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Biathlon World Team Challenge 2014-Laura Dahlmeier
Laura Dahlmeier bei der World Team Challenge auf Schalke © Getty

München - Laura Dahlmeier ist in Ruhpolding die Hoffnungsträgerin. Bei SPORT1 spricht sie über ihre Verletzung. Magdalena Neuner lobt.

Von Andreas Reiners

Der Fehltritt verfolgt Laura Dahlmeier bis heute.

Am 8. August war das. Eine Klettertour im Zugspitzmassiv. Nichts Wildes eigentlich für die begeisterte Bergsteigerin. Doch plötzlich brach ein Stück Fels heraus, an dem sie sich festhalten wollte. Die 21-Jährige stürzte mehrere Meter ab, erlitt einen Bänderriss und eine langwierige Knochenstauchung im rechten Sprunggelenk.

Die Betonung liegt dabei auf langwierig. Die deutsche Biathlon-Hoffnung fiel nicht nur mehrere Monate aus. Aus der Bergtour wurde eine kleine Tortur. Dahlmeier rannte von Arzt zu Arzt, von Physio zu Physio.

Sie kämpfte sich zurück, verzichtete jedoch auf den Saisonstart. Am 18. Dezember gab sie schließlich mit Platz neun im Weltcup-Sprint von Pokljuka ein starkes Comeback, erreichte in der Verfolgung Rang fünf. Und ohne Probleme die WM-Norm. Zurück auf der Überholspur sozusagen.

Trotzdem: Auch fast fünf Monate nach dem Missgeschick wird sie noch fast täglich an den Unfall erinnert.

Noch nicht ganz ausgeheilt

"Ganz ausgeheilt ist die Verletzung noch nicht, der Heilungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Es zieht sich länger als man eigentlich gemeint hat. Nach der Belastung merkt man es schon, der Fuß wird dicker", sagt Dahlmeier im Gespräch mit SPORT1.

Doch für die 21-Jährige war die Leidenszeit auch eine lehrreiche Zeit: "Man hört mehr auf seinen eigenen Körper, auf sein eigenes Gefühl. Ich war viel bei meiner Familie und konnte ganz in Ruhe mit meinem Heimtrainer trainieren."

Ein kleines bisschen Ratlosigkeit bleibt aber zurück. Wann sie wieder ganz fit sein wird? "Das ist ganz schwer zu sagen. Ich hoffe, dass es möglichst schnell geht. Aber ich weiß es selbst nicht genau", meint die Junioren-Weltmeisterin.

Zuletzt verzichtete sie auf einen Start beim Heim-Weltcup im thüringischen Oberhof. In Ruhpolding (ab Mi. 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist sie jetzt wieder die Hoffnungsträgerin im deutschen Team.

Lob von Neuner

"Es ist bewundernswert, wie sie das macht. Da muss man den Hut vor ziehen. Die Zeit ist nicht einfach gewesen", sagte Magdalena Neuner.

Die Rekord-Weltmeisterin selbst hatte die DSV-Verantwortlichen vor einigen Jahren auf Dahlmeier aufmerksam gemacht. Durch die gemeinsame Garmischer Trainingsgruppe unter Bernhard Kröll hatten sich die beiden Damen kennengelernt.

"Es war von Anfang an klar, dass sie ein großes Talent ist", sagte Neuner damals.

Dabei wollte Dahlmeier eigentlich Ski-Rennläuferin werden. Als gebürtige Partenkirchenerin der normale, fast schon vorgezeichnete Weg.

Doch im Alter von neun Jahren fing sie auch mit dem Biathlon an, weil sie vom Schießen fasziniert war. Eine Zeit lang machte sie beides parallel. "Durch das Schießen habe ich mich letztendlich für Biathlon entschieden. Ich glaube, es war die richtige Entscheidung", erzählt Dahlmeier.

"Er ist immer so cool"

Ihr Vorbild ist Martin Fourcade, zweimaliger Olympiasieger. "Er ist immer so cool und abgebrüht und macht das alles so spielerisch", schwärmt Dahlmeier, die sich immer schon mal Tipps vom Franzosen holen wollte: "Man trifft sich im Weltcup. Aber ausführlich getratscht haben wir noch nicht."

Tipps bräuchte sie, wenn überhaupt, auch nur beim Laufen. Denn das Schießen ist ihre Paradedisziplin. Mit einer Trefferquote von 90 Prozent gehört sie dort bereits zur Weltspitze.

Ihr Erfolgsrezept am Schießstand, an dem sie so gut wie nie Nerven zeigt? "Man muss alles ausblenden können, auf sich selbst konzentrieren und fokussieren. Dann klappt es", erklärt Dahlmeier. So simpel also? Grinsend schiebt sie hinterher: "Meistens."

Bis zum Saisonhöhepunkt hat sie zwar noch etwas Zeit: Vom 4. bis 15. März findet im finnischen Kontiolahti die WM statt.

Doch die Erwartungen an das deutsche Biathlon sind traditionell groß. Die Fußstapfen nach dem personellen Aderlass allerdings auch.

Junge Wilde müssen es richten

Magdalena Neuner, Martina Beck, Simone Hauswald, Kati Wilhelm - sie alle sind nicht mehr da. Evi Sachenbacher-Stehle trat nach dem Doping-Skandal von Sotschi zurück, in Andrea Henkel hörte im vergangenen Winter auch die letzte Grande Dame des deutschen Biathlons auf.

Ausgerechnet in der größten Krise. Denn bei den Olympischen Spielen hatte es zuvor keine einzige Medaille gegeben, zum ersten Mal überhaupt. Vom Doping-Fall ganz zu schweigen.

Nun müssen es die jungen Wilden richten. Sie sollen das erfolgsverwöhnte deutsche Biathlon zurück in die Erfolgsspur führen. Also auch Dahlmeier.

Auch wenn der Welpenschutz bei dem im Schnitt gerade einmal 22 Jahre jungen Team noch vorhanden ist, von den Verantwortlichen Geduld gefordert und Fehlschüsse einkalkuliert werden:

Die Mannschaft lässt mit guten Ergebnissen bereits aufhorchen, der Staffel-Sieg in Hochfilzen machte Lust auf mehr. Schürte aber umgekehrt auch den Druck, dass möglicherweise bereits in diesem Winter die Erfolge zurückkommen.

Kein Problem mit Druck

Spürt Dahlmeier diesen Druck? "Nein, den empfinde ich nicht. Wir sind eine junge Truppe und alle sehr motiviert und man hat gesehen, dass wir ganz vorne mitmischen können. Wir kommen alle mit der jetzigen Situation klar."

Die 21-Jährige hat aber sowieso erst einmal ganz andere Ziele. "Gesund zu werden und schmerzfrei zu laufen." Da macht sie sich selbst den größten Druck.

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