Das Auftaktdebakel der DSV-Springer bleibt nicht ohne Folgen. Ein Blick auf Österreich zeigt, was in Deutschland falsch läuft.

Der Auftakt der Vierschanzentournee hatte aus deutscher Sicht etwas von "Und täglich grüßt das Murmeltier".

Wieder waren die DSV-Adler mit großen Erwartungen in die Tournee gegangen, wieder enttäuschten sie beim ersten Springen in Oberstdorf.

Den Gesamtsieg bei der traditionsreichen Veranstaltung muss man schon nach der ersten Station abhaken.

Dabei schien Severin Freund diesmal tatsächlich bereit zu sein für den großen Coup. Als Team-Olympiasieger und Skiflug-Weltmeister hatte er 2014 bewiesen, was er auch unter großem Druck leisten kann.

Doch in Oberstdorf scheiterte er einmal mehr. Und das Schlimme ist: In der öffentlichen Wahrnehmung ist ein Sieg bei der Tournee um einiges mehr wert als Olympia-Gold mit der Mannschaft oder ein WM-Titel.

Die Vierschanzentournee ist der eigentliche Saisonhöhepunkt der Skispringer. An keinem anderen Zeitpunkt des Winters ist die Aufmerksamkeit für die Sportart höher.

Das Interesse und die Popularität sind nach wie vor groß. In Oberstdorf kam die Hälfte der Zuschauer beim zweiten Versuch nach der Absage vom Vortag nochmal wiede.

Das zeigt, welch großes Vermarktungspotential im Skispringen steckt. Was wäre da erst bei einem deutschen Tournee-Sieg möglich? Insofern ist das Auftaktdebakel eine millionenschwere Niederlage.

Es ist, als ob die Fußballer des FC Bayern München in der Vorrunde der Champions League ausscheiden würden. Der mögliche Gewinn von Meisterschaft und Pokal wäre danach dann ziemlich egal, Trainer Pep Guardiola müsste seinen Hut nehmen.

So weit ist es bei Bundestrainer Werner Schuster nicht. Ihm ist schließlich der Aufschwung in den letzten Jahren zu verdanken. Der Österreicher schaffte erst die perfekten Rahmenbedingungen, unter denen Topleistungen überhaupt möglich sind.

Gerade deshalb war er am Montag nach dem Springen so enttäuscht von seinen Top-Athleten Freund und Richard Freitag. Er wirkte ein wenig ratlos.

Doch es stellt sich die Frage, warum es seinen Sportlern Jahr für Jahr nicht gelingt, bei der Vierschanzentournee ihre Topleistung abzurufen. Das Potential ist da.

Ein Blick ins Nachbarland Österreich zeigt, wie es geht. Die rot-weiß-roten Skiadler sind jedes Jahr trotz Problemen im Vorfeld auf den Punkt topfit und gehen mit der nötigen Mischung aus Konzentration und Lockerheit an den Start.

Nach dem ersten Springen haben sie mit Stefan Kraft, Michael Hayböck und Andreas Kofler gleich drei aussichtsreiche Kandidaten für den Tourneesieg im Rennen.

Dabei spüren ja auch die Skispringer aus der Alpenrepublik den Druck des Gastgeberlandes.

Aber offenbar hat man in Österreich kapiert, dass es sich bei den vier Springen um die Jahreswende um die Champions League des Skispringens handelt. Und Millionen auf dem Spiel stehen.

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