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Thomas de Maiziere
Auch Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere äußerte sich zum Urteil im Fall Claudia Pechstein © Getty Images

Claudia Pechstein zieht nach der Niederlage vor dem Bundesgerichtshof einen bizarren Flüchtlingsvergleich. Die Reaktionen aus dem Sport und der Politik folgen prompt.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein sorgte nach der Niederlage vor dem Bundesgerichtshof mit folgender Aussage für Aufsehen:

"Jeder Flüchtling, der nach Deutschland kommt und sich registriert, genießt Rechtsschutz. Wir Sportler nicht. Das zeigt, dass wir vor Gericht Menschen zweiter Klasse sind. Was ich da heute gehört habe, ist definitiv nicht akzeptabel für mich. Fest steht: Es ist noch nicht zu Ende. Ich denke, es dauert noch ein paar Jahre. Aber ich habe Ausdauer und kämpfe bis zum Schluss", so Pechstein nach dem Urteil.

SPORT1 fasst die Reaktionen auf den bizarren Flüchtlingsvergleich zusammen:

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU): "Der Bundesgerichtshof hat mit seinem Urteil für Klarheit und Rechtssicherheit bei Schiedsvereinbarungen im Sport gesorgt. Das ist erfreulich. Zu Recht hebt der Bundesgerichtshof hervor, dass die mit der Sportschiedsgerichtsbarkeit verbundenen Vorteile gleichermaßen dem Verband wie auch dem Athleten zugutekommen. Aus diesem Grund haben wir auch mit unserem Antidopinggesetz die Sportgerichtsbarkeit gestärkt. Die Reformbemühung der CAS sollten allerdings wegen des Urteils nicht nachlassen."

Michael Vesper,Vorstandsvorsitzender des DOSB: "Aus sportrechtlicher Sicht begrüßt der DOSB das Urteil, da der Kartellsenat des Bundesgerichtshofes den Rechtsweg über echte Schiedsgerichte in vollem Umfang bestätigt hat.... Unabhängig von der Entscheidung des BGH tut es uns für Claudia Pechstein persönlich leid, dass ihr langer Kampf um Schadensersatz vor deutschen Zivilgerichten nicht erfolgreich war."

Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschuss im Deutschen Bundestag: "Generell begrüße ich das Urteil, weil die Gefahr, dass der Sport in Deutschland ansonsten international isoliert sein könnte, nun gebannt ist. Es ist wichtig, dass es für alle Athleten weltweit eine gewisse Vergleichbarkeit bei der Rechtsprechung gibt."

Das Internationale Olympische Komitee (IOC): "Das IOC begrüßt die Entscheidung des Bundesgerichtshofes. Er liegt mit seiner Bestätigung der internationalen Sportschiedsgerichtsbarkeit auf einer Linie mit anderen hochrangigen Gerichten, insbesondere dem zuvorderst zuständigen Schweizer Bundesgericht. Das Urteil trägt damit zur Rechtssicherheit im Kampf gegen Doping bei."

Der Internationale Sportgerichtshof CAS: "Dies ist die Bestätigung, dass Claudia Pechstein einen fairen Prozess hatte, nicht nur vor dem CAS, sondern auch vor dem Schweizer Bundesgericht (...). In einer Zeit, in der der internationale Sport vor ernsten Herausforderungen steht, setzt der BGH mit seinem Urteil einen sehr wichtigen Präzedenzfall und betont mehr denn je die Notwendigkeit des CAS als weltweit höchstes Sportgericht; das in der Lage ist, ein effizientes Verfahren und einen fairen Prozess für alle zu bieten, die den CAS anrufen, und das verbindliche Entscheidungen in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen und Vorschriften sicherstellt."

Rainer Koch, Präsident Deutscher Fußball-Bund: "Der DFB begrüßt, losgelöst vom konkreten Fall, die in dem heutigen Urteil des BGH zum Ausdruck kommende Stärkung der Schiedsgerichtsbarkeit im Sport. (...) Der BGH hat zu Recht darauf abgestellt, dass der Sport insgesamt, also die Verbände genauso wie die einzelnen Vereine und Sportler, von den Vorteilen der Schiedsgerichtsbarkeit, wie einheitliche Maßstäbe und die Schnelligkeit der Entscheidung, profitiert. Wir werden jetzt die Urteilsbegründung abwarten und dann im Einzelnen prüfen, welche Leitlinien sich daraus ergeben."

Sylvia Schenk, Expertin im Bereich Sportschiedsgerichtsbarkeit: "Die Anerkennung des CAS als 'echtes' Schiedsgericht durch den BGH stärkt die Einheitlichkeit der Sport-Rechtsprechung und schafft Rechtssicherheit. Dies liegt auch im Interesse der Sportlerinnen und Sportler (...) Allerdings zeigen die aktuellen Doping-Enthüllungen, wie weit der Sport noch von einem ge- (und ent-)schlossenen Vorgehen gegen Doping (...) entfernt ist. Solange es kaum wirksame Prävention gibt und nur oder vor allem die Athleten belangt werden, die Strukturen und die Verantwortlichen in Verbänden und Politik aber meist unbehelligt bleiben, fehlt es an Glaubwürdigkeit im Kampf für die Integrität des Sports."

Christian Schreiber, Vorsitzender DOSB-Athletenkommission: "Die Athleten begrüßen die Klarstellung durch den BGH. Wir brauchen eine Sportgerichtsbarkeit, die unabhängig von nationalen Gerichten und nationalen Interessen urteilen kann. (...) Für Claudia Pechstein ist heute ein extrem bitterer Tag, der die Athleten mitfühlen lässt. Es widerspricht dem Gerechtigkeitsgefühl, aufgrund von medizinisch widerlegten Indizien verurteilt worden zu sein, während in anderen Teilen der Welt positive Tests nicht geahndet oder gegen Bestechung beiseite geschafft werden."

Ottavio Cinquanta, scheidender Präsident der Internationalen Eislauf-Union ISU: "Finito. Wir sind in guter Verfassung, wir sind ehrliche Menschen. Es ist vorbei. Wir haben nichts mehr zu befürchten."

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