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In Oberstdorf gibt es heftigen Schnefall
Marinus Kraus wird von einer Böe erwischt und steht nur mit Mühe den Sprung © imago

Oberstdorf - Der Auftakt verkommt zur Farce. Marinus Kraus zeigt Nerven, kommt aber glimpflich davon. Österreichs Coach Kuttin kritisiert ihn.

Eigentlich hatte Marinus Kraus nur einen einzigen Sprung von der Schanze in Oberstdorf gemacht.

Doch im Ziel wirkte er ausgelaugt, als hätte er gerade einen Dauerlauf hinter sich. Die lange Warterei und ein Beinahe-Sturz hatten ihm jegliche Energie geraubt.

"Heute will ich nicht mehr runter springen, ich bin jetzt müde und muss das erst mal verdauen", stöhnte er.

In seine Müdigkeit mischte sich Erleichterung, dass er seinen Sprung heil überstanden hatte: "Ich bin froh, dass ich unten bin", gab der Team-Olympiasieger zu.

"Sehr, sehr knapp"

Kraus war kurz nach dem Absprung in Turbulenzen gekommen, pendelte in der Luft heftig hin und her und konnte mit Müh und Not das Gleichgewicht halten.

"Zum Glück ist Marinus auf den Beinen gelandet ist. Das war schon sehr, sehr knapp", atmete Bundestrainer Werner Schuster danach kräftig durch.

Sechs Verschiebungen

Kraus' Schrecksekunde war der negative Höhepunkt eines chaotischen Tages beim Auftakt der Vierschanzentournee.

Wechselnde starke Winde verhinderten bei leichtem Schneefall immer wieder den Start des Springens.

Insgesamt sechs Mal verschob die Jury den Start des Wettkampfes. Als dieser dann nach eineinhalb Stunden endlich begann, kam es auch mehrfach zu Verzögerungen.

Nervenzehrende Warterei

So saß ein Großteil der Springer oben im Schanzenturm und wartete und wartete.

"Für uns als Sportler ist es schwierig. Die Höchstspannung für eineinhalb Stunden aufrechtzuerhalten, das zehrt ziemlich am Mentalen", beschrieb Kraus die Lage oben im Warteraum.

Immer wieder dachte Kraus, es gehe gleich los, dann kam doch wieder eine anderslautende Ansage. "Die Jury verzögert immer um eine Viertelstunde ? das ist Horror pur für uns", gab Kraus in der "ARD"-Einblick in sein Seelenleben.

"Vielleicht wäre es besser den Start auch mal um eine Stunde zu verschieben", sagte der österreichische Trainer Heinz Kuttin deshalb in Richtung der Jury.

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Kuttin kritisiert Kraus

Sein Athlet Andreas Kofler war direkt nach Kraus in die Anlaufspur gegangen, zeigte aber einen sicheren Sprung auf über 130 Meter.

"Der Kraus hat einen Fehler gemacht, der Andi dagegen war feinfühlig über dem Vorbau", erklärte Kuttin den Unterschied zwischen den beiden Sportlern.

Kraus selbst wollte nicht direkt von einem Fehler sprechen, gab aber zu, zu viel Risiko eingegangen zu sein: "Als Profisportler versuche ich möglichst weit zu springen und dann muss man an die Grenze gehen. Vielleicht war es ein bisschen zu viel, aber der Wind hat es mir natürlich nicht einfacher gemacht."

Jury macht weiter

Der Wind blies auch nach Kraus? Beinahe-Sturz mit Geschwindigkeiten von bis zu sechs Metern pro Sekunde weiter vor sich hin.

Dennoch nahm die Jury das aussichtslose Unterfangen in Angriff, den Wettbewerb über die Bühne zu bringen. Sie verkürzte erst einmal den Anlauf, um die Geschwindigkeit der Springer zu senken und das Sturzrisiko zu minimieren.

Doch ein faires Springen war fortan nicht mehr möglich, zu unterschiedlich waren die Bedingungen bei den jeweiligen Kontrahenten im K.o.-Duell. Nach dem elften von 50 Springern und einer eineinhalbstündigen Skisprung-Farce hatte die Jury schließlich doch ein Einsehen und brach das Springen ab.

"Es hat am Ende keinen Sinn gemacht, da hätte man auch Würfeln können. Für den Sport war es die richtige Entscheidung", sagte Schuster.

Zweiter Versuch wieder unter Flutlicht

Ein zweiter Versuch wird nun am Montag um 17.30 Uhr gestartet (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Doch die Wetterprognosen sind nicht viel besser. Erneut sind Schneefall und starke Winde vorhergesagt.

Kraus droht also die nächste nervenzerreißende Geduldsprobe.

SERVICE: Alles, was Sie zur Vierschanzentournee wissen müssen

Die wichtigsten Duelle Oberstdorf in der Übersicht:

Marinus Kraus - Lauri Asikainen (Finnland)
Daniel Wenig - Nejc Dezman (Slowenien)
Markus Eisenbichler - Johann Andre Forfang (Norwegen)
Stephan Leyhe - Michail Maksimochkin (Russland)
Michael Neumayer - Jan Ziobro (Polen)
Andreas Wank - Daiki Ito (Japan)
Severin Freund - Dimitri Wassiliew (Russland)
Tim Fuchs - Anders Fannemel (Norwegen)
Karl Geiger - Rune Velta (Norwegen)
Richard Freitag - Davide Bresadola (Italien)
Roman Koudelka (Tschechien) - Noriaki Kasai (Japan)
Michael Hayböck - Gregor Schlierenzauer (beide Österreich)
Simon Ammann (Schweiz) - Peter Prevc (Slowenien)

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