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Alberto Tomba gewann bei den Olmypischen Spielen 1988 Gold im Slalom und Riesenslalom
Alberto Tomba gewann bei den Olmypischen Spielen 1988 Gold im Slalom und Riesenslalom © Getty Images

Der Ski-Zirkus startet in Sölden in die neue Saison. Neureuther gehört zu den Favoriten, doch die ganz großen "Typen" fehlen. Wolfgang Kleine erinnert an Maier und Tomba.

It's Showtime in Sölden! Am Wochenende geht's wieder los: Der alpine Ski-Weltcup steigt am Samstag mit dem Riesenslalom der Damen (ab 9.30 im LIVETICKER) und am Sonntag mit dem der Herren (ab 9.30 im LIVETICKER) in die neue Saison.

Anders als noch vor über zehn Jahren, als Alois Vogl allein auf weiter Flur im Deutschen Ski-Verband oft vergeblich den Kampf um den zweiten DSV-Startplatz kämpfte, gehören momentan bei den Herren Felix Neureuther, Fritz Dopfer und Stefan Luitz zu den Podest-Kandidaten.

Auf dem Rettenbach-Gletscher raste Dopfer vor einem Jahr hinter Marcel Hirscher (Österreich) auf Rang zwei. In der einst schwächsten DSV-Disziplin geht seit wenigen Jahren die Post ab, vor allem Neureuther und Dopfer sorgen auch außerhalb der Skipiste für Aufsehen und Gesprächsstoff.

"Tomba als Party-Hengst"

Aber es ist noch nicht der Hype, den einst der Camper Bode Miller ("Bode on the Bus") in Galaform, ein Hermann Maier und vor allem ein Alberto Tomba ("La Bomba") unter den Fans auslösten.

Sie fuhren nicht nur erfolgreich, die brachten auch die Funktionäre auf Trab und ließen FIS-Direktoren verzweifeln. Es waren einfach Typen.

"Alberto Tomba als Party-Hengst", "Tomba auf dem Parkplatz verprügelt", "Tomba als Steuer-Hinterzieher". "Bad news are good news", sagen die Engländer, Frauenschwarm Tomba besorgte sie. Fünf Jahre lang war Alberto mit Martina Colombari, der Miss Italia von 1991, liiert.

Fans reißen Werbebanden um

Die Teilnahme des Slalom-Stars an Partys der Mailänder Schickeria und die vielen echten oder erfundenen Liebesaffären sorgten regelmäßig für Schlagzeilen.

Wenn "La Bomba", der italienische Millionärssohn aus der Großstadt Bologna, nach seinen Rennen in den Zielraum mit Bestzeit fuhr, drehten die Tifosi völlig durch. Sie überrannten die Werbebanden, um mit "Alberto nazionale" den Sieg zu zelebrieren.

Und wenn ihm einmal die italienischen Skilangläufer wie bei Olympia 1994 in Lillehammer mit dem sensationellen Staffel-Triumph über Norwegen die Show stahlen, war Tomba zur Stelle. Ich erinnere mich noch gut: Er feierte mit ihnen und erklärte dann den verdutzten Reportern: "Jetzt werde ich auch Langläufer."

Maier ein Naturereignis

Der andre große Typ war Hermann Maier. Ein Naturereignis. Der "Herminator" sorgte in Österreich mit seinen Auftritten für kollektive Herzinfarkte wie bei seinen spektakulären Überschlägen in der Olympia-Abfahrt 1998 in Nagano, für Freude über die Triumphe oder auch für Schockstarre unter den Fans.

Am 24. August 2001 schien nach einem schweren Motorrad-Unfall Maiers Karriere beendet. Es drohte der Verlust des rechten Beines. Sieben Stunden lang wurde er im Unfallkrankenhaus in Salzburg operiert. Maier flehte die Ärzte an: "Rettet mein Bein!". Die Nation hielten den Atem an und hoffte. Die Ärzte schafften das Wunder.

Die Tränen des Hartgesottenen

Der "Herminator" konnte in der Saison 2002/2003 wieder starten. Er gab am 14. Januar 2003 beim Riesenslalom in Adelboden ein sensationelles Comeback und feierte 13 Tage später am 27. Januar in Kitzbühel beim Super-G seinen ersten Erfolg nach der Verletzungspause.

Der scheinbar sonst Hartgesottene vergoss im Ziel Tränen, viele Fans auf den Tribünen taten es ihm nach. Mit diesem Sieg war Hermann Maier in die Sportgeschichte eingegangen.

Die Erinnerungen an diesen denkwürdigen und emotionalen Tag des "Typen von Flachau" kamen auch bei der Abschiedskonferenz wieder hoch. Hermann Maier weinte - und die österreichische Nation mit ihm.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979und die Begleitung der Tour de France 1996, 1997 sowie 1998 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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