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Laura Dahlmeier (l.) ist auf dem besten Weg, Magdalena Neuners WM-Erfolge zu toppen © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images

Hochfilzen - Laura Dahlmeier glänzt bei der Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen. Nach bereits zweimal Gold bewegt sie sich schon auf Magdalena Neuners Level und kann noch nachlegen.

Eigentlich hat Laura Dahlmeier Magdalena Neuner bereits übertrumpft - zumindest, was eine Bestmarke angeht. In acht WM-Rennen in Folge hat die 23-Jährige nun eine Medaille geholt. Neuner schaffte Ähnliches nie, da sie aufgrund ihrer relativen Schießschwäche im Einzel über 15 Kilometer nie Edelmetall gewonnen hat.

Bei Dahlmeier ist das anders. Am Sonntag ballerte sie nur einmal daneben und holte sich am Ende die vierte WM-Goldmedaille ihrer Karriere. Und es sieht nicht so aus, als würde Dahlmeiers Erfolgsserie reißen - nicht im Laufe der WM und auch nicht in den nächsten Jahren.

Die Partenkirchenerin hat eine unfassbare Konstanz aufzuweisen. In die Top 5 schafft sie es immer. Das gelingt ihr durch die richtige Mischung aus Fitness, mentaler Stärke und taktischer Flexibilität.

Wenn sie sich mal läuferisch nicht so gut fühlt, konzentriert sie sich eben mehr aufs Schießen - so wie in der Verfolgung. "Ich habe gemerkt, dass es läuferisch zäh geht. Also habe ich den Schalter umgelegt, und versucht, fehlerfrei zu schießen", erklärte sie hinterher ihre spontane taktische Entscheidung. Und so sind ihr noch viele Erfolge und Rekorde zuzutrauen.

Sie sagt zwar selbst: "Rekorde sind nicht meine Motivation." Stolz ist sie aber dennoch: "Es ist schön, wenn man sich in ruhigen Momenten hinsetzt und überlegt, was man schon alles erreicht hat. Ich habe schon sehr viel geschafft."

SPORT1 erklärt, was Dahlmeier noch für Bestmarken schaffen kann.

- Serie an WM-Medaillen:

Neun Medaillen in Folge holte die Norwegerin Tora Berger bei den Weltmeisterschaften 2012 und 2013.

Das kann Dahlmeier schon bei dieser WM übertrumpfen.

Vor allem in der Staffel am Freitag rechnet sie selbst fest mit einer Medaille. "Wir sind sehr stark und können Gold holen. Ich freue mich darauf, mit dem Team zu laufen."

Aber auch schon im Einzel am Mittwoch ist sie Topfavoritin, beide Einzelbewerbe in dieser Saison hat sie gewonnen.

- Erfolgreichste Deutsche bei einer WM:

Mit Uschi Disl hat Dahlmeier bereits gleichgezogen. Die gewann 2005 - ebenfalls in Hochfilzen - zwei Mal Gold und einmal Silber.

Neuner steht in diesem Ranking noch über ihr. Drei Mal Gold und zwei Mal Silber fuhr die Wallgauerin in Khanty-Mansiysk 2011 ein.

Aber auch das ist für Dahlmeier bei diesen Titelkämpfen noch machbar.

- Rekordweltmeisterin:

Vier Goldmedaillen hat Dahlmeier bereits auf ihrer Liste stehen. Acht fehlen ihr noch bis zu Neuner, die sagenhafte zwölf Goldmedaillen in ihrer Karriere gewann. Doch das erscheint nur auf den ersten Blick viel.

Mit Einzel und Staffel in Hochfilzen, in der Dahlmeier-Gold wahrscheinlich erscheint, wären es schon sechs.

Dazu kommt: Biathlon-Weltmeisterschaften finden jährlich statt, nur in einem Olympia-Jahr ist Pause.

Und Dahlmeier ist erst 23 Jahre alt. So lange wie Ole Einar Björndalen möchte sie zwar nicht aktiv sein. "Wenn ich aufhöre, bin ich vielleicht 30", sagte sie zuletzt.

Aber das heißt, dass sie noch sieben Jahre Zeit hat für WM-Goldmedaillen.

- Rekordsiegerin im Gesamt-Weltcup:

Momentan trägt Dahlmeier auch das Gelbe Trikot der Weltcup-Gesamtführenden. Wenn sie weiter solch konstante Leistungen vollbringt, ist ihr die Große Kristallkugel nicht zu nehmen.

Es wäre Dahlmeiers erster Sieg im Gesamt-Weltcup - und muss nicht der letzte sein.

Sechs Mal in Folge ganz oben zu stehen wie Rekrodhalterin Magdalena Forsberg zwischen 1997 und 2002 – das erscheint aber dann doch unrealistisch.

Dafür ist die Konkurrenz bei den Frauen mittlerweile viel stärker als zu Forsbergs Zeiten. Gabriela Koukalova, Kaisa Mäkäräinen, Darja Domratschewa - das sind Weltklasse-Biathletinnen, die Dahlmeier das Leben weiter schwer machen werden.

Deutsche Rekordhalterin könnte Dahlmeier aber werden. Auch hier führt Neuner die Liste mit drei Gesamtweltcup-Triumphen an. Das ist für Dahlmeier machbar, wenn sie nicht Verletzungen oder längere Krankheiten aufhalten.

- Größtes sportliches Ziel:

Eines hat Neuner Dahlmeier aber auch noch voraus, sie ist Olympiasiegerin.

Doch auch dieses Ziel hat die Oberbayerin bereits anvisiert.

Schon als Sechsjährige schrieb sie in ein Poesiealbum als Traumberuf: "Olympiasiegerin oder Hüttenwirtin."

Und wie sie kürzlich SPORT1 erzählte, denkt sie bei einem Mental-Trick im Training jedes Mal an Olympia. Zur Förderung der Nervenstärke stellt sie sich vor, sie befinde sich bei den Olympischen Spielen und kämpfe um Gold.

2018 in Pyeongchang wird diese Vorstellung wohl real werden und Dahlmeier kann sich ihren großen sportlichen Traum erfüllen.

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