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Hans Grugger aus Österreich bei der Abfahrt in Kitzbühel
Hans Grugger verletzte sich auf der Streif 2011 schwer © Getty

München - Der Film "Die Streif - One hell of a ride" huldigt dem Mythos des Hahnenkammrennens. Er bietet beeindruckende Rennszenen, ungekannte Einblicke, überschreitet aber auch moralische Grenzen.

"Die Streif ist das Größte, da wollte ich unbedingt einmal dabei sein."

Mit leuchtenden Augen erzählte mir Ski-Exot Hubertus von Hohenlohe im Deutschen Haus in Sotschi vom Hahnenkammrennen in Kitzbühel (Super-Kombination JETZT im LIVE-TICKER).

Und ich wunderte mich ein wenig. Dieser Mann nahm gerade an Olympischen Spielen teil, und das nicht zum ersten Mal.

Bedeutet Olympia für einen Sportler nicht mehr als ein einzelnes Weltcup-Rennen?

Kitzbühel mehr als ein Weltcup-Rennen

Doch die Abfahrt in Kitzbühel ist mehr als nur ein Weltcuprennen. Der Film "Die Streif - One Hell of a Ride" macht das auf beeindruckende Art und Weise klar.

Die Schwierigkeit der Strecke in Tirol wird dabei nicht nur durch die zahlreichen Rennszenen in Superzeitlupe deutlich, sondern vor allem durch die neuen Perspektiven, die dem Ski-Fan geboten werden.

Wenn man den Hang der Mausefalle mit seinem 70-prozentigen Gefälle als grasbewachsenen Hügel im Sommer betrachtet, ist die Steilheit des Geländes nicht zu übersehen.

Und die Gefahr, die von der Streif ausgeht, ist wirklich jedem Kinozuschauer nach dem 110-minütigen Streifen klar.

Nur der Sturz von Stemmle fehlt

Nahezu jeder schlimme Sturz der letzten 40 Jahre wird gezeigt. Nur der Unfall von Brian Stemmle, der sich 1989 in einem Sicherheitsnetz verfing und sich innere Verletzungen zuzog, fehlt. Wohl auch, weil das Kitzbüheler Organisationskommitee eine Mitschuld an dem Sturz traf.

Ein paar Stürze weniger hätten es dennoch auch getan. Daniel Albrecht kracht gleich ein halbes Dutzend Mal nach dem Zielsprung auf den harten Schnee.

Emotional wird es, als Albrecht und das andere Sturz-Opfer Hans Grugger über ihren schweren Kampf zurück in die Normalität sprechen.

Für beide bedeutete der Unfall auf der Streif einen tiefen Einschnitt im Leben. Und doch sprechen sie ehrfurchtsvoll und personalisiert von der Strecke. Grugger ist der Streif dankbar, dass sie ihn am Leben gelassen hat.

Film überschreitet Grenzen

Doch im Falle Gruggers überschreitet der Film Grenzen. Dessen Lebensgefährtin Ingrid Rumpfhuber wird im Krankenhaus gezeigt, als sie um das Leben Gruggers bangt.

Auch bei einem der ersten persönlichen Gespräche nach dem Unfall ist die Kamera dabei.

Davon aber abgesehen ist die Nähe, die der Zuschauer zu den einzelnen Fahrern bekommt, ein positiver Mehrwert.

Erik Guay im Skype-Gespräch mit seiner Familie, der Weißrusse Yuri Danolichkin beim Übernachten im Auto mit seiner Mutter. Man baut große Sympathien zu diesen Fahrern auf, die alle Helden für sich sind.

Und alle geben zu: Auch sie haben ein wenig Angst vor der Streif. Dennoch stürzen sie sich jedes Jahr die Strecke herunter.

"Du weißt, dass dir was passieren kann, aber du weißt auch, dass du vielleicht gewinnen kannst“, erklärt Guay den Antrieb der Skifahrer, sich dem großen Risiko auszusetzen.

Moderne Gladiatoren

Die Strecke bezwingen, das Unkontrollierbare zu kontrollieren und sich als moderner Gladiator von den Massen in Kitzbühel feiern zu lassen.

Bis zur Siegesfeier gibt es einen echten Spannungsaufbau. Ausgehend von den harten Trainingseinheiten der Fahrer und den Vorbereitungen des Skiclubs im Sommer rückt das Rennen immer näher, bis es nur noch wenige Stunden bis zum Start sind.

Und am Ende gibt es einen wahren Helden. Obwohl er sich vor dem Start kaum bewegen kann, gewinnt der Österreicher Hannes Reichelt das Rennen auf der gefährlichsten Abfahrt der Welt mit einer kaputten Bandscheibe.

Fazit: Der Film "Streif - one hell of a ride" ist für jeden Ski-Fan ein Muss. Zartbesaitete Gemüter sollten sich den Kinobesuch aber überlegen. Die Frau im Kinosessel neben mir wendete sich bei einigen Sturzszenen mit Grausen ab.

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