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Die deutschen Curler werden nicht mehr von der Sportförderung unterstützt

Der Deutsche Curling-Verband (DCV) macht sich nach einem Krisengespräch mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) keine Hoffnungen auf den weiteren Erhalt staatlicher Fördermittel.

Seinem Verband seien lediglich "punktuelle Hilfen über Drittmittel" in Aussicht gestellt worden, "die uns aber beim Wegfall der leistungssportlichen Strukturen im Verband nicht entscheidend helfen werden", sagte DCV-Präsidemt Dieter Kolb.

"Leider konnte der DOSB uns hinsichtlich des Erhalts der Leistungssportförderung oder einer möglichen Grundförderung, die unserem Sport das Überleben ermöglichen würde, keine Hoffnung machen", ergänzte DCV-Präsident Kolb.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann ordnete die Sachlage nach dem Gespräch anders ein.

"Wir haben dem Curling-Verband aus unserer Sicht einige gute und funktionierende Konzeptansätze aufgezeigt, wie mittel- und langfristig ein erfolgreiches Leistungssportkonzept aussehen kann, und werden den DCV dabei aktiv begleiten", sagte Hörmann.

Der DOSB, der sich wegen fehlender Mittel gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium (BMI) zu einem Ausschluss der Curler aus der Spitzensportförderung entschlossen hatte, kündigte weitere Hilfe für den DCV an.

Der Dachverband wolle sich beim BMI dafür einsetzen, "dass der Verband auch zukünftig Fördermittel zur Entsendung seiner Teams erhält", hieß es.

Geprüft werden soll zudem die Unterstützung aus Mitteln von Olympic Solidarity, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereitstellt.

"So könnten Trainer teilfinanziert werden, das Team für die Olympischen Jugendspiele unterstützt und die Vorbereitung einer Mannschaft für Pyeongchang 2018 gefördert werden. Darüber hinaus wird sich der DOSB dafür einsetzen, Sportler/innen über die Sportfördergruppe der Bundeswehr abzusichern. Erste Gespräche sind bereits geführt worden", hieß es.

Kolb gab sich kämpferisch. "Wir werden alle unsere Energie darauf verwenden, in der Politik und bei den Entscheidungsträgern in Städten, Ländern und Bund ein Umdenken zu erzeugen, die verhältnismäßig geringen Mittel, die wir zum Erhalt unserer Sportart benötigen, zur Verfügung zu stellen", sagte Kolb.

Nach den Zielvereinbarungsgesprächen mit allen Wintersportverbänden für den Olympia-Zyklus 2015 bis 2018 hatte der DOSB beim BMI einen Mittel-Mehrbedarf angemeldet, da die bislang zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen, um alle Verbände "adäquat und zielgerichtet" zu fördern.

Deshalb nahm der DOSB seine Steuerungsfunktion wahr und strich den Curlern die Grund- und Projektförderung.

Der Mehrbedarf der Curler belief sich auf etwa 160.000 Euro.

Der DCV verwies in einer Pressemitteilung erneut auf einen Präsidiumsbeschluss des DOSB von 2012, demzufolge auch in wirtschaftlich schweren Zeiten alle Sportarten weiter gefördert werden sollen.

Dass ein Spitzensportverband aus der Sportförderung fällt, ist ein Novum in der bundesdeutschen Sportgeschichte.

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