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Michael Rösch
Michael Rösch gewann mit der deutschen Biathlon-Staffel 2006 Gold bei den Olympischen Winterspielen © Imago

Michael Rösch qualifziert sich bei der Biathlon-WM für den Massenstart und straft seine Kritiker Lügen. Das Team Fischabfall unterstützt den Wahl-Belgier auf seinem steinigen Weg.

Nachdem Michael Rösch seine starke WM mit der Qualifikation für den Massenstart (So., ab 16.15 Uhr im LIVETICKER) gekrönt hatte, verspürte der Olympiasieger Genugtuung.

"Das haben mir nicht viele zugetraut, aber es ist ein schöner Lohn für die gute WM und für mich eine riesige Leistung", sagte der gebürtige Sachse. Bei seiner ersten Biathlon-WM als Wahl-Belgier weiß der Altenberger auf ganzer Linie zu überzeugen (SERVICE: Zeitplan der Biathlon-WM).

Gold mit der deutschen Staffel

Seit dieser Saison darf Rösch, der 2006 mit der deutschen Staffel in Turin Gold holte, im Weltcup für Belgien antreten. Durch seinen 13. Platz im Einzel und den Rängen 21 und 23 in Sprint und Verfolgung löste der 31-Jährige das Ticket für das letzte WM-Rennen.

Dort dürfen nur die 15 Besten des Weltcups und die 15 Besten der Weltmeisterschaft teilnehmen. "Mein Ziel war die Qualifikation, das habe ich jetzt erreicht. Ich habe mich wieder teuer verkauft", sagte Rösch.

Rösch kämpft mit Motivationsproblemen

Für den einzigen noch aktiven deutschen Biathlon-Olympiasieger kommt das durchaus überraschend.

"Ich war zu Hause zuletzt nicht so motiviert, aber dann habe ich von meinem alten Heimtrainer ein paar schöne verbale Arschtritte gekriegt", erzählte Rösch. Der frühere DDR-Cheftrainer Wilfried Bock habe ihn aufgerichtet. Klaus Siebert, langjähriger Coach von Dreifach-Olympiasiegerin Darja Domratschewa, hat zudem bei den Trainingsplänen geholfen.

Rückkehr schien unerreichbar

Nachdem Rösch 2012 vom Deutschen Skiverband (DSV) ausgebotet wurde, ist er erstmals wieder auf der großen Bühne dabei. Das schien lange unerreichbar, denn bis zu seinem Comeback im Dezember musste er 990 Tage lang eine Weltcup-Zwangspause einlegen.

"Ich war mehr als zwei Jahre weg, das war richtig hart", sagt Rösch. Der Wechsel der Staatsbürgerschaft zog sich bei den Behörden ewig hin, erst im Januar 2014 bekam er seinen Pass.

Verbandswechsel war Kulturschock

Rösch ist nun längst nicht mehr nur Biathlet, sondern auch Organisator. "Es war für mich zunächst ein Kulturschock. Vom riesigen Deutschen Skiverband, wo du als Athlet alles in den Arsch geblasen kriegst und nichts machen musst, zur aktuellen Situation, in der ich mich um vieles selber kümmern muss", sagte Rösch im Interview mit laola1.tv.

Von der Physiotherapeutin über den Wachser bis zum Transport des Gepäcks - Rösch muss das alles organisieren.

Dabei hilft ihm auch Vater Eberhard, einst dreimal Staffelweltmeister mit der DDR. "Es ist ein kleines Familienunternehmen. Viele haben uns nicht zugetraut, dass wir das so hinkriegen", sagt Rösch, der lange Zeit als schwieriger Charakter galt.

Team Fischabfall gibt Kraft

E.ON IBU Worldcup Biathlon Hochfilzen - Day 3
Der Norweger Lars Berger wurde vom norwegischen Skiverband aussortiert © Getty Images

Kraft gibt dem viermaligen Junioren-Weltmeister unter anderem das Team Fischabfall, zu dem auch die Norweger Lars Berger und Alexander Os gehören. Sie sind ebenfalls Aussätzige in ihrem Verband und haben einen schweren Stand. Gemeinsam trainieren sie und geben sich nicht zuletzt viel Kraft in schweren Zeiten.

Erste Siege konnte Rösch bereits feiern. Bei der Sommerbiathlon-WM im August 2014 holte er Gold in der Verfolgung und Silber im Sprint. Das Preisgeld legte er direkt wieder an.

Die Kosten für die aktuelle Saison sind zwar gedeckt, doch es soll nicht die letzte bleiben. "Ich möchte den Sport zumindest noch vier Jahre durchziehen, wenn mein Körper es hergibt, auch gerne länger", sagte Rösch.

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