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Die deutschen Biathletinnen gewinnen die Staffel in Hochfilzen
Die deutschen Biathletinnen gewinnen die Staffel in Hochfilzen © Getty Images

Hochfilzen - Die DSV-Staffel feiert einen unerwarteten Sieg und macht die jüngsten Dramen vergessen. Das Erfolgsgeheimnis ist einfach.

"So sehen Sieger aus!", schallte es durchs Stadion von Hochfilzen, als die vier deutschen Damen die oberste Stufe des Podests im Zielraum nach ihrem Sieg in der ersten Staffel der Wintersaison bestiegen.

Die schwarz-rot-goldenen Fahnen wurden eifrig geschwenkt und Luise Kummer, Franziska Hildebrand, Vanessa Hinz und Franziska Preuß zelebrierten mit den Fans die LaOla.

Kummer schüttelte ungläubig den Kopf und nannte all das einfach nur "verrückt." 

Historisches Debakel bei Olympia

In der Tat: Wer vor dem Rennen einen deutschen Sieg vorhergesagt hätte, wäre wohl tatsächlich für verrückt erklärt worden.

In den Köpfen der Biathlon-Interessierten war noch immer das Desaster von Sotschi, als das DSV-Team mit Rang elf ein historisches Debakel erlebt hatte. Franziska Preuß hatte damals als Startläuferin besonders viel Pech und vergoss bittere Tränen.

Breitseite Richtung Kritiker

Ganz anders trat die 20-Jährige diesmal auf. Beim Liegendschießen jagte sie alle fünf Schüsse blitzsauber ins Ziel, stehend brauchte sie nur einen Nachlader.

Mit dieser nervenstarken Vorstellung eroberte sie erst den Spitzenrang und lief diesen auch noch mit einem Vorsprung von 21 Sekunden sicher nach Hause.

Aus ihrer persönlichen Genugtuung machte sie hinterher keinen Hehl und wandte sich bewusst an die öffentlichen Kritiker. "Wir haben gezeigt, dass wir die Kritik während des Sommers gut von uns ferngehalten haben. Jetzt konnten wir zeigen, dass wir es doch drauf haben."

Gössner-Drama überdeckt Aufwärtstrend

Schon am Freitag im Sprint hatte sich der Aufwärtstrend in der jungen Damen-Riege mit drei Platzierungen in den Top 10 angedeutet. "Da haben wir gesehen, dass wir in Schlagdistanz sind", erklärte Preuß.

Doch die guten Einzelergebnisse gingen tags zuvor im Tränen-Drama um Miriam Gössner unter, die vergessen hatte, eine Strafrunde zu laufen. Als ihre vier Kolleginnen das Siegespodest bestiegen, war Gössner schon gar nicht mehr vor Ort. Schon am Morgen hatte sie Hochfilzen verlassen.

Die Teamkolleginnen hatten sie am Freitag Abend noch etwas getröstet, wie Staffel-Debütantin Kummer bei SPORT1 berichtete. "Wir haben versucht, ihre Stimmung wieder zu heben. Es ist wichtig im Team für die anderen da zu sein, wenn es nicht so läuft oder sich für die anderen zu freuen."

Kein Zickenzoff

Der neue Teamgeist scheint überhaupt das eigentliche Erfolgsgeheimnis für den unerwarteten Staffel-Erfolg zu sein.

Immer wieder betonte Kummer, wie schön es sei, mit den anderen Mädls zusammen zu laufen und mit ihnen den Erfolg zu teilen. Keine Spur also von Zickenzoff.

"Die Typen passen gut zusammen, es ist sehr entspannt", erklärte Franziska Hildebrand die gute Stimmung im Team.

"Wussten, dass wir es können"

Hildebrand ist mit 27 Jahren der "Oldie" im deutschen Team, das Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren. Die Verantwortlichen hatten vor der Saison um Geduld mit dem jungen Team gebeten und für eventuell ausbleibende Erfolge schon mal vorgebaut. Wie sich zeigte, unnötigerweise.

Denn die DSV-Damen haben über den Sommer ordentlich an Selbstbewusstsein gewonnen. Nicht nur an der Wandlung von Preuß von der tollpatschigen Pech-Marie zur nervenstarken Schlussläuferin machte das deutlich.

"Wir wussten vorher schon, dass wir es können", verlieh Hildebrand dem neuen Gefühl der Stärke mit einem breiten Grinsen Ausdruck. Und verkündete sogleich das nächste Ziel: "Eine Einzelplatzierung, wir können uns ja noch bisschen was aufbewahren."

Nur Bundestrainer Gerald Hönig mahnte und goss vor der Verfolgung (So. ab 11.30 Uhr im LIVE-TICKER) etwas Wasser in den so lange nicht mehr gekosteten Erfolgswein: "Wir sollten nicht so blauäugig sein, und erwarten, dass es von Woche zu Woche so weitergeht."

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