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München - Dem DSV drohen nach Maria Höfl-Rieschs Rücktritt harte Zeiten. Die neue Galionsfigur gibt sich bei SPORT1 hochmotiviert.

Am vergangenen Mittwoch keimte für kurze Zeit Hoffnung auf.

Maria Höfl-Riesch präsentierte auf "facebook" ein Bild, dass die Herzen der deutschen Ski-Fans höher schlagen ließ.

In ihrem DSV-Rennanzug und mit ihrem lila Helm stand sie bei bestem Wetter auf Skiern auf dem Hintertuxer Gletscher, bereit für die Abfahrt ins Tal.

Rücktritt ist unumstößlich

Hat sie es sich doch noch mal anders überlegt? Gibt es den Rücktritt vom Rücktritt?

Für die Anhänger, die sich diese Fragen stellten, lieferte Höfl-Riesch am Dienstag die Auflösung. Ihre Rückkehr auf Skier war lediglich einem Werbedreh geschuldet.

Und gleichzeitig machte sie damit wieder einmal klar: Der Rücktritt, den sie am 20. März dieses Jahres erklärt hatte, ist unumstößlich.

Der Weltcup-Auftakt am Samstag in Sölden wird definitiv ohne sie stattfinden.

Lücke nicht zu schließen

Drei olympische Goldmedaillen, zwei WM-Titel, der Gewinn des Gesamt-Weltcups im Jahr 2011 ? die Liste von Höfl-Rieschs Erfolgen ist lang.

Dass diese großen Erfolge in den nächsten Jahren wohl erst einmal ausbleiben werden, darüber ist sich auch der Deutsche Skiverband im Klaren.

"Die Lücken, die diese Ausnahmeathleten in ihren Disziplinen hinterlassen, sind erfahrungsgemäß in den ersten beiden Jahren der neuen olympischen Periode kaum zu schließen", schätzt Präsident Dr. Franz Steinle die Lage ein.

Ähnliche Erfahrungen im Fall Neuner

Erfahrungsgemäß heißt in diesem Fall: der DSV hat die Lehren aus dem Fall Magdalena Neuner gezogen.

Als sich die Ausnahmebiathletin mit erst 25 Jahren vom Spitzensport verabschiedete, war der Verband überhaupt nicht darauf vorbereitet.

Erfolgreicher Nachwuchs war nicht in Sicht, man hatte den Ernst der Lage verkannt und musste sich bald Kritik der Öffentlichkeit anhören, als die gewohnten Erfolge ausblieben.

"Korridor von ein bis zwei Jahren"

Bei den Alpinen Damen baut der DSV diesmal vor und schenkt der Öffentlichkeit gleich reinen Wein an.

Auch Sportdirektor Wolfgang Maier sprach von einem "Korridor von ein bis zwei Jahren", den man durchschreiten müsse, um wieder konkurrenzfähig zu sein.

Auch wenn Maier betonte, "dass wir jetzt nicht in Panik ausbrechen", klingt das eher nach einer realistisch-pessimistischen Stimmung im deutschen Damen-Team.

Veränderungen motivieren Rebensburg

Bei der neuen deutschen Nummer eins im Team ist davon nichts zu spüren.

Viktoria Rebensburg wirkt fit, ausgeglichen - und hochmotiviert: "Wir werden alles daran setzen, dass wir da weitermachen, wo wir die letzten Jahre aufgehört haben", verspricht die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2010 im Gespräch mit SPORT1.

Rebensburg gehört zu denjenigen, die Veränderungen als etwas Positives betrachten. "Ich habe die Skifirma gewechselt und im Team hat sich einiges verändert. Das ist eine neue Motivation, die die Sachen mit sich bringen", erklärt die 24-Jährige.

In der Tat ist das Fehlen von Höfl-Riesch nicht die einzige Neuerung im deutschen Team.

Personalwechsel bei Trainern

Man habe im Trainerteam "nahezu alle Köpfe getauscht", berichtet Maier.

Markus Anwander ersetzte den bisherigen Damen-Bundestrainer Tom Stauffer. Und für Slalom und Riesenslalom ist nun Herbert Renoth zuständig, Christian Schwaiger wechselte dafür als Speedtrainer zu den Herren.

Schwaiger war zwar mitverantwortlich für die großen Erfolge Höfl-Rieschs, aber zugleich machte sich bei den Fahrerinnen aus der zweiten Reihe ein Leistungsstillstand bemerkbar.

Das soll sich nun ändern, die hoffnungsvollen Talente in Slalom und Riesenslalom sollen noch besser gefördert werden.

Rebensburg als Ansprechpartnerin

Rebensburg lässt sich von der Jugendwelle beim DSV richtig anstecken: "Es sind viele neue junge Gesichter dabei, die auch gut Gas geben im Training, deshalb bin ich sehr zuversichtlich", blickt sie optimistisch auf die neue Saison und den Riesenslalom in Sölden.

Der Erfolgsdruck lastet nun auf der Bronzemedaillengewinnerin von Sotschi, die in den vergangenen Jahren im Schatten von Höfl-Riesch stand.

Doch in ihrer neuen Rolle als Anführerin im Team blüht sie sichtlich auf.

Den jungen Talenten wie der 19-jährigen Slalom-Hoffnung Marina Wallner stand sie in der Vorbereitung als Ratgeberin und Ansprechpartnerin zur Seite.

Ziel Riesenslalom-Weltcup

Nachdem sie im vorigen Winter lange wegen einer Lungenentzündung ausfiel, will sie diesmal wieder richtig angreifen.

"Hauptschwerpunkt in der Saisonvorbereitung war der Riesenslalom, das Ziel ist, dort wieder ganz nach vorne zu kommen", gibt sie als Marschroute aus. So wie 2011 und 2012, als sie jeweils die kleine Kristallkugel gewann.

Zumindest in dieser Disziplin ist in diesem Winter dank Rebensburg mit DSV-Siegen zu rechnen.

Wenig Hoffnung in Speed und Slalom

Eine so starke Allrounderin wie Höfl-Riesch, die in den vergangenen sieben Jahren immer unter den besten dreien des Gesamt-Weltcups gelandet war, wird Rebensburg aber auch in dieser Saison nicht sein - auch wenn Höfl-Riesch ihre Nachfolgerin in der "Sport Bild" lobt: "Ich traue ihr die Leader-Rolle auf jeden Fall zu. Wenn bei Großereignissen der Fokus eher auf mir lag, hat sie sich im Schatten sehr gut entwickeln können."

"Der Riesenslalom ist die Basis. Über die versuche ich mir mein Selbstvertrauen zu holen, um auch in den Speed-Disziplinen meine Leistung abrufen zu können", sagt sie vorsichtig zu ihren Ambitionen in Super-G und Abfahrt.

In den Speed-Bewerben sieht es aus deutscher Sicht deshalb ebenso mau aus wie im Slalom, wo Höfl-Riesch in ihrer Karriere neun Mal ganz oben auf dem Podest stand.

Deutsche Siege in diesen Disziplinen wären in diesem Winter schlichtweg eine Sensation.

Bei den deutschen Ski-Fans ist also Geduld gefragt, bis der von Maier genannte Korridor durchschritten ist.

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