München - Der fürchterliche Sturz des Tschechen Ondrej Bank überschattet die erste Woche der Ski-WM. Und er entfacht die Diskussion um die Sicherheit der Fahrer neu.

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Der Horrorsturz von Ondrej Bank weckt Erinnerungen an andere spektakuläre Abflüge der Ski-Geschichte.

Daniel Albrecht lag 2009 nach einem Unfall auf der Streif in Kitzbühel lange Zeit im Koma und knüpfte danach nie wieder an seine Erfolge an.

Lanzingers Unterschenkel amputiert

Noch schlimmer erwischte es Matthias Lanzinger: Der Österreicher stürzte 2008 beim Super-G in Kvitfjell so schwer, dass sein linker Unterschenkel amputiert werden musste.

Dagegen ist Bank am Sonntag äußert glimpflich davongekommen: Der Tscheche erlitt "nur" eine Gehirnerschütterung sowie Schürfwunden im Gesicht und Prellungen an den Beinen.

Schon wenige Stunden nach seiner Einlieferung konnte er das Krankenbett in Vail verlassen, wie ein Foto auf seiner Facebook-Seite zeigt. Nichtsdestotrotz entfachte der Sturz des 34-jährigen Routiniers die Diskussionen um die Sicherheit der Fahrer neu.

Speziell der letzte Sprung der Abfahrtsstrecke der Männer wurde zum Zentrum der Debatte: "Es ist ein bisschen wellig, es hat keine gerade Linie von Tor bis Tor. Wenn man schon im Training sieht, dass jeder anders springt, dann passt beim Sprung etwas nicht", kritisierte Ivica Kostelic.

Kjetil Jansrud, Silbermedaillen-Gewinner in der Super-Kombination, pflichtete dem Kroaten bei: "Dort ist eine kleine Kompression, dann geht es hoch auf den Schanzentisch beim Zielsprung, das macht die Kompression größer. Das ist fast der schwierigste Teil von diesem Kurs."

Probleme mit dem Zielsprung

Bereits in der Spezialabfahrt und in den Trainingsläufen hatten mehrere Läufer Probleme mit dem Zielsprung.

Der Internationale Ski-Verband FIS versucht seit dieser Saison, Abfahrten wieder attraktiver zu machen, indem man Wellen und Sprünge verstärkt, ohne die Gefahr für die Athleten zu erhöhen.

Verantwortlich dafür ist vor allem der Österreicher Hannes Trinkl. Der Ex-Weltmeister ist seit dieser Saison für die Streckenführung der Abfahrten verantwortlich. Mehr Spektakel ist sein Motto. "Wir suchen nun eine Mischung zwischen attraktiv und dass sich keiner dabei umbringt", sagte Trinkl bei seinem Antritt.

Eine Gratwanderung, die Ondrej Bank zum Verhängnis wurde.

Abfahrt so lang wie bei den Spezialisten

Außerdem plante die FIS die Strecke der Kombi-Abfahrt dieses Mal genauso lang wie die der Spezialisten. Die Folge: In der Kombination kommen ungeübte Abfahrer entkräftet unten an, das Risiko steigt von Meter zu Meter. Bank ist kein schlechter Speed-Fahrer, trotzdem hätte das Ganze bei ihm weit schlimmer ausgehen können.

Es gibt jedoch auch gegenteilige Meinungen. Der ehemalige Aktive Didier Cuche spricht von einem "Fahrfehler". "Bank hat vor dem Sprung die Kontrolle verloren", so der Schweizer.

Der tschechische Allrounder hatte in der Kurve vor dem letzten Sprung bei der Abfahrt der Super-Kombination auf der Birds of Prey mit dem Außenski verkantet und war dadurch in Rücklage geraten.

Bank prallt mit voller Wucht auf

Daraufhin nahm er ein Tor mit, hob an der Kante unkontrolliert ab, schleuderte durch die Luft und prallte mit voller Wucht auf die harte Piste.

Er rutschte auf dem Boden liegend über die Ziellinie, sodass alle Anwesenden im Zielraum den Horrorsturz hautnah miterlebten.

Innerhofer sieht nicht hin

"Ich habe gehört, dass die Zuschauer aufgeschrien haben und habe dann weggeschaut, so etwas kann ich nicht sehen", schilderte der Italiener Christof Innerhofer.

Kollege Andrew Weibrecht schickte via Twitter Besserungswünsche: "Bank hat uns heute die dunkle Seite der Abfahrt gezeigt. Unsere Gedanken sind bei ihm für eine schnelle Genesung."

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