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Erik Lesser zeigte beim Überqueren der Ziellinie das Wismut-Zeichen
Erik Lesser zeigte beim Überqueren der Ziellinie das Wismut-Zeichen © Getty Images

Ruhpolding - Das Markenzeichen von Erik Lesser erlebt beim Massenstart in Ruhpolding sein Comeback. Zuvor zieht sich Lesser mit harter Arbeit aus der Krise. Vom Bundestrainer gibt es Lob.

Da war es wieder, das Markenzeichen des Erik Lesser.

Als er die Ziellinie überquerte, überkreuzte er die Arme und grüßte als glühender Fan von Fußball-Drittligist Erzgebirge Aue den Klub mit dem Wismut-Zeichen.

Mit dieser Geste hatte es Lesser im März auf die Titelseiten der deutschen Zeitungen geschafft, als er sich in Finnland den WM-Titel in der Verfolgung sicherte.

Doch in diesem Winter schien es zwischenzeitlich so, als würden die Fans vergeblich auf das Wismut-Zeichen warten.

Nervthema WM-Norm

Der Druck von außen stieg, weil es Lesser nicht gelang, die WM-Norm mit zwei Platzierung unter den ersten 15 zu erfüllen.

Die Weltmeisterschaften in Oslo ohne den Titelverteidiger in der Verfolgung?

Dieses Szenario wurde heraufbeschworen. Lesser wollte von diesem Thema irgendwann nichts mehr hören.

Doch wie es sich für einen Fan des Bergarbeiter-Klubs Aue gehört, hat sich Lesser selbst aus der Krise gearbeitet. Mit dem Sieg im Massenstart von Ruhpolding qualifizierte er sich nicht nur für die WM, sondern meldete sich auch in der Biathlon-Weltspitze zurück.

Sein größter Kritiker

Lessers professionelle Einstellung war letztlich für die Wende verantwortlich: "Erik ist jemand, der seine eigene Leistung sehr objektiv beurteilen kann. Er weiß genau, woran er arbeiten muss", lobte der sichtlich erleichterte Bundestrainer Mark Kirchner seinen Schützling.

Wer weiß, wie Lesser tickt, bekommt eine Ahnung, welch mental anstrengende Zeit er hinter sich hat.

"Ich bin selbstkritischer als jeder Zuschauer", beschreibt sich der 27-Jährige selbst.

Rat vom Teampsychologen

Von Beginn an war der Thüringer in diesem Winter auf der Suche nach seiner Form. Mal ging läuferisch nichts zusammen, dann zeigte er Nerven am Schießstand, ein anderes Mal vergriff er sich beim Ski.

Zuletzt holte sich Lesser Tipps vom Teampsychologen: "Er hat mir dazu geraten, Automatismen abzurufen, nicht so viel nachzudenken."

Vor allem aber arbeitete er im Training sehr akribisch weiter.

Laufform kehrt zurück

Und so kehrte anfangs der Woche Lessers Selbstvertrauen zurück. Im Einzel wurde er trotz vier Schießfehlern 17., was auf eine starke Laufform hindeutet.

"Er hat in dieser Woche gespürt, dass er läuferisch den Punch bekommt", gab Kirchner Einblick ins Innenleben seines Schützlings.

Mit einer tadellosen Vorstellung als Startläufer in der Staffel arbeitete sich Lesser ein weiteres Stück Selbstsicherheit zurück, so dass er zumindest mit dem Ziel Top 10 ins Rennen gehen konnte.

Fourcade scheut letztes Risiko

An den Sieg wagte er nicht zu denken.

Selbst als Lesser nach vier fehlerfreien Schießen als Führender auf die Schlussrunde ging, glaubte er noch nicht an den Heimerfolg: "Ich dachte mir, dass sie mich nach einem Kilometer schnappen, Martin war sehr stark in den Anstiegen."

Doch nach einem Verhakler am Berg wählte Fourcade im Duell mit Jewgeni Garanitschew die Sicherheitstaktik, der Weg zum Sieg war frei für Lesser.

Das Wismut-Zeichen erlebte ein Comeback.

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