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Vital Heynen
Deutschlands Bundestrainer Vital Heynen stammt aus Belgien © dpa Picture Alliance

Die deutschen Volleyballer stehen bei der EM vor einem "emotional schwierigen" ersten K.o.-Spiel. Vital Heynens Plan geht auf. Nun warten die Landsleute des Bundestrainers.

Heimatgefühle muss Vital Heynen hinten anstellen. Wenn die deutschen Volleyballer am Dienstag (ab 19.30 Uhr im LIVETICKER) in Sofia auf Belgien treffen, kommt es für den Bundestrainer zur "emotional schwierigsten Begegnung".

Rücksicht kann Heynen auf seine Landsleute im ersten K.o.-Spiel der EM in Bulgarien und Italien aber nicht nehmen.

"Das wird aufgrund der Konstellation Gegner und Trainer eine ganz heiße Kiste", kündigt Zuspieler Lukas Kampa an. Heynen hat schon einige Spieler der gegnerischen Mannschaft trainiert und weiß: "Das wird schwer gegen Belgien, aber wenn du ins Finale willst, musst du alles gewinnen."

Kritisierter Schachzug

Aus taktischer Sicht kann Heynens Wissen ein großer Vorteil für die Deutschen sein - er wird seine Mannschaft perfekt einstimmen.

Welch Taktikfuchs Heynen ist, zeigte er schon mit seiner Aufstellung im zweiten Vorrundenspiel gegen die Niederlande.

Er schonte seine besten Spieler, kalkulierte so eine Niederlage mit ein und geht so im Falle des Viertelfinal-Einzugs Weltmeister Polen vorerst aus dem Weg.

"Wenn wir ins Finale wollen, suchen wir uns den Weg aus, der uns am besten liegt", hatte der Bundestrainer seine umstrittene Maßnahme erklärt, für die er vor allem aus Holland heftig kritisiert worden war.

Erinnerungen an "Wunder von Bern"

Heynens Schachzug erinnert ein wenig an den legendären Kniff von Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger bei der WM 1954.

Herberger ließ im Vorrundenspiel gegen Topfavorit Ungarn damals ebenfalls seine besten Spieler draußen, was in ein 3:8-Debakel mündete.

Ausgeruht schlug sein Team damals die Türken mir 7:2 und musste obendrein im Viertelfinale nicht gegen die brasilianischen Ballzauberer hinzu.

Und im Endspiel unterschätzten die Ungarn die DFB-Elf, was zum "Wunder von Bern" führte.

Gold weiter als Ziel

Die deutschen Volleyballer träumen von einem ähnlichen Coup und vom ersten EM-Gold der Geschichte.

"Ich will auf jeden Fall ins Finale und dann am besten Gold holen", sagt Diagonalangreifer Georg Grozer.

Georg Grozer (r.) und Lukas Kampa
Georg Grozer (r.) wurde gegen die Niederlande geschont © Getty Images

"Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, wir sind bereit für die nächste Runde. Wir dürfen kein Spiel mehr verlieren, das wissen wir. Wir haben uns den Weg ausgesucht, gegen welche Gegner wir spielen - jetzt geht es richtig los", sagt Außenangreifer Denis Kaliberda und spielte damit auch auf die abgeschenkte Begegnung gegen die Niederlande an (2:3).

"Gar nicht so müde"

Am Dienstag müssen zunächst einmal die "roten Drachen" aus Belgien besiegt werden. "Auf das übernächste Spiel zu blicken, wäre fatal", sagt Kampa: "Von Spiel zu Spiel zu schauen, ist das einzig richtige. "

Die Pause, die Heynen seinen Topspielern gegen die Niederlande verordnete, könnte im Turnierverlauf den entscheidenden Unterschied machen. Gegen kraftlose Tschechen war der European-Games-Sieger kaum gefordert, im Schnelldurchgang entledigte sich der Weltranglistenzehnte der Pflichtaufgabe.

"Wir sind gar nicht so müde, das ist gut für die nächste Woche", sagt Kaliberda. Auch Punktegarant Grozer bestätigt: "Die Pause hat mir körperlich sehr gut getan, ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste."

Den Weg zur ersten deutschen EM-Medaille hat Heynen vorgezeichnet, nun müssen ihn seine Spieler beschreiten. 

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