Die Deutschen haben bei der Vierschanzentournee das Nachsehen gegen Österreich - dank alter Fehler. Der Hannawald-Hype verpufft.

Als ich am Dienstag in Bischofshofen probehalber die Siegestrophäe für den Tourneesieg hochstemmte, scherzte der Österreicher neben mir: "Da wirst du für die nächsten 50.000 Jahre der einzige Deutsche sein." Das Schlimme war: ich konnte die kühne Aussage des Einheimischen nicht einmal kontern.

Denn nach der 63. Vierschanzentournee macht wenig Hoffnung, dass die deutschen Skispringer die rot-weiß-roten Adler bald übertrumpfen könnten. In diesem Jahr schien die Chance so groß wie nie. Die Österreicher schwächelten zu Saisonbeginn, Severin Freund und Richard Freitag schienen in Topform.

Doch dann tauchten bei der Tournee plötzlich Stefan Kraft und Michael Hayböck auf, die vorher nur Insidern bekannt waren.

Der Strom an österreichischen Talenten versiegt nie, in Deutschland ist es nicht einmal ein Bächlein. Zwar hat Bundestrainer Werner Schuster die Nachwuchsarbeit in den letzten Jahren verbessert, aber dazu müsste erst einmal Nachwuchs da sein.

Eine Skisprungkultur wie in Österreich, wo in jedem zweiten größeren Tiroler oder Salzburger Ort eine Schanze steht, gibt es hierzulande nicht. Dabei hätte man diese durchaus schaffen können. Die Skisprung-Begeisterung in der goldenen Ära von Hannawald und Schmitt war riesig.

Doch anstatt das für die Nachwuchsgewinnung auszunutzen, machte sich der Verband mit den lukrativen TV-Verträgen lieber die Taschen voll. Man wollte lieber kreischende 15-Jährige im Stadion sehen als Fünfjährige beim Anfängertraining.

Bis heute hat sich daran nicht viel geändert, die meisten Talente kommen erst im zweiten Schritt vom Alpinski zum Skispringen. Dann haben die österreichischen Kids schon drei Jahre intensives Training hinter sich. Und so feiert ein Stephan Leyhe mit 23 Jahren erst seine Tournee-Premiere, Sieger Stefan Kraft ist übrigens genauso alt.

Um Österreich dauerhaft Konkurrenz machen zu können, müsste sich in Deutschland Grundlegendes ändern.

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