vergrößernverkleinern
IBU Biathlon World Championships - Men's and Women's Pursuit
Laura Dahlmeier holte am Sonntag in Oslo bereits die vierte WM-Medaille ihrer Karriere © Getty Images

Laura Dahlmeier beendet mit ihrer Goldmedaille in der Verfolgung die Wartezeit der deutschen Biathlon-Fans - früher als erwartet. Vor Neuner muss sie sich nicht verstecken.

Im März 2012 trauerte die ganze Biathlon-Nation. Magdalena Neuner hatte in Ruhpolding gerade das letzte WM-Rennen ihrer Karriere bestritten und zuvor im Sprint ihre zwölfte und letzte Goldmedaille geholt.

An Neuners Abschiedstag regnete es passenderweise, dem deutschen Biathlon wurde eine lange Dürrephase vorhergesagt.

Die wenigsten glaubten, dass schon vier Jahre später wieder eine Deutsche ganz oben auf einem WM-Podest stehen würde.

Doch Laura Dahlmeier strafte mit ihrem beeindruckenden Auftritt beim Verfolgungsrennen am Sonntag in Oslo alle Skeptiker Lügen und beendete mit ihrer Goldmedaille das Warten auf eine neue Neuner.

Und wenn man genau hinschaut, war die Skepsis schon im Jahre 2012 ziemlich unbegründet.

Talent früh erkennbar

Retterin Dahlmeier war schon längst in Sicht und trainierte bereits an der Seite von Magdalena Neuner in Garmisch-Partenkirchen.

Zwei Medaillen bei der Junioren-WM 2011, Gesamt-Siegerin im Deutschlandpokal, der dritten Liga des Biathlons, das Talent der 18-Jährigen war deutlich zu erkennen.

Und nach dem historisch schlechten Abschneiden bei der WM 2013 in Nove Mesto reagierten die Trainer des Deutschen Skiverbands und warfen Dahlmeier zusammen mit Franziska Preuß ins kalte Wasser.

Frühstart wie Neuner

Dahlmeier hatte schon im März 2013 in den Weltcup hineingeschnuppert. Die Partenkirchenerin war damals 19 ½ Jahre alt, ein relativ junges Alter für den Weltcup-Einstieg.

Normalerweise arbeiten sich die Biathletinnen erst über den IBU-Cup, die inoffizielle Zweite Liga, an den Weltcup heran.

Als Vorbild für den Frühstart galt – na wer wohl? – Rekordweltmeisterin Neuner, die kurz vor ihrem 19. Geburtstag in Ruhpolding ihr erstes Weltcup-Rennen bestritten hatte.

"Sie sollen Erfahrung sammeln, das haben wir damals auch bei der Magdalena Neuner so gemacht. Da hat das gut funktioniert, auch wenn es bei den beiden vielleicht nicht ganz so schnell gehen wird, sagte der damalige Bundestrainer Uwe Müssiggang.

Durchs Stahlbad gereift

Zu jener Zeit erntete der Coach Kritik. Man warf ihm vor, er würde die Talente verheizen. Im Nachhinein darf er sich bestätigt fühlen.

Durch das Stahlbad der ersten großen Rennen, des ersten großen Rummels abgehärtet ist die 22-Jährige Dahlmeier schon unheimlich reif für ihr Alter.

Souverän gegenüber den Medien, ein sicheres Gespür für die eigene körperliche Verfassung, mental stabil. Und viel länger als Neuner brauchte sie nun doch nicht für ihren Weg vom ersten Weltcup-Rennen bis auf den Weltmeister-Thron.

Neuner holte 13 Monate nach ihrem Debüt im großen Biathlon-Zirkus in Antholz zwei WM-Goldmedaillen. (SERVICE: Ergebnisse der WM)

Dahlmeier benötigte auch nur drei Jahre Anlaufzeit.

Zum Vergleich: Uschi Disl musste über 14 Jahre auf ihre ersten WM-Titel warten.

Bessere Schützin als Neuner

Zudem ist Dahlmeier schon längst im Weltcup als absolute Spitzenbiathletin etabliert, sechs Siege in Einzelrennen hat sie bereits auf ihrem Konto. Vor der WM in Oslo zählte sie zum Favoritenkreis. Bronze im Sprint am Samstag und Gold in der Verfolgung am Sonntag waren alles andere als eine unerwartete Sensation.

Neuners Doppel-Gold 2007 dagegen kam für die breite Öffentlichkeit überraschend. Ein einziges Mal war sie bis dahin auf einem Weltcup-Podest ganz oben gestanden.

In der Teildisziplin Schießen ist Dahlmeier Neuner längst enteilt. Mit einer Trefferquote von 92 Prozent war die 22-Jährige im Vorjahr die weltbeste Schützin unter den Biathletinnen. In diesem Winter liegt sie mit 91 Prozent nur knapp darunter.

Eindrucksvoll stellte sie diese Stärke am Sonntag mit ihren vier fehlerfrei gemeisterten Schießeinlagen unter Beweis. (SERVICE: Der WM-Zeitplan)

Zum Vergleich: Neuner gelangen in ihrer gesamten Weltcup-Karriere nur neun fehlerfreie Schießen.

Dahlmeier auch schnell in der Loipe

In der Loipe war die Wallgauerin immer eine Klasse für sich, in 44 Prozent aller Rennen stellte sie die beste Laufzeit.

Doch auch Dahlmeier ist auf den Skiern alles andere als langsam. Bei ihrer furiosen Schlussrunde am Samstag im Sprint machte sie rund 20 Sekunden wett und sicherte sich ebenfalls die schnellste Laufzeit.

Die Chancen stehen also gut, dass zu Dahlmeiers zwei Goldmedaillen nach Staffel-Edelmetall 2015 und Verfolgungs-Gold in Oslo weitere WM-Titel hinzukommen.

Schon am Mittwoch setzt die Partenkirchenerin ihre Jagd auf Neuners goldenes Dutzend im Einzelrennen (15.30 Uhr im LIVETICKER) fort.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel