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Evi Sachenbacher-Stehle hat sowohl im Biathlon als auch im Langlauf an Olympia teilgenommen
Evi Sachenbacher-Stehle hat sowohl im Biathlon als auch im Langlauf an Olympia teilgenommen © getty

Oberhof - Die Karriere von Dopingsünderin Evi Sachenbacher-Stehle steht weiter in den Sternen. Der Verband hält ihr eine Tür auf.

Überraschungs-Comeback oder Karriereende? Die sportliche Zukunft von Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle steht weiter in den Sternen.

Auch knapp sieben Monate nach dem positiven Dopingbefund bei den Olympischen Spielen in Sotschi muss die 33-Jährige weiter auf das endgültige Urteil warten.

"Ich habe derzeit keine Informationen über den Stand der Dinge. Ich weiß nicht, wann der CAS seine Entscheidung treffen wird", sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig am Donnerstag in Oberhof.

Vieles aber deutet auf ein Ende im Spitzensport hin.

Hönig rechnet mit Verkürzung der Strafe

Sachenbacher-Stehle, einstige Strahlefrau des deutschen Wintersports, hatte Anfang August über ihren Anwalt gegen die zweijährige Sperre vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch eingelegt und ein beschleunigtes Verfahren beantragt.

Wann die höchste Instanz aber entscheiden wird, steht noch immer nicht fest - und selbst im Falle einer drastischen Strafmilderung ist Sachenbacher-Stehle darauf angewiesen, dass der Deutsche Skiverband (DSV) weiter auf sie setzt.

"Ich rechne ehrlich gesagt mit einer Verkürzung der Strafe. Die Tür wäre für die Evi dann natürlich auch weiterhin offen", sagte Hönig: "Dies ist aber natürlich auch an gewisse Leistungsvorgaben und Qualifikationskriterien gebunden. Ob sie das noch mal alles will, weiß ich derzeit nicht."

Zweifel an Sachenbacher-Stehles Comeback

In der Tat ist es unklar, ob Sachenbacher-Stehle durch den Kampf gegen die verhängte Sperre tatsächlich auf eine Wiedereingliederung in den Leistungssport pocht oder nur ihre Reputation aufpolieren will.

"So möchte ich eigentlich nicht abtreten, als Dopingsünderin, als jemand, der aus seinem Job gejagt wird. Das soll nicht das letzte Bild von mir sein", sagte die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin unlängst.

Hönig verriet am Montag jedenfalls, dass Sachenbacher-Stehle bereits im April mit dem Ende ihrer Laufbahn geliebäugelt hatte. Sie habe damals gesagt, erklärte Hönig, "dass sie die Kraft nicht mehr aufbringen wolle, um ihre Karriere nochmals zu starten. Sie sagte, sie will sich lieber dem Studium widmen."

Die Zeit drängt

Es wäre vielleicht der logische Schritt, wird die Zeit doch immer knapper und eine Rückkehr damit immer unwahrscheinlicher.

Der erste Teil der deutschen Meisterschaften ist bereits Geschichte, am Wochenende findet in Oberhof der zweite Teil statt. Anfang November brechen die Biathleten wie gewohnt in ihr Trainingslager in Norwegen auf, am Monatsende startet in Schweden die Weltcup-Saison.

Sachenbacher-Stehle hält sich laut Hönig derzeit zwar fit, "aber nicht in einer DSV-Trainingsgruppe."

Teamkolleginnen zuversichtlich

Welchen Weg auch immer Sachenbacher-Stehle einschlagen wird - ihre Teamkolleginnen sind von einer richtigen Entscheidung überzeugt.

"Da bin ich mir ganz sicher. Es ist ihre eigene Entscheidung, und niemand sollte sich von außen einmischen", sagte Hoffnungsträgerin Miriam Gössner, die in Oberhof zuvor angemerkt hatte, "dass wir eine tolle Mannschaft haben. Wir sind eine Gruppe, die sich gerade neu findet."

Und diesen Frauen, das machte der DSV am Donnerstag immer wieder deutlich, soll fortan die volle Aufmerksamkeit gehören.

Fokus auf Olympia 2018

Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang habe man bei der Kaderzusammenstellung bewusst "auf die Zukunft gesetzt", sagte Hönig. Mit neuen Konzepten wolle man "in ein, zwei Jahren wieder eine schlagkräftige Truppe zusammenhaben. Die Perspektive geht eindeutig in Richtung Jugend."

Dies gilt übrigens auch in Sachen Doping-Prävention.

Karin Orgeldinger, Sportdirektorin für die Bereiche Biathlon und Ski nordisch, gestand, "dass wir im Bereich Ernährungsberatung mehr beraten und mehr schulen müssen" - mit dem einen Ziel: "Solche Ereignisse wie bei Olympia künftig zu vermeiden."

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