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Olympiasieger Bart Veltkamp sieht auch Lettland gefährdet durch Russland
Olympiasieger Bart Veltkamp sieht auch Lettland gefährdet durch Russland © getty

Der russische Eisschnelllaufverband RSU ist über die Diskussion um den EM-Boykott in den Niederlanden verärgert und hat den Weltverband ISU zu einem Ausschluss der niederländischen Mannschaft aufgefordert.

"Ich weiß nicht, wie die Entscheidung der ISU nach der Meldung der Athleten sein wird. Aber nach diesen Worten denke ich, muss über einen Ausschluss gesprochen werden", sagte RSU-Vizepräsident Andrej Vahutin nach einem Bericht der niederländischen Website "Schaatsen. nl" dem russischen Internetdienst "Lenta.ru".

In den Niederlanden, der mit Abstand größten und wichtigsten Nation im Eisschnelllauf, ziehen immer mehr Sportler und Trainer einen Boykott der EM in Tscheljabinsk (10. und 11. Januar) in Erwägung. "Vom Gefühl her ist es nicht richtig, meinen EM-Titel in Russland zu verteidigen", sagte beispielsweise Ireen Wüst, die erfolgreichste Eisschnellläuferin der vergangenen Jahre: "Darum schließe ich auch nichts aus."

ISU-Vizepräsident Jan Dijkema teilte "Schaatsen.nl" mit, dass ein drohender oder tatsächlicher Boykott einzelner Athleten oder Trainer kein Grund für einen generellen Ausschluss einer ganzen Mannschaft sei. Politische Diskussionen könnten nie zu sportlichen Maßnahmen führen, so der Niederländer Dijkema.

Unterdessen hat sich auch Olympiasieger Bart Veldkamp in die Diskussion eingeschaltet. "Lettland fürchtet, in die gleiche Situation kommen zu können wie die Ukraine. Es ist ein Land, in dem Russland viele Interessen hat", sagte Veldkamp in "De Telegraaf". Zu seinem Privatteam Stressless gehört unter anderem der ehemalige lettische Shorttrack-Europameister Haralds Silovs.

Deshalb hatte Veldkamp bereits im September die ISU nach ihrem Standpunkt zur Europameisterschaft gefragt. Er erhielt eine undeutliche Antwort. Der naturalisierte Belgier, der 1992 für die Niederlande in Albertville 10.000-m-Gold gewann, glaubt nicht an den Sinn eines Boykotts einzelner Sportler.

"Ich denke, dass damit wenig erreicht wird. Ich persönlich hätte es lieber gesehen, wenn Europa als Ganzes eine Faust macht und sagt: Da gehen wir nicht hin. Alleine dann hätte es vermutlich eine Wirkung", meinte der heutige Stressless-Teammanager.

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