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Psycho-Krieg von Lindsey Vonn gegen Lara Gut
Lara Gut (l.) und Lindsey Vonn kämpfen verbissen um den Gesamtweltcup © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images/imago

München - Zickenzoff reloaded: Wieder legt sich Lindsey Vonn mit einer Konkurrentin an, diesmal ist es Lara Gut. Die Aktionen der Amerikanerin laufen nach einem gewissen Schema ab.

"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht."

Dieses alte Sprichwort wurde Ski-Star Lindsey Vonn am Wochenende zum Verhängnis.

Als sie nach ihrem Sturz am Samstag im Super-G in Andorra trotz eines Haarisses im Knie auf die Zähne biss und am nächsten Tag mit Schmerzen zur Super-Kombination antrat, machten gehässige Kommentare im Skizirkus und in den sozialen Medien die Runde.

Abwechselnd wurde sie als "Drama-Queen" oder Schauspielerin" bezeichnet.

"Immer nur Theater"

Nachdem sie tags zuvor noch mit dem Rettungsschlitten abtransportiert worden war, hatten manche schon einen Kreuzbandriss und das Saisonaus befürchtet. Als Vonn dann plötzlich am nächsten Morgen wieder im Starthaus stand, reagierten einige Kolleginnen mit Kopfschütteln.

Ihre Rivalin im Gesamt-Weltcup, Lara Gut aus der Schweiz, schimpfte nach dem Rennen:  "Sie macht immer nur Theater."

Vonn wehrte sich hinterher gegen den bösen Verdacht: "Das ist nicht lustig und tut weh. Es ist unglaublich, dass Leute auf dem Sofa sitzen und so etwas behaupten oder sagen, ich hätte einen Oscar gewonnen. Ich bin da gelegen und hatte Schmerzen."

Um ihre Worte mit Fakten zu belegen, postete die Amerikanerin am Abend nach der MRT-Untersuchung noch ein Foto von ihrem Knie und dem 1,6 cm breiten Riss.

Ihre Kollegin Gut stimmte das nicht milde.

Auch am Montag hatte sie noch einen dicken Hals. "Lara ist nach wie vor voll geladen", berichtete ihr Trainer Hans Flatscher im Schweizer Fernsehen.

Drama-Queen mit Vorgeschichte

Doch woher kommt dieser böse Grundverdacht gegen Vonn? Das liegt an der Vorgeschichte der Drama-Queen. Die Amerikanerin gab am Sonntag sogar indirekt zu, ihre Gegnerinnen gerne bewusst zu verunsichern.

"Es war auch wichtig für die Konkurrentinnen, dass sie sehen, dass ich nicht aufhöre. Ich bin alt, aber ich bin nicht fertig", sagte sie im ZDF.

Vor allem ihre Freundin und ehemalige Rivalin Maria Höfl-Riesch wurde in der Vergangenheit mehrfach Opfer von Vonns Psycho-Spielchen.

Immer wenn es für die Rekord-Weltcupsiegerin eng wurde, griff sie zu anderen Mitteln.

Olympia 2010:

Vonn ist vor den Olympischen Spielen in absoluter Topform, gewinnt bis zum Januar fünf von fünf Abfahrten. Im Kampf um Gold scheint sie nicht zu schlagen.

Doch kurz vor dem Rennen in Vancouver macht sie Maria Höfl-Riesch zur Favoritin. Sie selbst habe große Schmerzen im Schienbein.

Bald gab es kein anderes Thema mehr als das "Schienbein der Nation". Höfl-Riesch konnte mit dem plötzlichen Favoritendruck nicht umgehen und wurde nur Achte.

Vonn holte Gold. Der Psychotrick hatte sich ausgezahlt.

WM 2011:

Lindsey Vonn stürzt wenige Tage vor der WM in Garmisch-Partenkirchen im Training und zieht sich eine leichte Gehirnerschütterung zu.

Wieder macht sie ihren mangelnden Fitnesszustand danach zum Thema. Und wieder steigt der Druck auf Maria Höfl-Riesch, auf die bei ihrer Heim-WM ohnehin schon alle Augen gerichtet sind.

Diesmal geht Vonns Psycho-Trick nicht auf. Sie selbst wird Siebte, Höfl-Riesch gewinnt die Bronzemedaille.

Das Duell um den Gesamt-Weltcup 2011:

Vonn greift zu allen Mitteln, um die Führende Höfl-Riesch zu verunsichern. Heimlich wechselt sie vor den Rennen jeweils ihre Skischuhe und fährt nicht mit denen ihres Ausrüsters.

Wieder klappt der Trick zunächst. Höfl-Riesch beschäftigt sich mehr mit Vonns Schuhen als ihrer eigenen Leistung. Der Vorsprung schmilzt. Am Ende bekommt die Deutsche gerade noch einmal die Kurve und gewinnt den Gesamt-Weltcup, nachdem das letzte Saisonrennen abgesagt worden ist.

Trotz aller Psycho-Tricks musste sich Lindsey Vonn 2011 im Duell um den Gesamt-Weltcup Maria Höfl-Riesch geschlagen geben © Getty Images

Die Freundschaft zwischen Vonn und Höfl-Riesch zebrach daraufhin kurzzeitig, mittlerweile haben sich beide wieder versöhnt.

Höfl-Rieschs Ex-Kolleginnen haben aus diesen Vorfällen eines gelernt: bloß nicht von der Drama-Queen verrückt machen lassen!

So sagt Gut am Sonntag über Vonns Spielchen: "Ich will nicht darüber nachdenken, ich will einfach nur Skifahren." 

Es bleibt abzuwarten, wie lange Gut das gelingt.

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