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Vail - Bei Felix Neureuther überwiegt nach Rang vier im Riesenslalom der Ski-WM Enttäuschung. Auf den Slalom ist er umso heißer. Der Trainer warnt vor "zu viel Attacke".

Langsam und vorsichtig, einen großen Rucksack auf dem Rücken, kam Felix Neureuther den Berg herunter.
Neben ihm Vater Christian. Beide waren erkennbar vertieft in ein ernstes Gespräch - das Thema war nicht schwer zu erraten. "Tja", sagte der deutsche Männer-Cheftrainer Mathias Berthold, als Vater und Sohn hinter ihm vorbeigegangen waren, "ein vierter Platz ist natürlich bei Weltmeisterschaften oder Großereignissen eigentlich ein scheiß Ergebnis."
Nicht nur eigentlich. "Hier bei der WM ist das natürlich bitter", sagte Felix Neureuther. Ihm war anzusehen und anzumerken, dass er dieser plötzlich aufgetauchten, am Ende aber vergebenen Chance, anstelle von Ted Ligety (USA), Marcel Hirscher (Österreich) oder Alexis Pinturault (Frankreich) auf dem Siegerpodest zu stehen, hinterhertrauerte. (SERVICE: Zeitplan der alpinen Ski-WM)

Neureuther im Zwiespalt

Und wie zum Hohn musste am Abend auch Neureuther wie alle Viert-, Fünft- und Sechsplatzierten bei der Siegerehrung mit ansehen, wie andere die Medaillen umgehängt bekamen.
Neureuther befand sich erkennbar in einem Zwiespalt der Gefühle nach seinem besten Riesenslalom-Ergebis in dieser Saison.

"Eine sehr, sehr große Überraschung" wäre es gewesen, hätte er auf dem Siegertreppchen gestanden - und nicht daneben wie bestellt und nicht abgeholt. Zugleich wusste er: "Die drei Jungs, die da oben stehen, sind derzeit die besten Riesenslalomfahrer der Welt. Um einen zu schlagen, hätte alles passen müssen."

Er aber habe im Finale leider "ein paar Schwünge nicht getroffen". Und so fiel Neureuther im zweiten Durchgang vom dritten auf den vierten Platz zurück, am Ende fehlten 0,22 Sekunden zu Bronze.

Alle Konzentration auf den Slalom

Als sein vierter Rang feststand, drehte er sich zu Vater Christian und Mutter Rosi und hob die Arme als wolle er sagen, Mist, blöd gelaufen. Vater Christian tat es ihm gleich. Doch als die erste große Enttäuschung vorüber war, war Felix Neureuther schon wieder sehr zuversichtlich gestimmt: "Der Slalom ist das Rennen, bei dem ich die besten Chancen habe."

Dieser Slalom wird zum Abschluss der WM noch mal ein Highlight werden, Neureuther sagt: "Ich freue mich sehr darauf", er weiß aber auch: "Der Slalom ist total offen". Choroschilow, Hargin, Marcel, wie sie alle heißen." Neureuther und sein große Rivale Hirscher, der Weltmeister von Schladming 2013 und sein "Vize", sind favorisiert.

Beide haben je zwei Rennen gewonnen von acht Slaloms in diesem Winter. Neureuther steht auf Rang eins in der Weltcup-Wertung, Hirscher auf Rang zwei. Seiner Sache sicher kann sich keiner der beiden sein. "Es gibt für Sonntag so viele Favoriten, das ist unglaublich", sagt Hirscher, der im Riesenslalom mit Silber seine dritte Medaille bei dieser WM holte - nach Gold in der Super-Kombination sowie im Team-Wettbewerb.

Berthold warnt: "Nicht zu viel Attacke"

Es gibt aber aussichtsreiche weitere Kandidaten: Da sind der schon erwähnte Russe Alexander Choroschilow, Sieger in Schladming, dem letzten Rennen vor der WM. Da ist der Schwede Mattias Hargin, Sieger davor in Kitzbühel. Oder Stefano Gross aus Italien, Sieger in Wengen.
Berthold wünscht sich, dass Neureuther jetzt nicht überdreht im Slalom. "Das Ergebnis muss man mitnehmen als positives Ergebnis und dann einen ganz vernünftigen Slalom fahren", sagt der Cheftrainer, weil: "Zu viel Attacke ist nicht notwendig", Neureuther "fährt so stark derzeit im Slalom, dass er sein Ding locker durchziehen sollte."

Neureuther ist eh davon überzeugt: Wenn er sein Ding durchziehen kann, "wird es schwer, mich zu schlagen." Fraglich, was Fritz Dopfer zu leisten imstande sein wird. Im Riesenslalom belegte er Rang 15, er wirkte, obwohl er tapfer das Gegenteil behauptete, gehandicapt von seinen Rückenproblemen.

In der Weltcup-Wertung ist er freilich Vierter, was ihn zu einem Anwärter auf eine Medaille macht. Normalerweise.

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