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IBU Biathlon World Championships - Men's and Women's Pursuit
Erik Lesser feierte seinen ersten Sieg überhaupt © Getty Images

Kontiolahti - Bei der WM tritt Erik Lesser mit dem Titel in der Verfolgung in die Fußstapfen von Ricco Groß und will sich fett belohnen. Sein Trainer jodelt, Simon Schempp gratuliert aus dem Hotel.

Nach dem ersten WM-Gold für die deutschen Biathleten seit drei Jahren wusste Erik Lesser gar nicht wohin mit seiner Freude.

Erst brüllte der Überraschungs-Champion seine ganze Erleichterung heraus, danach fiel er Bundestrainer Mark Kirchner in die Arme und konnte sein Glück kaum fassen. Durch den ersten großen Triumph seiner Karriere sicherte sich der 26-jährige Thüringer den Titel in der Verfolgung und bescherte dem Deutschen Skiverband (DSV) in Kontiolahti die ersehnte erste Medaille.

"Das war ein perfekter Tag. Mann kann das nicht planen, deswegen war es einfach nur phönomenal und einzigartig", sagte Lesser.

Von Rang fünf zum Sieg

Nach einer wahrlich weltmeisterlichen Vorstellung mit einem Sturmlauf von Rang fünf zum Sieg ohne einen einzigen Fehlschuss setzte sich der Frankenhainer deutlich vor dem Russen Anton Schipulin und Tarjei Bö aus Norwegen durch. "Die Latten waren einfach supergut, und diesmal hatte ich auch das Glück. Es gehört viel dazu, aber ich habe von Beginn an gemerkt, dass es etwas werden kann", sagte er.

Lesser, 2014 in Sotschi Olympia-Zweiter im Einzel und mit der Staffel, trat durch seinen Erfolg in die Fußstapfen von Ricco Groß: der Ruhpoldinger hatte 2004 bei der Heim-WM in Oberhof zuletzt Verfolgungs-Gold für Deutschland gewonnen.

"Das Gold ist auf einem Level mit Silber in Sotschi. Das holt man nicht mal eben so", sagte Lesser. Den zuvor letzten WM-Titel für deutsche Biathleten hatte die Frauen-Staffel 2012 in Ruhpolding gewonnen.

Lesser grüßt den Lieblingsklub

Lesser ging im eisigen Finnland nach einer Galavorstellung bereits mit 30 Sekunden Vorsprung auf die Schlussrunde, das gesamte Team eilte dann an die Strecke, um ihm zuzujubeln. Trainer Andreas Stitzl führte regelrechte Veitstänze auf und jodelte gar ("Ein einmaliges Gefühl"), ehe Lesser mit gekreuzten Armen über dem Kopf über die Ziellinie lief.

Der Gruß galt wie immer seinem Lieblings-Fußballklub Erzgebirge Aue aus der 2. Bundesliga.

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Mit dem "gekreuzten Hammer" grüßt Erik Lesser seinen Lieblingsverein Erzgebirge Aue © Getty Images

Besuch im Burger-Restaurant

Als Belohnung für sein Meisterstück plante Lesser für den Abend einen Besuch in einem Burger-Restaurant mit der gesamten Mannschaft.

"Da werden wir mal so einen richtigen Fett-Load machen", sagte der neue Champion. Denn mit Alkohol sei das so eine Sache, bei einer WM, die noch eine Woche dauert: "So viel mit feiern ist leider nicht drin, weil das ja alles so professionell ist, dass man sich nicht einfach wegschädeln kann."

Trotz dreier wettkampffreier Tage dürfte sich Kirchner über die profesionelle Einstellung seines Schützlings freuen. "Das ist  einfach Freude pur und eine große Genugtuung. Erik hat das sensationell gemacht", sagte der Coach.

Glückwunsch von Schempp

Während Simon Schempp (77. im Sprint) und Arnd Peiffer (14. in der Verfolgung) die Medaillenhoffnungen nicht erfüllen konnten, sprang Lesser in die Bresche. "Das so etwas möglich ist, zeichnet unsere starke Mannschaft aus", sagte Kirchner. Schempp gratulierte per Twitter aus dem Hotel: "Geniales Rennen von Erik Lesser! Respekt und Glückwunsch."

Peiffer war 2011 im Sprint in Russland der bislang letzte deutsche Weltmeister in einem Einzelrennen der Herren, am Sonntag gratulierte er seinem Nachfolger artig. "Erik hat das sensationell gemacht", sagte der 27-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld. Benedikt Doll (Breitnau) erreichte als 28. das Ziel.

Am Montag will Lesser "ein bisschen klassisch laufen" gehen und die freie Zeit zur Regeneration nutzen. Erst am Donnerstag geht es für die Männer mit dem schweren Einzel über 20 km weiter. Als Zweiter des Olympia-Rennens und frischgekürter Weltmeister gehört Lesser dabei zu den Favoriten. "Ein Ziel nehme ich mir jetzt noch nicht vor", sagte er - und genoss lieber den größten Moment seiner Laufbahn.

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