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Olympiasiegerin Anna Fenninger holte bei der Ski-WM in Vail den Titel im Super G
Olympiasiegerin Anna Fenninger holte bei der Ski-WM in Vail den Titel im Super G © Imago

München - Anna Fenninger rast im Super-G zum WM-Titel, dabei stand und steht für die Österreicherin sogar ein Nationenwechsel im Raum. Quell des Zoffs ist ihre Nähe zu Deutschland.

Nach ihrem historischen Triumph bei der Ski-WM in Vail/Beaver Creek strahlte Anna Fenninger mit der goldenen Schneeflocke, ihrer glänzenden Belohnung für die ebenso glänzende Fahrt im Super-G, um die Wette.

Ausgerechnet sie, die ungeliebte Tochter, hatte die stolze Skination Österreich glücklich gemacht. Als erste Läuferin überhaupt schnappte sich die Olympiasiegerin auch den Weltmeistertitel im Super-G.

Stach nicht nur Titelverteidigerin Tina Maze (0,03 Sekunden zurück) aus, sondern stahl auch der Lokalmatadorin Lindsey Vonn die Show.

Es hätte aber nicht allzu viel gefehlt, und auf dem Podium wäre für Fenninger nicht Österreichs, sondern Deutschlands Nationalhymne gespielt worden.

Denn im Zoff zwischen der schnellen Schönheit und dem ÖSV stand und steht sogar ein Nationenwechsel im Raum - und Deutschland spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle.

Ärger um Sponsoren und Stellenwert

Fenningers Verbindungen ins Nachbarland kommen beim ÖSV und Verbandschef Peter Schröcksnadel schon seit längerem nicht gut an.

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Peter Schröcksnadel ist seit 1990 Präsident des ÖSV und seit 2009 auch Chef der European Ski Federation © Getty Images

Mit ihrem deutschen Manager Klaus Kärcher scheut die selbstbewusste, bisweilen auch als dickköpfig beschriebene Fenninger die Konfrontation mit dem mächtigen ÖSV-Boss nicht.

Schon 2011, nach dem Sieg in der Super-Kombi bei der WM in Garmisch-Partenkirchen, beschwerte sich die heute 25-Jährige, sie sei mit 16 erst verheizt und später im Regen stehen gelassen worden, als die Ergebnisse im Weltcup nicht stimmten.

Sie sei "keine einfache Athletin", gibt Fenninger zu. Und zum Jahreswechsel wäre der Zwist zwischen der Olympiasiegerin von Sotschi und dem ÖSV um ein Haar eskaliert.

Auf Konfrontationskurs mit den Österreichern

Aus Ärger über angeblich versprochene Werbeverträge, die Schröcksnadel hätte besorgen sollen, bandelten Fenninger und Kärcher mit Mercedes an - eine Provokation gegenüber dem ÖSV, der wie fast alle Weltcup-Teams mit Audi kooperiert.

Dass sich die Salzburgerin zum Saisonende zudem von Helmsponsor Raiffeisen trennt, stößt ebenfalls sauer auf.

Zwar versicherte Manager Kärcher in der Kronen Zeitung zu Jahresbeginn, "Mercedes auf dem Kopf und Audi auf der Brust, das geht gar nicht", stärkte aber zugleich demonstrativ die Verbindung.

So könne Mercedes Fenninger als Botschafterin für den Cheetah Conservation Fund, einer Organisation für die gefährdeten Geparde, unterstützen. "Als Privatauto pilotiert Anna auch einen Mercedes", berichtete ihr Manager zudem: "Das ist kein Geheimnis, sondern allgemein bekannt."

Während es im Verhältnis Fenninger-ÖSV also durchaus knirscht, steht die zweifache Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Gesamtweltcupsiegerin in Deutschland hoch im Kurs.

So wurde sie Anfang Januar für eine Dokumentation "fast rund um die Uhr von einem ARD-Team begleitet", wie Manager Kärcher berichtete: "Die Deutschen sind schon beim Aufstehen neben ihr."

Schriftliches Treuebekenntnis

Die Kombination aus Zoff mit dem ÖSV und Nähe zu Deutschland führte dann auch fast folgerichtig zu Gerüchten, Fenninger wolle womöglich sogar die Nation wechseln.

Kärcher tat das als "völligen Unsinn" ab und berichtete sogar von einem ungewöhnlichen Schritt: "Anna hat dem Österreichischen Skiverband schriftlich mitgeteilt, immer für Österreich zu fahren, weil sie mit Herz und Seele Österreicherin ist. Dies wird sie auch bis an ihr Lebensende bleiben."

Auch Fenninger zeigte sich nach ihrem Triumph in Vail bemüht, die Wogen zu glätten, und sagte zum Sponsoren-Zoff mit dem ÖSV: "Wir stehen einfach in der Öffentlichkeit. Was rund herum passiert, geschieht deswegen, weil man interessant ist. Ich habe das nicht so negativ gesehen, sondern eher versucht, das positiv aufzufassen. Das hat mich überhaupt nicht belastet oder runtergezogen."

Auch seien "auf beiden Seiten Fehler gemacht" worden.

Fortsetzung folgt

Also alles vergeben und vergessen? Wohl eher nicht.

"Ich weiß, dass das Thema nicht abgeschlossen ist und immer weiter geht", fügte Fenninger in Vail an: " Das ist ja auch gut so."

Auch ihr Manager signalisiert nur für den Moment eine Art Burgfrieden. "Ich halte alles von ihr fern, nach der Saison kommt alles auf den Tisch. Sie kann nur eine Antwort geben, und das ist die sportliche."

Als frischgebackene Weltmeisterin ist Fenninger das schon mal eindrucksvoll gelungen.

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