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Isabella Laböck geht bei der WM im Parallel-Slalom und -Riesenslalom an den Start. © Getty Images

Snowboarderin Isabella Laböck geht als Titelverteidigerin in die Snowboard-WM - aber hat zwei enttäuschende Jahre ohne Sieg hinter sich.

Von Julian Galinski

Seit dem 15. Januar läuft die WM im Freestyle Ski und Snowboard im österreichischen Kreischberg schon (Snowboarder planen Medaillencoup). Für Isabella Laböck beginnt sie am 22. Januar. Dann tritt die Weltmeisterin im Parallel-Riesenslalom von 2013 im Slalom an. Tags darauf findet der Riesenslalom statt. Aber Laböck, die aus Prien am Chiemsee stammt, gehört nach zwei erfolglosen Jahren nicht zu den Favoritinnen. SPORT1 hat mit der 28-Jährigen über tiefe Durchhänger und hohe Ziele gesprochen.

SPORT1: Frau Laböck, Sie gehen als amtierende Weltmeisterin in den Parallel-Slalom und –Riesenslalom bei der Snowboard-WM. Aber haben seit Ihrem Titel 2013 kein Rennen mehr gewonnen. Eine etwas skurrile Ausgangslage, oder?

Laböck: Einerseits ist es schön, dass ich mich Weltmeisterin nennen darf. Den Titelgewinn 2013 kann mir keiner mehr nehmen, das habe ich mir hart erarbeitet. Andererseits bin ich vorsichtig, was meine Erwartungshaltung betrifft. Ich gehe da ran, gebe mein Bestes – und entweder es geht auf, oder es klappt vielleicht nicht. Und dann wird die Welt auch nicht untergehen.

SPORT1: Der bisherige Saisonverlauf spricht nicht für Sie.

Laböck: Ja, es ist momentan ein bisschen schwierig. In den Rennen zeige ich nicht das, was ich im Training kann. Das fuchst mich wirklich. Vielleicht fehlt mir ein bisschen die Ruhe im Wettkampf und ich bin zu hastig.

SPORT1: Dabei wäre ein Platz als eines der weiblichen Gesichter des Deutschen Wintersports frei  - Erfolge vorausgesetzt. Sie waren im Playboy und bei TV Total, also eigentlich schon im Mainstream angekommen. Eher eine Bürde?

Laböck: Im Vorlauf von Olympia 2014 hat schon ein bisschen das Chaos begonnen, ein Termin nach dem anderen. Klar hat mich das auch stolz gemacht, ich habe das als Lohn für die vergangenen Jahre, die nicht einfach waren, empfunden. Und es hat mir auch Spaß gemacht, mich als Person und Persönlichkeit außerhalb des Sports vorzustellen. Nur bei Olympia ist es dann nicht aufgegangen.

SPORT1: Sie galten durchaus als Medaillen-Hoffnung.

Laböck: Der Riesenslalom war verkorkst, im Slalom habe ich diesen einen Schlag erwischt, der mich zurückgeworfen hat.

SPORT1: War der Druck ganz einfach zu groß?

Laböck: Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Lebenstraum, etwas, was oft ganz weit weg zu sein scheint. Eine Villa. Oder eben ein Weltmeistertitel. Bei einem Großereignis ganz oben zu stehen. Nicht zweiter oder dritter, ganz oben. Und plötzlich, ziemlich unerwartet, erfüllt sich dieser Traum. Unglaublich! Und dann war diese Leere, die danach kam.

SPORT1: Reichen Olympische Spiele nicht als Motivation?

Laböck: Natürlich hat man Lust und Hunger, wieder ganz oben zu stehen. Aber bei mir war das so: Dieser riesige Haken in meinem Leben, der war erst einmal gesetzt. Und vielleicht habe ich mir deswegen unterbewusst gedacht: Jetzt komme, was wolle.

SPORT1: Genau genommen war das Beste, was danach kam ein sechster Platz in einem Weltcup-Parallelslalom.

Laböck: Es kann bei der WM also nur aufwärts gehen. Ich lasse den Kopf jedenfalls nicht hängen. Ich will voll angreifen. Und eigentlich fühle ich mich in dieser Saison ziemlich gut. So locker war ich am Start vor den Rennen noch nie. In meinen ersten Jahren im Weltcup bin ich manchmal am Start gestanden und habe meine Beine nicht mehr gespürt, so aufgeregt war ich. Aber nun freue mich einfach drauf, runterfahren zu dürfen. Und vielleicht hat meine sportliche Situation ja auch etwas Positives: Bei meinem WM-Titel hatte mich auch niemand so richtig auf der Rechnung. Und ich habe das Feld von hinten aufgerollt.

SPORT1: Ihr erstes FIS-Rennen haben sie 1998 absolviert, sie sind mittlerweile 28 Jahre alt. Da haben andere Wintersportlerinnen ihre Laufbahn schon wieder beendet. Haben Sie eigentlich schon Pläne für die Karriere nach der Karriere?

Laböck: Zuerst einmal bin ich ja schon Polizeimeisterin und habe damit schon eine gute Basis für die Zukunft. Und nun habe ich noch ein Fernstudium angefangen. Psychologie, das interessiert mich sehr. Der Lernaufwand ist eine ganz neue Herausforderung. Gottseidank habe ich mit Selina Jörg eine Zimmerkollegin, die in dieser Hinsicht unglaublich diszipliniert ist und mich mitzieht, wenn's ums Lernen geht. Sie macht jetzt ihren Master in Wirtschaftspsychologie.

SPORT1: Und wo soll's mit diesem Studium hingehen?

Laböck: Naja, Hilfe zur Selbsthilfe! (lacht) Nein, jetzt geht's erst mal mit Statistik und Methodik los. Das ist ein bisschen zäh, zugegeben.

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