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Meldonium war offenbar auch im Eisschnelllauf weit verbreitet © Getty Images

Der russische Eisschnelllaufverband TFR hat das mittlerweile verbotene Mittel Meldonium jahrelang massenweise eingekauft. 

Verbandspräsident Aleksej Krawtsow vermutet hinter den jüngsten Dopingfällen eine Verschwörung. Der überführte Weltmeister Pawel Kulischnikow und andere Athleten seien bereits durch Lügendetektortests entlastet.

"Im Oktober sind alle Sportler, Ärzte und Teambetreuer informiert worden, dass dieses Präparat ab Januar auf der Liste der verbotenen Mittel steht und nicht länger benutzt werden kann. Von diesem Augenblick an haben wir es nicht mehr bestellt. Alle Vorräte, die noch vorhanden waren, wurden eingesammelt und vernichtet", sagte Krawtsow in einem Interview mit dem niederländischen TV-Sender NOS.

"Wir untersuchen zwei Möglichkeiten. Die erste ist sehr unwahrscheinlich: ein Laborfehler. Die zweite ist, dass ihnen das Präparat mit Absicht  von jemandem aus ihrer direkten Umgebung gegeben wurde, um sie in Misskredit zu bringen. Dafür haben wir Hinweise, mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen", meinte Krawtsow.

500-m-Weltrekordler Kulischnikow und Elistratow hätten sich bereits einem Test am Lügendetektor gestellt. Das Ergebnis habe bestätigte, dass sie das verbotene Mittel nicht bewusst eingenommen hätten. 

"Wir haben mit dem Lügendetektor auch den Arzt des Shorttrackteams und einige Shorttracker kontrolliert. Da wir erst am 4. März über den Fall  im Eisschnelllauf informiert worden sind, haben wir bisher nur Pawel kontrollieren können", sagte Krawtsow. Die anderen Eisschnellläufer sollen nach ihrer Rückkehr vom Weltcupfinale, das am Wochenende in Heerenveen stattfindet, ebenfalls getestet werden.

Krawtsow schloss aus, dass seine Sportler das Meldonium versehentlich eingenommen hätten.  "Nein, auf keinen Fall. Alle waren informiert und wussten, dass das Mittel verboten war", sagte er und ging auf Kulischnikows Dopingkontrollen während der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in dessen Wohnort Kolomna ein. 

"Als Kulischnikow am 13. Februar die 1000 m gewonnen hatte, eine Strecke, die nicht seine beste ist, hatte er auf Meldonium einen negativen Test. Am 14. Februar, als er die 500 m lief und als erklärter Favorit mit einem obligatorischen Dopingtest rechnen musste, an diesem Tag soll er ein Mittel einnehmen, das keinen direkten Einfluss auf das sportliche Ergebnis hat und ihm nichts bringt? Der Dopingtest am 13. Februar war übrigens negativ."

Warum der Verband das vorgeblich wirkungslose Mittel zuvor dennoch massenhaft bestellt hatte, ließ er offen.

Unterdessen erklärte das russische ISU-Vorstandsmitglied German Panow in der niederländischen Zetung De Telegraaf, dass bei einem positiven Test der B-Proben Kulischnikow seine drei neuen WM-Titel und Elistratow seinen in Sotschi eroberten EM-Titel verlieren würden. Der Chemnitz Nico Ihle, der bei Kulischnikows Sprint-WM-Triumph in Seoul Rang vier belegt hatte, würde damit auf den Bronzerang vorrücken.

Krawtsow fürchtet für Wiederholungstäter Kulischnikow eine lebenslange Sperre, da der beste Sprinter der Welt als Junior bereits eine zweijährige Dopingsperre abgesessen hatte.

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