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 Tobias Wendl (v-l), Tobias Loch, Natalie Geisenberger und Felix Loch stehen während des Rodel-Weltcups am Königssee nebeneinander
Olympiasieger unter sich: Der Doppelsitzer mit Tobias Wendl und Tobias Arlt, daneben Natalie Geisenberger und Felix Loch. © getty

Als Olympiasieger ist Felix Loch Topfavorit bei der am Wochenende beginnenden WM in Lettland. Im SPORT1-Interview spricht er über den Erfolgsdruck, Trainer Georg Hackl und die Gratwanderung im Eiskanal.

Nur der Titel zählt: Wenn Felix Loch am Wochenende bei der Rodel-WM in im lettischen Sigulda an den Start geht, dann ist er, wie immer, Topfavorit auf die Goldmedaille.

In kaum einer anderen Sportart - und mit Vierfach-Gold bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi unterstrichen - sind die Ansprüche so hoch wie an die deutschen Athleten im Eiskanal. Gerade an Loch.

Der enttäuschte, an Kopfweh und Schwindel leidend, bei der Generalprobe in Lillehammer als Achter. Es war sein schlechtetes Ergebnis in einem Einzelrennen seit 2011.

Im SPORT1-Interview spricht der amtierende Olympiasieger über die große Erwartungshaltung, Stunden von Detailarbeit am Schlitten und die Karriere nach der Karriere.

SPORT1: Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi haben Sie Gold im Einzel und der Staffel gewonnen, später den Gesamt-Weltcup, den Sie nun erneut anführen. Alles andere als erneut Platz eins bei der WM wäre in der öffentlichen Wahrnehmung eine Enttäuschung. Belastet Sie das?

Felix Loch: Ich versuche diesen Druck soweit es geht von mir fern zu halten. Und ich kann Ihnen versichern: Dass es so gut läuft wie zuletzt, das ist nicht selbstverständlich. Es steckt sehr, sehr viel Arbeit dahinter. Und es kann auch immer etwas schiefgehen.

SPORT1: Sie haben Ihren Olympiasieger-Schlitten von Sotschi in den zwischenzeitlichen Ruhestand versetzt. Warum?

Loch:  In Sigulda würde er mir sowieso nicht viel helfen, er ist für schnellere, technisch weniger anspruchsvolle Bahnen ausgelegt. Ich denke, wir haben meinen jetzigen Schlitten ganz gut auf die Bahn eingestellt. Die ist zwar standesgemäß nicht die Lieblingsbahn der deutschen Rodler, aber ich habe dort auch schon einen Weltcup gewonnen.

SPORT1: Wie Ihr Trainer Georg Hackl sind Sie als leidenschaftlicher Bastler bekannt.

Loch: Ja, das ist so. Mit der Feinabstimmung am Schlitten kann ich sehr viel Zeit verbringen. Meine Freundin sagt manchmal: zu viel Zeit. Aber ich will nun mal immer alles über das Gerät wissen, das ich da unterm Hinterm habe. In Absprache mit dem Schorsch versuche ich, da immer das Beste herauszuholen.

SPORT1: Wie lässt sich so ein Schlitten genau tunen?

Loch: Vor allem über die Schärfe und den Winkel der Kufe. Das entscheidet über Sieg und Niederlage: Je schärfer die Kante, desto langsamer – aber sicherer. Das ist dann eine Gratwanderung, genau die richtige Abstimmung für die jeweilige Bahn zu finden, größtmögliche Geschwindigkeit und Kontrolle.

SPORT: Wie muss man sich das eigentlich im Rennen vorstellen: Sie wissen, Sie haben einen Fehler gemacht – und müssen jetzt wirklich kämpfen, um eine Chance auf den Sieg zu haben. Was können Sie noch tun?

Loch: Das ist tatsächlich schwierig. Schließlich haben wir nun mal kein Gaspedal. Die Kunst ist es, in solchen Drucksituationen, noch konzentrierter, noch ruhiger zu werden. Und auf jeden Fall weitere Fehler zu vermeiden. Aber gerade deshalb ist die gute Vorbereitung, die Abstimmung des Schlittens, so wichtig: Damit ich mit dem Gewissen, alles für den Sieg getan zu haben, in die Bahn gehen kann.

SPORT1: Sie Sie eigentlich abergläubisch, haben bestimmte Rituale vor jedem Rennen?

Loch: Nein, ganz bewusst nicht. Ich gehe das ganz pragmatisch an. Ich will nicht denken müssen: Oh, jetzt habe ich den rechten Schuh statt den linken zuerst angezogen – ob das heute gutgeht?

SPORT1: Sie sind mit 25 Jahren dreifacher  Olympiasieger und achtfacher Weltmeister. Haben Sie schon abgesteckt, wie lange Sie noch Rodeln wollen?

Loch: So lange ich erfolgreich bin! Der Hunger auf Titel lässt nicht nach. Sollte ich irgendwann nur noch um Platz zehn fahren, werde ich mir überlegen, wie es weitergeht. Ganz so lang wie bei Armin Zöggeler (Olympia-Bronze in Sotschi mit 41 Jahren, d. Red.) wird es allerdings nicht gehen, da bin ich mir sicher.

SPORT1: Haben sich die Goldmedaillen von Sotschi eigentlich auch bemerkbar gemacht, was das grundsätzliche Interesse am Rodeln betrifft?

Loch: Schon, ja. Und es ist schön zu sehen, dass das Rodeln immer mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Auf unserer Heimbahn am Königssee haben wir derzeit eine kleine Welle mit Kindern von sechs bis acht Jahren, die sich für den Sport interessieren. Das ein oder andere Talent wird also nachkommen, da brauchen wir uns keine Sorgen machen.

SPORT1: Könnten Sie sich später eine Rolle wie Georg Hackl vorstellen, als Mentor und Berater für jüngere Rodler?

Loch: Wie gesagt, jetzt fahre ich selbst erst mal noch ein paar Jahre. Aber dann – ja, warum nicht?

SPORT1: Es ist bekannt, dass Sie ein großer Fan des FC Bayern sind. Was die Erwartungshaltung betrifft: Lässt sich die vergleichen – immer gewinnen zu müssen?

Loch: Ja, ich denke das kann man durchaus vergleichen - auch wenn es natürlich um zwei gänzlich unterschiedliche Sportarten geht.

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