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Die Qualifikation der Skispringer um Severin Freund fällt aus
Severin Freund zählt zu den großen Verlierern in Oberstdorf © getty

Oberstdorf - Nach dem Debakel in Oberstdorf geht der Bundestrainer mit seinem Team hart ins Gericht. Es geht nur noch um Schadensbegrenzung.

Severin Freund schüttelte enttäuscht den Kopf, Richard Freitag verschwand schmollend in den Katakomben.

Die beiden besten deutschen Skispringer haben zum Auftakt der 63. Vierschanzentournee in Oberstdorf eine heftige Bruchlandung hingelegt und schon nach dem ersten Springen kaum noch Chancen auf den insgeheim erhofften Gesamtsieg.

Beim ersten Weltcup-Sieg des Österreichers Stefan Kraft musste sich Mitfavorit Freund als bester DSV-Adler mit Rang 13 begnügen. Freitag landete eine Woche nach seinem Sieg in Engelberg sogar nur auf dem 15. Rang.

"Katastrophaler Wettkampf"

"Wir haben einen katastrophalen Wettkampf gemacht. Ich hätte mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt, dass unsere beiden Topleute so schlecht skispringen können", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Auch Skiflug-Weltmeister Freund war nach Flügen auf 126 und 124,5 Meter bitter enttäuscht. "Wir sehen schon seit Jahren dämlich aus bei der Tournee. Auf die Gesamtwertung muss man da nicht mehr schauen", sagte der 26-Jährige.

Mit 255,0 Punkten lag Freund deutlich hinter Kraft. Der 21 Jahre alte Shootingstar siegte mit 291,9 Zählern vor seinem Teamkollegen Michael Hayböck (285,0) und dem Slowenen Peter Prevc (283,9).

Freitag: "Arsch wieder hochkriegen"

Der wie Freund stark eingestufte Freitag (251,4) fand ebenfalls deutliche Worte zum deutschen Desaster.

"Die Köpfe können wir nicht in den Sand stecken und auch nicht in den Schnee - das ist zu kalt. Wir müssen sehen, dass wir den Arsch wieder hochkriegen", sagte der Sachse: "Wir haben noch einige Springen vor uns, auch wenn wir einigen Boden verloren haben."

Team-Olympiasieger Marinus Kraus , nach dem ersten Durchgang noch Neunter, musste sich am Ende mit dem 18. Rang begnügen. In die Punkte schafften es zudem Stephan Leyhe, Daniel Wenig und Michael Neumayer auf den Rängen 19, 22 und 25.

Stoch meldet sich zurück

Ein starkes Comeback feierte Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch. Der Pole bestritt nach langer Verletzungspause seinen ersten Wettkampf in diesem Winter und sorgte mit Rang vier für ein Ausrufezeichen.

Tournee-Titelverteidiger Thomas Diethart (Österreich) setzte mit Rang 27 seine bislang so schwache Saison fort, auch Superstar Gregor Schlierenzauer kam nicht über den 17. Platz hinaus.

Ammann stürzt

Einen noch schwärzeren Tag erwischte Simon Ammann. Der Mitfavorit aus der Schweiz, der im Vorjahr in Oberstdorf noch gewonnen hatte, stürzte nach der Landung und schaffte es nicht in den zweiten Durchgang.

"Das ist extrem ärgerlich, man darf einfach nicht stürzen. Der Neuschnee hat ein wenig gestoppt", sagte der 33-Jährige, für den der Traum vom ersten Tournee-Triumph bereits beendet ist.

Eisenbichler früh raus

Alle Hoffnungen auf eine gute Gesamtplatzierung begraben musste auch Markus Eisenbichler. Der Aufsteiger der bisherigen Saison musste lange auf dem Balken warten, "hüpfte" wegen der verschneiten und langsamen Spur nur auf 107 Meter und verpasste den zweiten Durchgang.

"Ich bin heute einfach schlecht gesprungen, auch schon im Probedurchgang. Das war nicht mein Tag", sagte der 23-Jährige. Nach dem ersten Durchgang die Koffer packen mussten aus deutscher Sicht zudem Karl Geiger (38.), Andreas Wank (39.) und Tim Fuchs (47.).

Absage abgewendet

Wie schon beim abgebrochenen Springen am Sonntag richtete sich der Blick der Organisatoren fast ständig gen Himmel. FIS-Renndirektor Walter Hofer hatte im Vorfeld klar gemacht, dass es keinen dritten Versuch in Oberstdorf geben werde.

Ein Tournee ohne Wettkampf am Schattenberg hatte es noch nie geben, am Ende wurde die befürchtete "Dreischanzentournee" aber abgewendet.

Neuanfang in Garmisch

Auf die DSV-Adler wartet nun das gerade von Freund so ungeliebte Springen in Garmisch-Partenkirchen, wo am Mittwoch die Qualifikation für das Neujahrsspringen ansteht.

Auf der Olympia-Schanze hat der Niederbayer in seiner Karriere erst einmal ein Top-Ten-Ergebnis erzielt, im vergangenen Winter verpasste er sogar den zweiten Durchgang.

"Wir werden jetzt nicht mit Heulen anfangen, sondern weiter kämpfen", kündigte Freund dennoch in Oberstdorf an.

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