Historische Erfolge.

Heynens Vertrag läuft aus, vor Berlin wurde vereinbart, dass der Chefcoach die Mannschaft auf jeden Fall noch in der Weltliga im Juni und Juli betreut. Danach würde der DVV nach eigenem Bekunden gerne verlängern. Allerdings war das Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und dem Verband zuletzt so gestört, dass Heynen hatte schon vor dem Qualifi-Turnier einen Rücktritt erwogen hatte.

Heynen sagte vor seiner Abreise nichts zu seiner Zukunft, verbreitete aber trotzdem etwas Optimismus: "Aus Niederlagen lernt man, um beim nächsten Mal besser zu sein. Ich bin überzeugt, in vier Jahren bei den Olympischen Spielen von Tokio dabei zu sein."

Fragt sich nur, mit welchem Nationalteam.

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