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SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine (l.) blickt auf den zweimaligen "Streif"-Sieger Sepp Ferstl zurück
SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine (l.) blickt auf den zweimaligen "Streif"-Sieger Sepp Ferstl zurück © Sport1

München - Der zweimalige "Streif"-Sieger Sepp Ferstl hatte bei der Weltcup-Abfahrt 1979 in Schladming kurz vor dem Ziel Schrecksekunden zu überstehen. Durch einen irren Reflex konnte der Deutsche im Stil eines Limbo-Tänzers verhindern, dass er stranguliert wurde. Wolfgang Kleine erinnert sich.

Der zweimalige "Streif"-Sieger Sepp Ferstl hatte bei der Weltcup-Abfahrt 1979 in Schladming kurz vor dem Ziel Schrecksekunden zu überstehen. Durch einen irren Reflex konnte der Deutsche im Stil eines Limbo-Tänzers verhindern, dass er stranguliert wurde.

Sein Sohn Josef "Beppi" Ferstl hat in Kvitfjell das kommende alpine Weltcup-Finale in Meribel knapp verpasst. Die Leistungen in dieser Saison waren eher Mittelmaß, der Durchbruch in die Ski-Weltspitze fehlte.

Nach wie vor ist noch Vater Sepp Ferstl der erfolgreichste Abfahrer in der Familie. 1978 und 1979 gewann er auf der berüchtigten "Streif" in Kitzbühel.

Doch der heute 60-Jährige denkt nicht nur an die großen Triumphe zurück, sondern auch an die größten Schrecksekunden seiner alpinen Karriere, die in dem Moment hätte jäh zu Ende sein können.

Man schrieb den 22. Dezember 1979. Ein verregneter Tag mit viel Wind in Schladming. Die Strecke für die Weltcup-Abfahrt auf der "Planai" war schlecht. Die Stars und Mitfavoriten wie Olympiasieger Franz Klammer (Österreich) schimpften, beschwerten sich bei der Jury.

Doch das nützte erst einmal nichts. Sepp Ferstl musste mit Startnummer 10 auf die schlechte Strecke. Im Gegensatz zu einigen stürzenden Konkurrenten kämpfte sich der Deutsche, WM-Vierter 1978 in Garmisch-Partenkirchen, bis kurz vor dem Ende der Strecke durch.

Dann, rund 30 Meter vor dem Ziel, der große Schockmoment. Ferstl schildert bei SPORT1 die Szene: "Ich raste den Zielschuss bis zum Sprung herunter. Als ich in der Luft war, sah ich, dass das Zielbanner sich auf rund einen halben Meter Höhe gesenkt hatte. Was tun?"

Ferstl reagierte spontan. Er warf sich nach hinten auf die Ski und rutschte wie ein Limbo-Tänzer knapp unter dem Zielbanner durch: "Ich konnte nicht groß nachdenken, was ich tue. Es war ein reiner Überlebens-Reflex. Ich hätte durch das Banner stranguliert werden können. Darum hieß es für mich: Kopf runter nach hinten. Lieber zuerst mit den Beinen in das Banner als mit dem Kopf. Ich hatte Glück, kam drunter her, verlor aber dabei einen Ski, der durch das Banner in die Höhe katapultiert wurde und, wie ich später erfuhr, im Zielraum nur knapp an meinem Kopf vorbeiflog."

Während das Rennen wegen der schlechten Witterung und zahlreichen Stürzen nach dem 28. Läufer bei der Führung des Kanadiers Steve Podborsky abgebrochen wurde, diskutierten die Zuschauer, Trainer und Betreuer aber immer noch über den Vorfall um Sepp Ferstl. Wie konnte das geschehen?

Der Abfahrts-Star erklärte jetzt den Hintergrund: "Der Regen und der Wind sorgten dafür, dass ein Stützpfosten, der das Zielbanner hielt, umfiel. Dadurch rutschte das Halteseil des Zielbanners nach unten und das Banner blieb auf einer Höhe von 50 Zentimetern über dem Schnee hängen. Das geschah erst kurz vor meiner Zieleinfahrt und die Helfer konnten nichts mehr machen."

Ein richtiger Reflex bei der Zieldurchfahrt hatte Sepp Ferstl an diesem 22. Dezember 1979 in Schladming möglicherweise das Leben gerettet. 

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979und die Begleitung der Tour de France 1996, 1997 sowie 1998 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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