vergrößernverkleinern
Die Biathleten gewannen sowohl bei den Männer als auch bei den Frauen Staffel-Gold
Die Biathleten gewannen sowohl bei den Männer als auch bei den Frauen Staffel-Gold © SPORT1

Helmut Kohl war Bundeskanzler, Steffi Graf Weltranglistenerste und Magdalena Neuner absolvierte gerade die allerersten Biathlon-Trainingseinheiten ihres Lebens.

Im Februar 1997 liefen Petra Behle und Frank Luck mit der schwarz-rot-goldenen Fahne in der Hand als Schlussläufer der deutschen Staffeln bei der Biathlon-WM in Osrblie als Erste über die Ziellinie.

Im März 2015 taten es ihnen Laura Dahlmeier und Simon Schempp gleich. Erstmals seit 18 Jahren gingen beide Goldmedaillen in den Staffelbewerben der WM nach Deutschland. 

Es war ein Bild wie aus längst vergangen scheinenden deutschen Biathlon-Glanzzeiten.

Und doch sind die beiden Staffel-Triumphe, der WM-Titel durch Erik Lesser und die Silbermedaillen für Laura Dahlmeier und Franziska Preuß alles andere als ein Wunder.

Sie sind zunächst einmal ein Zeichen konsequenter Trainerarbeit.

Im September 2014 mussten die Coaches noch harsche Kritik von Rekordweltmeisterin Neuner über sich ergehen lassen. Dabei hatten sie zu diesem Zeitpunkt längst die Weichen für die sportliche Wende eingeleitet.

Zuvor hatten sie selbst lange die Realität nicht wahrhaben wollen, hatten gehofft, dass Superstar Neuner eins zu eins durch Miriam Gössner ersetzt werden könne.

Mannschaftliche Geschlossenheit statt Bevorzugung einzelner lautete aber nun die Erfolgsformel.

Und deshalb sind die deutschen Goldmedaillen von Kontiolahti auch ein Zeichen starken Teamgeists.

Bei den Tschechinnen überstrahlt Gabriela Soukalova nicht nur mit ihrem Make-Up und ihrem Lächeln den Rest des Teams, das deutsche Damen-Quartett dagegen trat als geschlossene Einheit auf.

Bei den Norwegern nennt sich Emil Hegle Svendsen in den sozialen Medien Super Svendsen, den Namen des deutschen Verfolgungs-Weltmeister Erik Lesser konnte nicht einmal der finnische Veranstalter in einer offiziellen Pressemitteilung richtig schreiben.

Einen Superstar, um den sich ein Hype aufbauen lässt wie einst bei Magdalena Neuner, gibt es im deutschen Team nicht.

Und doch kann der Deutsche Skiverband mit der aktuellen Lage im Biathlon mehr als zufrieden sein.

Denn Gold in beiden Staffelbewerben ist von der Außenwirkung her gar nicht hoch genug einzuschätzen. Es zeigt, welches Team am mannschaftlich geschlossensten ist und wo den Winter über am stärksten gearbeitet wurde.

Eine größere sportliche Auszeichnung kann es gar nicht geben.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel