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SKI-JUMP-FOUR-HILLS-AUT Simon Ammann
Simon Ammann stürzte in Bischofshofen schwer © Getty Images

Bischofshofen - Simon Ammann bleibt nach seinem schweren Sturz in Bischofshofen im Krankenhaus. Ammanns Bindung wird ihm zum Verhängnis.

Es war die schockierendste Szene dieser Vierschanzentournee.

Simon Ammann lag regungslos auf dem Rettungsschlitten der Sanitäter, sein Gesicht war blutüberströmt. Vor dem Krankenwagen warteten dann seine Frau Yana und sein kleiner Sohn Theodore.

Szenen, die keinen Skisprung-Fan kalt ließen.

Ammann ist mit vier olympischen Goldmedaillen einer der erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten und über die Schweiz hinaus bekannt und beliebt.

Ammann stabil und ansprechbar

Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h war der 33-Jährige in Bischofshofen mit dem Gesicht voran in den harten Schnee gestürzt. Welche Verletzungen er genau bei seinem Horror-Sturz erlitten hat, ist noch unklar.

Im Krankenhaus in Schwarzach war er zumindest wieder ansprechbar. Er sei stabil und könne Arme und Beine bewegen, teilte der Schweizer Skiverband am Dienstag Abend mit.

Es bleibt zu hoffen, dass es sich bei Ammanns Verletzungen nur um schwere Abschürfungen und Prellungen im Gesicht handelt.

Nicht der erste Sturz

Für Ammann war es nicht der erste Sturz nach der Landung bei dieser Tournee. Schon in Oberstdorf hatte er das Gleichgewicht verloren. Er blieb damals im weichen Neuschnee unverletzt, seinen Traum vom Tourneesieg aber musste er abhaken.

Es ist der einzige große Titel, der dem Schweizer Nationalhelden noch fehlt.

Sein Ehrgeiz war danach aber ungebrochen, mit guten Einzelresultaten wollte er seine persönliche Tourneebilanz retten. Als Zweiter und Dritter in Garmisch und Innsbruck gelang ihm das. Auch in Bischofshofen wollte er unter die besten Drei.

"Er wollte unbedingt aufs Podest", erklärt der deutsche Bundestrainer Werner Schuster das hohe Risiko, das Ammann einging.

Er zog den Sprung so weit wie möglich nach unten auf 136 Meter. Danach verlor er die Balance, wollte sich aber noch über die grüne Sturzlinie retten. "Er wollte den Sprung unbedingt stehen", beschreibt Schuster die Szene.

Bindungs-Revolution eingeleitet

Letztlich wurde Ammann also sein großer Ehrgeiz zum Verhängnis. Und das gleich in doppelter Hinsicht.

Ammann war schon immer ein Springer, der sich auch abseits der Schanze mit seinem Sport beschäftigt hat. Er feilt ständig an der Technik und tüftelt am Material.

So revolutionierte er 2010 das Skispringen.

Kurz vor Olympia in Vancouver sprang er erstmals mit der neuartigen Stabbindung, die es den Springern erlaubt, die Skier in der Luft noch schräger und stromlinienförmiger anzustellen.

Damit sprang er damals allen davon. Die Österreicher tobten, da eigentlich einer der ihren, der zweitklassige Skispringer Bastian Kaltenböck diese Art der Bindung erfunden hatte.

Heute gibt es nahezu keinen Skispringer mehr, der nicht mit dem gebogenen Stab springt.

"Extremes Material"

Doch die Bindung hat auch einen Haken, Skifahren kann man mit den Sprungskiern nicht mehr wirklich.

Und so stellt auch Schuster fest: "Klar hat der Sturz auch mit der Bindung zu tun. Das ist extremes Material. Durch den gebogenen Bindungsstab kann man die Körperachse schwerer symmetrisch halten", führt der Österreicher weiter aus.

Heißt: Im hohen Weitenbereich, wo der Landedruck eh schon hoch ist, ist es noch schwieriger, das Gleichgewicht zu halten, wenn man den Telemark setzt.

Die Geister, die Ammann rief, schlugen sozusagen jetzt zurück.

Unterschiedliche Schneeverhältnisse als Problem

Ammanns Sturz war nicht der einzige in Bischofshofen. Der Amerikaner Nick Fairall war schon in der Qualifikation am Vortag böse zu Fall gekommen. Er zog sich eine Wirbelsäulenverletzung zu und musste operiert werden.

Nur wenige Top-Springer hatten bei der Landung keinen Wackler.

"Der Telemark war hier sehr schwer", sagt Schuster.

Generell macht den Springern nicht nur die Bindung, sondern auch die ständig wechselnden Schneeverhältnisse zu schaffen.

In Engelberg kurz vor Weihnachten landeten die Athleten auf reinem Kunstschnee, in Oberstdorf auf Kunstschnee, der von einer Neuschneedecke überzogen war.

Und in Bischofshofen war es reiner Naturschnee.

Die FIS wird sich jedenfalls nach den schweren Stürzen von Bischofshofen Gedanken machen müssen, wie sie dieses Problem in den Griff bekommt.

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